„Kunst ist für mich Hauptberuf, wenn auch noch nicht Brotberuf“, sagt die Künstlerin Frau Roman.
Romina Roman ist Holz- und Steinbildhauerin, Fotografin, Zeichnerin und Dichterin.
Doris Schweigkofler hat sich auf einer Empore einen Webraum eingerichtet.

„Ohne die BASIS wäre ich nicht mehr hier …“

Zu Besuch bei zwei Künstlerinnen in der ehemaligen Palazzina Tagliamento

Publiziert in 20 / 2022 - Erschienen am 8. November 2022

Schlanders - Mit der stetig wachsenden Nachfrage an individuell nutzbaren Werkstätten für Handwerker/innen und Künstler/innen hat die BASIS Vinschgau in der leerstehenden ehemaligen Palazzina Tagliamento in der Drusukaserne in Schlanders die entsprechenden Räumlichkeiten gefunden. Es geht darum, individuelle Potentiale in der Gesellschaft zu nutzen, Synergien zu stärken und den Vinschgau als Standort für Kreativwirtschaft zu festigen. Eine Dynamik, die keine beruflichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Grenzen kennt. In dieser Ausgabe der Bezirkszeitung der Vinschger stellen wir zwei Künstlerinnen vor, die in der Kreativwerkstatt der BASIS die Möglichkeit gefunden haben, in eigenen Werkstätten zu arbeiten und ihre Kunst zu kreieren.

Frau Roman

„Kunst ist für mich Hauptberuf, wenn auch noch nicht Brotberuf“, sagt die Künstlerin Frau Roman. Romina Roman ist Holz- und Steinbildhauerin, Fotografin, Zeichnerin und Dichterin. In ihren Werken verschmelzen diese unterschiedlichen und doch verwandten Formen der künstlerischen Entfaltung zu einem harmonischen Zusammenspiel. Ihre Ausbildung hat die gebürtige Salzburgerin mit rumänischer Mutter in Hallein begonnen und an der Fachschule für Marmorbearbeitung in Laas fortgeführt. Dort war sie sofort vom großen, internationalen Austausch unter den Absolventinnen und Absolventen begeistert. Auch in der BASIS, wo sie ein Atelier in der Kreativwerkstatt hat, fühlt sie sich sehr wohl und angenommen. „Es gibt hier so vielseitige Menschen, wo hat man das schon an einem Ort?“, sagt sie. „Ohne die BASIS wäre ich nicht mehr hier“, ist ihr Resümee. Die letzten neun Monate hat sich die 22-jährige Frau Roman auf ihre erste Ausstellung vorbereitet, die derzeit in der BASIS zu sehen ist. „Ebenen“ hat Frau Roman sie getauft. „Die Ebenen, die unterschiedlichen Schichten, die überlappenden Gegensätze, sind ein wichtiges Sujet in ihren Arbeiten. Die Unterschiede und Überschneidungen zwischen dem wahren Selbst der Menschen und aufgezwungenen gesellschaftlichen Normen und Schönheitsbildern durchziehen, oft laut und plakativ, oft versteckt und angedeutet, ihr ganzes Schaffen,“ so liest man in der Einladung zur Vernissage. Die Ausstellung kann noch bis zum 30. November von Montag bis Freitag von 10 bis12 Uhr und 16 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis12 Uhr bewundert werden.

Aeringa’s Textiles: Handweben und Nadelbinden

Doris Schweigkofler, ihr Lebenspartner Tom und Kollege Ragnarr, Mitglieder des Frühmittelalter-Vereins Vargroed EO, zählen zu den ersten, die einen Raum in der Kreativwerkstatt in der BASIS bezogen haben. Während die beiden Männer in ihrer Werkstatt vorwiegend mit Holz arbeiten, hat sich Doris auf einer Empore einen Webraum eingerichtet. Die geborene Rittnerin hat an der Winterschule Ulten die Technik des Webens erlernt, denn sie ist fasziniert von dem vielseitigen Handwerk, das sich im Laufe der Geschichte kaum verändert hat. Doris arbeitet an einem modernen Handwebstuhl und fertigt Geschenkideen und Heimtextilien wie Wolldecken, kleinere Teppiche, Läufer, Geschirrtücher aus Baumwolle, Schals, Handtücher und vieles mehr an. „Hier habe ich endlich einen Platz für meine Webstühle gefunden. Ohne die Kreativwerkstatt könnte ich dieses Hobby nicht ausüben. Langfristig träume ich davon, das Hobby zum Beruf zu machen und damit den Lebensunterhalt bestreiten zu können“, so Doris Schweigkofler. Die gelernte Floristin ist erst durch den Frühmittelalter-Verein Vargroed EO zum Weberhandwerk und zum Nadelbinden gekommen. „Ich habe mir die mittelalterliche Gewandung selbst genäht, sowie Accessoires nadelgebunden und wollte diese mit gewobenen Borten verzieren, welche auch als Gürtel dienten. So hat alles begonnen“, erklärt die 38-jährige, die mittlerweile seit knapp 20 Jahren im Vinschgau lebt. Bei ihren Arbeiten verwendet sie hochwertige Naturmaterialien wie Wolle, Leinen und Baumwolle, aber auch gebrauchte Textilien, die wiederverwendet und zu etwas ganz Neuem werden. „Nachhaltiges produzieren und konsumieren, aber auch die Wertschätzung der Handarbeit und der Qualität, die vielleicht etwas teurer ist als die billige Massenware, sind ebenfalls Beweggründe, warum ich dieses Hobby ausübe“, erzählt Doris Schweigkofler. Und wenn sie nicht gerade Wadenwickel aus Schafwolle für die Wikinger webt, ist sie entweder bei ihrem kleinen Sohn zuhause in Kortsch oder mit ihrer Familie auf einer Wikingerveranstaltung hoch im Norden unterwegs.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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