Sammeln, Bewahren und Erforschen

Publiziert in 22-23 / 2021 - Erschienen am 8. Juli 2021

Marienberg - Der Historiker David Fliri aus Taufers im Münstertal, der zur Eröffnung der neuen Dauerausstellungen aus Wien angereist war, führte kurz in die Lehrmittelsammlung und in das Wesen eines Schaudepots ein. „Die Besucherinnen und Besucher können anhand eines Schaudepots am Sammeln, Bewahren und Erforschen teilhaben“, so Fliri. Dem modernen Museum im Kloster möchte man mit dem Schaudepot nicht das Wasser abgraben, „vielmehr werden wir im Museum weiterhin Wechselausstellungen zu sehen bekommen, gespeist aus dem reichhaltigen Fundus der hier im Schaudepot gelagerten, vielfältigen Sammlungen.“ Gesammelt werde im Kloster seit mehr als 900 Jahren. Weil das Kloster eine Institution ist, werden Sammlungen verstorbener Mönche meist nicht weggeschmissen, sondern aufbewahrt. „Doch im Marienberger Schaudepot sind eigentlich nur teilweise die Sammlungen einzelner Patres untergekommen. Der Großteil des hier verwahrten Sammlungsgutes stammt aus dem Gymnasium in Meran.“ Dort unterrichteten seinerzeit Mönche aus dem Kloster. Das Gymnasium deckte während der Zeit seines Bestehens den voruniversitären Bildungsbedarf des gesamten Westens von Südtirol ab. Für den Unterricht brauchte man geeignete Lehrmittel. Fliri: „Einen bedeutenden Schub zur Vergrößerung der Lehrmittelsammlung brachte die Unterrichtsreform des Ministers Leo Thun-Hohenstein ab 1848 mit sich.“ Mit dieser Reform wurden naturwissenschaftliche Lehrmittel verpflichtend und es wurde deshalb auch entsprechend aufgestockt. Aus Wien wurden hochwertigste physikalische Apparate und biologische Präparate angeschafft. Dankbare Schüler haben die Lehrmittelsammlungen immer wieder mit Geschenken bereichert. „So manches Museum blickt noch heute mit Neid auf diese geradezu enzyklopädische Sammlung“, führte der Referent aus. Zum Leitbegriff Bewahren hielt Fliri fest, „dass die Lehrmittelsammlung des Meraner Gymnasiums bis 1928 über fast exakt 200 Jahre ununterbrochen ergänzt und vermehrt werden konnte.“ Nach dem Rückzug der Benediktiner von der Lehrtätigkeit in Meran und der Auflösung des benachbarten Schülerheims (1977/1978) kam ein großer Teil der Sammlungen in das Kloster. Dort hatte man die Sammlungen über das ganze Haus verstreut in Kästen und Regalen vom Keller bis zum Dachboden „verstaut“. Erst der Neubau und die Übersiedelung der Bibliothek machte die großen und hohen Räume des „Schlaratsch“-Traktes frei, die daraufhin mustergültig restauriert wurden. „Hier nun konnten Abt Markus und seine Mitarbeiter sowie einige freiwillige Helfer endlich die zerstreuten Sammlungen zentralisieren und in einem gemeinsamen Schaudepot zusammenführen“, so Fliri. Zum Thema Erforschen meinte er, „dass die Erforschung der Marienberger Sammlungen noch in den Kinderschuhen steck, wenn überhaupt.“ Bisher war an eine wissenschaftliche Bearbeitung des reichhaltigen Fundus überhaupt nicht zu denken, weil die Sammlungen durch ihre disparate Unterbringung größtenteils gar nicht zugänglich waren. „Das soll sich jetzt ändern. Am Beginn einer tiefgreifenden Bearbeitung des Marienberger Sammlungsbestandes muss sicher die Erstellung eines allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Inventars stehen, das es bisher noch nicht gibt. Erst dann ist eine systematische Auswertung möglich“, gab sich Fliri überzeugt. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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