Der Gutsverwalter Curley (Hannes Rainalter) in der Schlafbaracke mit George (Hanspeter Plagg) und Lennie (Stefano Tarquini)

Von Mäusen …

… und Menschen

Publiziert in 39-40 / 2021 - Erschienen am 23. November 2021

Schlanders - Endlich war dem Theaterverein Schlanders wieder eine Premiere gegönnt! Mit der Inszenierung der dramatischen Geschichte „Von Mäusen und Menschen“, einem  Klassiker des amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck, meldete sich der Theaterverein Schlanders unter der Regie von Daniel Clemente wieder erfolgreich zurück auf die Bühne.
Zum Inhalt: Zwei ungleiche Freunde, der lebenserfahrene, kluge George und der körperlich starke, aber geistig zurückgebliebene Lennie schlagen sich als Wanderarbeiter gemeinsam durchs Leben und träumen von einer besseren Zukunft. Ihr großer Traum ist es, auf einer eigenen Farm Kaninchen zu züchten. Sie ziehen von Farm zu Farm, von Ernte zu Ernte, um ein paar Dollars für ihren Traum auf die Seite zu bringen. Lennie ist von dem Drang erfüllt, alles Weiche und Schöne anzufassen, was ihn wiederholt in schwierige Situationen bringt. Als Lennie beginnt, die Frau des Verwalters zu »streicheln«, nimmt das Unheil seinen Lauf. Irgendwie hat Lennie etwas von John Boy von den Waltens, einer amerikanischen Kultserie der 70er Jahre. Doch spätestens wenn Lennie, hervorragend und authentisch dargestellt von Stefano Tarquini, eine kleine Maus zerdrückt, erahnt das Publikum die Dramatik dieses Stücks. Dennoch empfindet man während des gesamten Stückes ungebrochene Sympathie für den hilflosen Lennie. Hanspeter Plagg, dem seine Rolle als George und als Lennies Beschützer auf den Leib geschnitten ist, gibt sich als cleverer, selbstbewusster Landarbeiter, der sich von niemanden über den Tisch ziehen lässt. Und schon gar nicht von Curley, dessen Rolle als herzlosen Verwalter von Hannes Rainalter überzeugend gespielt wird. Gekonnt verkörpert Hannes Telser den umsichtigen, charismatischen Vorarbeiter Slim, der bei den Arbeitern hohes Ansehen genießt. Mara Siller überzeugt als Curleys unglückliche, lebenshungrige Ehefrau, die gerne mit den Arbeitern flirtet und auch mit Lennies Gefühlen bis zum bitteren Ende spielt. Der alte Candy, der sich Georges und Lennies Traum von einer eigenen Farm anschließen möchte, wird von Karl Fleischmann dargestellt, der gemeinsam mit Hannes Rainalter und Bruno Giongo für ein facettenreiches Bühnenbild verantwortlich zeichnet: Buntes Laub und Baumstämme, Schilf und sogar ein Wasserlauf  schaffen eine idyllische Flusslandschaft mit Vogelgezwitscher und wechselnden Lichteinfällen. Die Kulisse dahinter verbirgt eine spartanische Schlafbaracke der Arbeiter, die später zum Stall umgebaut wird. Daniel Clemente ist es durch seine einfühlsame Regiearbeit gelungen, gemeinsam mit Mitgliedern des Theatervereins Schlanders, der Theatergruppe Kortsch und des TV Malser Ouberwind das bekannteste Werk von John Steinbeck erfolgreich auf die Bühne zu bringen. Das Publikum wird von gleich mehreren Themen berührt: zum einen ist es der vergebliche Versuch, sich einen Lebenstraum zu erfüllen, zum anderen beschreibt es die wirtschaftliche Depression in Amerika in den 30er Jahren und nicht zuletzt ist es eine Geschichte über eine besondere Freundschaft zwischen zwei ungleichen Männern, die einander blind vertrauen, bis in den Tod.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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