Österliche Klangrede

In memoriam Josef Pircher (1938‒2019)

Publiziert in 18 / 2019 - Erschienen am 14. Mai 2019

Naturns - Unter der hervorragenden Leitungskunst von Prof. Michael Hillebrand haben das Orchester der Musikfreunde Meran, der Kirchenchor St. Zeno Naturns (Leitung: Rosmarie Perkmann) und der Kirchenchor Untermais (Leitung: Julia Perkmann) am 22. April in der Pfarrkirche von Algund und am 23. April in der Pfarrkirche von Naturns ein vom Publikum mit großem Beifall bedanktes Osterkonzert in memoriam Josef Pircher ausgerichtet. Schön und stimmig, dass das Requiem-Lied „Mein bist du!“ (Jesaja 43, 1), das Pircher 2012 für gemischten Chor und Streicher komponiert hatte, in die emotionale Mitte des Konzertprogrammes gestellt wurde.

58 Jahre lang Sinvereine geleitet

Sepp Pircher, von 2001 bis 2010 Obmann des Südtiroler Chorverbandes, hat 58 Jahre lang Singvereine dieses Landes geleitet. Als frischgebackener Volksschullehrer in Seis am Schlern, sodann in seinem Geburtsort Plaus und von 1967 bis zu seinem unerwarteten Tod am 6. Jänner dieses Jahres den Kirchenchor St. Zeno Naturns. Dieser kann dankbar auf eine ebenso langjährige wie erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Orchester der Musikfreunde Meran zurückblicken: 18 Kirchenkonzerte und 21 Vorstellungen im Genre Musikalisches Unterhaltungstheater („S' Goldwasserle“, Singspiel von Sepp Thaler; Uraufführung der Operette „Stich ins Tirolerherz“ von Peter Planyavsky). Diese fruchtbare Zusammenarbeit verdankt sich wesentlich der Freundschaft von Josef Pircher mit Prof. Hans Obkircher. Bei der allerersten Probe des von Hans Obkircher und Pepi Plaschke gegründeten Orchesters im Jahr 1963 war Josef Pircher dabei. Bis 1986 war er aktives Mitglied des Orchesters, mit insgesamt 144 öffentlichen Auftritten am Pult der Violinen I.

„Kultur der Geschwisterlichkeit“ 

Man muss wohl Koch mit Leib und Seele sein, um so wunderbar musikantisch die Trompete zu blasen wie Hannes Schmider in der Sonata in D für Trompete und Streicher von Henry Purcell. „Schmider tischt in seinem eigenen Wirtshaus Kienegg in Vellau die besten Brennnesselknödel der Welt auf“, stellte Hannes Benedetto Pircher in seiner einleitenden Rede zum Konzert vollmundig fest, um das Publikum in die Gefühls- und Wertewelt seines Vaters einzustimmen: „Über einen guten Kaiserschmarrn ist mein Vater genauso ins Schwärmen geraten wie über das Adagio aus dem Klarinettenkonzert vom Wolferl Mozart. Meines Vaters Lebenselixier war es, um den Zauber von Musik zu wissen, die Menschenherzen verwandeln kann zu einer Kultur der Geschwisterlichkeit.“ Die Symphonie Nr. 93 eröffnet den Reigen der zwölf Londoner Symphonien, durch die Joseph Haydn als Komponist erstens Ranges gefeiert wurde. Das Orchester war in Höchstform, bestechend in Dynamik und Klangfarben, von durchsichtiger Schwerelosigkeit in den Stimmführungen. Hillebrand führt das Orchester mit tänzerischer Österlichkeit durch die symphonischen Texturen, die zu den besten gehören, die je geschaffen wurden.

Liebe zum Salzburgischen

Die Chorgemeinschaft brilliert durch Sangesfreude und gewinnt die Herzen der zahlreichen Konzertbesucher im Nu. Mit der Messe in Es-Dur von Anton Diabelli, Schüler von Michael Haydn, dem jüngeren Bruder von Joseph, wurde auf sinnenfällige Weise der Liebe von Josef Pircher zum Salzburgischen in der musikalischen Formensprache Rechnung getragen. Seinen lyrischen Höhepunkt fand das Konzert in zwei Chören aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Chor „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig“ ist eingebettet in die Szene der Erscheinung Gottes auf dem Berg Horeb. Zum Fest der Erscheinung des Herrn (Dreikönig) ist Josef Pircher mit sanfter Stimme von Gott gerufen worden, für immer einzustimmen in den Gesang himmlischer Chöre. Mit dem Mendelssohnschen Segnungschor wurde dem zu Ehrenden betend nachgerufen: „Er, der dich behütet, schläft nicht!“ (Psalm 121). Die Würdigung des verdienstvollen kulturellen Wirkens und der Persönlichkeit von Sepp Pircher hat in diesem Osterkonzert die denkbar schönste Gestalt gefunden. Was sich nicht zuletzt darin widerspiegelte, dass sich gar manche Konzertbesucher nur mühsam zurückhalten konnten, in Händels „Halleluja“ (Zugabe) frischweg mit einzustimmen.

Redaktion

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