Die 5. Etappe führte die eisenzeitlich gekleidete und ausgerüstete deutsche historische Gruppe von Landeck nach Ried im Oberinntal. Im Bild die Gruppe auf der Fließer Platte.

Wandernde „Kelten“

Eisenzeitliche Gruppe erwandert die Via Claudia Augusta

Publiziert in 29 / 2019 - Erschienen am 3. September 2019

Tirol/Vinschgau - Am 24. August ist eine deutsche Gruppe mit Kleidung und Ausrüstung, wie sie zur Eisenzeit (800 v. Chr. bis Christi Geburt) benutzt wurden, in Lermoos im Bezirk Reutte in Tirol zu einer besonderen Wanderung aufgebrochen. Die Gruppe startete mit dem Ziel, in 13 Etappen bis nach Meran zu gelangen. Die außergewöhnlichen Wanderer wollen damit zeigen, dass es bereits vor den Römern Wege über den Fernpass und den Reschenpass gab, über welche die Etrusker, Veneter, Räter und Kelten miteinander in Beziehung standen. Am 28. August wanderte die Gruppe von Landeck über die Fließer Platte nach Fließ, Prutz und schließlich Ried im Oberinntal. Auf der Fließer Platte wurden die „Kelten“ von Tirols ViaClaudiaAugusta-Obmann Walter Stefan erwartet, der ihnen persönlich das Archäologische Museum Fließ und das Dokumentationszentrum Via Claudia Augusta zeigte. Die „Kelten“ stammen von 3 verschiedenen historischen Gruppen aus Deutschland. Historische Gruppen versuchen, historische Zeiten möglichst authentisch zu leben und experimentell nachzuempfinden. Sie arbeiten dabei eng mit Forschern und Museen zusammen und tragen durch den Nachbau und die praktische Erprobung von Ausrüstung und Material zur Forschung bei. Auch die „Keltengruppe“, die derzeit die Via Claudia Augusta wandert, erprobt ihre originalgetreu nachgebaute Ausrüstung. Besonders interessiert sind die Teilnehmer natürlich an Original-Teilen der alten Wege und Straßen entlang der Via Claudia Augusta und an den Geschichten rundherum. Davon bot der Abschnitt zwischen Schloss Landeck und Ried im Oberinntal ganz besonders viel. Im Bereich der Landecker Pfarrkirche und des Schlosses Landeck verließ die Via Claudia Augusta kurz den Hang. Vermutlich deshalb, weil sich dort an der Kreuzung der Via Claudia Augusta mit der Römerstraße Richtung Arlberg eine römische Straßenstation befand, rund um die sich eine Siedlung entwickelte. Zwischen Schloss Landeck und Fließ verläuft die Wanderroute meistes direkt auf der historischen Trasse oder nicht weit davon entfernt.

Die Fließer Platte

Besonders interessant ist die Fließer Platte. Dort sind in mehreren Stufen die römische Trasse, die mittelalterliche Trasse und die neuzeitliche Trasse der Via Claudia Augusta zu entdecken. In Fließ wartet im Archäologischen Museum eine Sammlung an vorrömischen Funden auf die Besucher, wie man sie in der Fülle sonst nur in großen Städten findet. Im Dokumentationszentrum Via Claudia im Untergeschoß des neuen Dorfzentrums in Fließ wird die Geschichte der römischen Kaiserstraße anschaulich dokumentiert. In den Vitrinen finden sich ausgewählte Funde entlang der Via Claudia Augusta sowie eine Kopie der „Tabula Peutingeriana“, der einzigen erhaltenen römischen Straßenkarte. Oberhalb von Fließ, am Piller Sattel, gibt es einen Brandopferplatz zu entdecken, der in vorrömischer Zeit und auch in der Römerzeit bestand. Auch am markanten Trockenhang zwischen Fließ und Pontlatz-Brücke folgt die Wanderroute weitgehend der Originaltrasse der Via Claudia Augusta. In Pontlatz und auch in Prutz gab es schon in der Römerzeit eine Innbrücke. Jene bei Pontlatz heißt vermutlich deshalb so, weil sie wegen der Felsen rechts und links schräg über den Inn führte uns besonders lang war: pons latus. Von der Fließer Platte bis nach Fließ wurde die Gruppe von Walter Stefan persönlich begleitet, der nicht nur Obmann des Museumsvereins Fließ ist, sondern auch Obmann des Vereins Via Claudia Augusta Tirol. Er führte die eisenzeitliche Gruppe durch die beiden Ausstellungen und zeigte ihnen anschließend auch den Brandopferplatz. Nach weiteren Etappen bis nach Nauders, Reschen und Graun, Mals, Laas und einem Abstecher in das Schnastal (arecheoParc), führt die Wanderung am 4. September bis Naturns und endet am Tag danach in Algund bzw. Meran. 

Redaktion

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