Eindrucksvoll düster im Prokulus-Museum
Die Gestalter und Kuratoren: Uli Prugger, Gruppe Gut, Matteo Cova, Kurator, Marcello Beato, Kurator, Tanja Flarer, Museumsleitung (v.l.)
Tanja Flarer und der mittelalterliche Pestarzt mit Masken
Durch die Ausstellung in der Casa de Gentili führte Sara Visintin

Unheilvolle Gemeinsamkeiten

Ausstellungen zum Euregio-Museumsjahr 2021 waren in Naturns und Sanzeno einer Epidemie gewidmet.

Publiziert in 37-38 / 2021 - Erschienen am 9. November 2021

Naturns/San Zeno (TN) - Diese Ausstellung hatte man sich ursprünglich anders vorgestellt. Die Verbreitung der Pest in Tirol und im Trentino zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges sollte für „grenzenlose Mobilität“ stehen und Gemeinsames zwischen den Provinzen Trient und Südtirol beleuchten. Dies galt bis zum 31. Dezember 2019, bis aus China die Meldung aufrüttelte, es verbreite sich ein unbekannter, atypischer Virus. Seither war die Welt des 21. Jahrhunderts eine andere. Die ins Auge gefasste Ausstellung für das Prokulus-Museum in Naturns und der Casa de Gentili in Sanzeno am Nonsberg wurde plötzlich „schrecklich aktuell“. Die Kuratoren der Ausstellung – der Paläograph Matteo Cova und der Experte für mittelalterliche Kunst Marcello Beato – teilten sich die forschende Vorarbeit in der Interpretation schriftlicher Quellen und kirchlicher Kunstzeugnisse. Zum Einstieg bezogen sich beide Wissenschaftler auf Alessandro Manzoni, der 1827 sein Hauptwerk „I promessi sposi“ in der damals von Spaniern besetzten Lombardei der Jahre 1628 bis 1636 ansiedelte und das Einschleppen des Fleckfiebers durch Soldaten im Dienste der Habsburger ausführlich beschrieb. Manzoni nennt die Truppen „bande alemanne“ (Alemannische Haufen), obwohl es sich um spanische Söldner gehandelt hat. Damals wurde der Begriff Pest für jede Form von Seuche verwendet. Den ausdrucksstarken, bildlichen Einstieg in beiden Ausstellungen bildete das Ölbild „Verkündigung“ eines unbekannten Trientner Malers aus dem Jahre 1630. Darauf zu sehen ist eine detaillierte Darstellung des damaligen „Lazaretts“ außerhalb der Stadtmauer von Trient mit Baracken und Holzfässern als Behelfsunterkünfte für die Pestkranken. Die Fässer waren so etwas wie „Container“ für Waren, die mit Flößen auf der Etsch transportiert wurden. Dicke Kalkstriche wiesen auf die Kranken und auf die Bedeutung des Kalks als Desinfektionsmittel hin. Im Prokulus-Museum bewirkte die Ausstellung eine besondere Atmosphäre. Die abgedunkelte Halle vertiefte den düsteren Eindruck jener Zeit. Tanja Flarer, Museumsleiterin in Naturns, schrieb im deutschen Vorwort für den italienischen Katalog: „Schon 1630 gab es so etwas wie einen Gesundheitspass, vergleichbar mit dem heutigen ‚Green Pass‘. Es gab eine Pestordnung, die von der Pest befallene Orte nannte und sozusagen als ‚rote Zonen‘ erklärte.“

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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