Josef Prister (4. von links) bei der Herz-Jesu-Prozession
Josef Prister erhielt beim Festkonzert 2018 als Zeichen des Dankes für seine 70-jährige Mitgliedschaft eine Urkunde.
Im Bild (v.r.): Josef Prister, Christian Prister, Kapellmeister der MK Kastelbell, und Pater Daniel bei der Florianifeier der FF Kastelbell.

„Musi holtet mi jung“

Josef Prister ist mit 88 Jahren einer der ältesten Musikanten in Südtirol. 

Publiziert in 27 / 2019 - Erschienen am 1. August 2019

Kastelbell - Die Musikkapelle Kastelbell feiert im Jahr 2020 ihr 100-jähriges Bestehen. Über 70 Jahre des erfolgreichen Vereinslebens hat Josef Prister vom Grafenhof in Kastelbell als Musikant mitgeprägt. Somit ist er wohl einer der langgedientesten und mit 88 Jahren einer der ältesten, noch aktiven Musikanten in Südtirol. „Ein so langes Musikantenleben ist nur bei einer guten Gesundheit möglich, dafür bin ich dem Herrgott sehr dankbar“, betonte Sepp dem der Vinschger gegenüber. Die Freude und Leidenschaft zur Musik wurde ihm in die Wiege gelegt. Auch sein Vater Josef Prister war ein begeisterter Musikant und auch Gründungsmitglied der Musikkapelle Kastelbell. Die ersten Schritte in die Welt der Musik machte Sepp gemeinsam mit seiner Schwester Maria in einem Privatunterricht beim Musiklehrer und Organisten August Vill in Schlanders. Er übte sich im Ziehharmonika spielen, Maria hatte Spaß am Geige spielen. Neben dem Kennenlernen und der Handhabung der Instrumente standen auch Notenlehre und musikalische Grundbegriffe im Mittelpunkt. Die Erfolge als „Ziachorgelspieler“ hielten sich in Grenzen, aber zum Begleiten der Spielbuabn usw. reichte es allemal, erwähnt er schmunzelnd. Sein Vater konnte den Auftritten mit der „Quetsch“ wenig Positive abgewinnen, deshalb ermunterte er ihn zum Eintritt in die Musikkapelle Kastelbell. Diesen Schritt vollzog Sepp Prister im Jahre 1948 gemeinsam mit Martin Forcher, Alois Kaserer und Herbert Tscholl. In Ermangelung eines eigenen Probelokals fanden die Proben vorwiegend in der alten Stube im Gasthof Oberwirt und auch zu Hause im Grafenhof statt. Es war die Zeit des Wiederaufbaues nach dem Weltkrieg, die Zahl der aktiven Mitglieder stieg kontinuierlich an, das Interesse für das Vereinsleben war groß. Seine musikalische Laufbahn bei der MK Kastelbell begann er als Flügelhornspieler. Nach rund zehn Jahren wechselte er auf Wunsch des Kapellmeisters zum Tenorhorn, mit dem er heute noch im Einsatz ist. Eine Zeit lang hat er noch mit einigen Gründungsmitgliedern musiziert. In diesen 71 Jahren gab es am Dirigentenpult nur vier Wechsel. Auf Wilhelm Debiasi folgte 1950 Josef Viertler, der 1959 von Herbert Tscholl abgelöst wurde. Seit 1982 schwingt sein Sohn Christian Prister den Taktstock. Gut in Erinnerung geblieben sind Sepp Prister auch die ersten Ausrückungen. „Bei meinem ersten Mitwirken haben wir dem langjährigen Obmann Gottfried Prister ein Ständchen zum Geburtstag gespielt“. Solche Anlässe wurden von den Jungmusikanten immer besonders gefeiert. Mit seinem Vater fuhr Sepp auch zu Konzerten bekannter Musikkapellen, u. a. zum Dreikönigskonzert der Algunder Musi. Sein Vater war einer der wenigen, die damals ein Auto (VW Käfer) besaßen. Besondere Erlebnisse und Höhepunkte in Pristers Musikantenleben waren auch die Auslandsfahrten nach Sonthofen, Nordendorf oder Eutin. Diese Fahrten waren damals für viele die einzige Möglichkeit, einmal ins Ausland zu kommen. Das heutige Überangebot an Unterhaltung, Fernsehen, Reisen und anderes mehr, war nicht vorhanden. Sehr erfreut und richtig stolz war er, als seine große Liebe und spätere Ehefrau Christine Raffeiner Marketenderin wurde. Josef Prister war ein überaus pflichtbewusster Musikant, der nahezu jedes Jahr für den fleißigen Probenbesuch (nicht mehr als fünf Absenzen) mit dem Römerglas ausgezeichnet wurden. Auch bei den Konzerten, Ausrückungen und Auslandsfahrten hat er höchst selten gefehlt. Nach so vielen Musikantenjahren macht sich das Alter doch bemerkbar. Trotz der Freude am Musizieren „denkt man sich halt doch, jetzt hör ich auf. Vor allem in den Wintermonaten geht man am Abend nicht mehr so gerne aus dem Haus.“ Probleme bereitet ihm das Marschieren. Für einen 88-Jährigen ist es doch nicht mehr so einfach, auf die Noten zu schauen und die Zeichen des Stabführers im Auge zu behalten. „Wichtig isch, dass es im Kopf stimmt. Viele glabm gor nit, dass i schun so alt und nou so fit bin“, lacht der vitale Mann. Die Leidenschaft für die Musik begleitet ihn sein ganzes Leben. 

Oskar Telfser
Oskar Telfser
Vinschger Sonderausgabe

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