Die Skulptur vor dem Restaurant „blickt“ in Richtung Schloss Kastelbell.
Künstler Georg Loewit bei der Vernissage im Kuppelrain.
Die Via Condotti

Von Menschen, Rückseiten und Schatten

Der Nordtiroler Künstler Georg Loewit im Kuppelrain.

Publiziert in 7 / 2022 - Erschienen am 12. April 2022

KASTELLBELL - Er stellte bereits auf der Biennale in Venedig aus, in den bedeutendsten internationalen Galerien, in Paris, in Cannes und an vielen weiteren Orten der Welt: Nun sind die Werke des Innsbrucker Künstlers Georg Loewit im Gourmet-Restaurant Kuppelrain in Kastelbell zu bewundern. Stilvoll, passend zum Ambiente und sich ergänzend zur edlen Vinschger Sterne-Küche. Skulpturen und Bilder zieren das Restaurant. Es sind Kunstwerke mit dem Menschen im Mittelpunkt, oder besser gesagt ihren Rückansichten und ihren Schatten.

Am Anfang war ein Mail

Der Reihe nach: Als Jörg Trafoier den Künstler via Mail kontaktiert hat, habe er nicht nein sagen können, erinnerte sich Loewit. „Es freut mich, hier zu sein“, betonte er bei der Vernissage am Sonntag, 3. April. Über die Arbeit zu reden falle ihm nicht leicht. Und dennoch verlor er einige Worte dazu. „Man muss sich aber selbst ein Bild machen“, wusste der Künstler. Über viele Jahrtausende war in der Kunstgeschichte die „Vorderseite einer Skulptur das Wichtige“, erklärte Loewit. Er gehe bewusst andere Wege. „Bei den Skulpturen ist mein Blick auf die Rückenansicht der einzelnen Figuren gerichtet“, erklärte der Künstler. Von dieser Rückenansicht aus, entwickeln die Figuren über eine abstrahierte Seitenansicht, eine vollkommen glatte Vorderseite. Die Rückseite eines Menschen dokumentiere einen Typus. Wie es dazu kam? Das einschneidende Erlebnis, das seine heutigen Kunstwerke prägt, habe sich vor rund 10 Jahren ereignet. Als seine Frau in der Nähe von Genf auf einer alten Eisenbrücke stand und nach unten schaute, fiel ihm der Schatten auf - und zudem „etwas ganz banales, ich weiß jetzt genau wie ihr Gesicht aussieht“, erklärte er. Daher habe er gedacht, „warum bildet man alles ab, warum lässt man es nicht offen, die Rückseite gibt so viel her“. Heute könne er sich eigentlich nicht vorstellen, je wieder etwas anderes zu machen. „Weil es mich so fasziniert“, so der Nordtiroler.

„Hinuntergeklappte Vorderseite“

Der Schatten spielt in seinen Bildern eine wesentliche Rolle. „Und der Schatten ist eigentlich nichts anderes als die hinuntergeklappte Vorderseite“, erklärte er. „In der Sehgewohnheit kennen wir den Schatten alle gut. Als Kind springen wir erstmals drüber, später kapiert man, dass es nicht funktioniert über den Schatten zu springen, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Für ihn sei der Schatten ein ganz wichtiges Gestaltungselement geworden. Seine Motive entstehen vor allem auf Reisen und in Begegnung mit Menschen. Der Künstler blendet dabei die Umgebung gekonnt aus, der Mensch spielt die Hauptrolle. Dies wird etwa in der Darstellung der Via Condotti sichtbar. Die Skulpturen und Bilder sind noch bis Mitte Januar 2023 im Kuppelrain zu bewundern.

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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