Wird Waalsystem immaterielles Kulturerbe?

Publiziert in 8 / 2022 - Erschienen am 27. April 2022

Mals/Paris - Am 30. März wurde im UNESCO-Hauptquartier in Paris der Antrag zur Aufnahme der „Traditionellen Bewässerung in Europa: Wissen, Technik und Organisation“ in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ gestellt. Südtirol ist mit den Waalen mit dabei. Eine federführende Rolle beim Antrag spielt der Heimatpflegeverband Südtirol in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mals, dem Heimatpflegeverein Mals, der IDM Südtirol, und vor allem den Bauern, die täglich die traditionelle Bewässerung über Waale betreiben. Traditionsträger/innen aus 7 Staaten (Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Schweiz) haben diese multinationale Nominierung gemeinsam mit Expert/innen, NGOs, Naturparks und öffentlichen Körperschaften vorbereitet, um das mit der Bewässerung verbundene Wissen, die kulturelle Bedeutung und sozialen Praktiken auch international sichtbar zu machen. Die Koordination hat Österreich übernommen. Die UNESCO wird die Kandidatur in einem mehrmonatigen Verfahren evaluieren. Ein Ergebnis über die Aufnahme wird Ende 2023 erwartet. Die wichtige lokale Bedeutung, die der traditionellen Bewässerung zugemessen wird, wurde bereits durch die Eintragung der Praxis in die „Nationalen Listen des immateriellen Kulturerbes“ in allen 7 Ländern erkannt. In Italien handelt es sich um den „Registro nazionale dei paesaggi rurali di interesse storico, delle pratiche agricole e delle conoscenze tradizionali“. Nun wird gemeinsam der Versuch unternommen, diese Tradition auf die internationale Liste zu setzen. In Südtirol wird die Bewässerung durch Überflutung vor allem noch auf der Malser Haide auf einer Fläche von rund 400 Hektar zwischen Burgeis und dem Haider See betrieben. Dieses Waalsystem hat eine jahrhundertealte Geschichte. Um das Wasser gerecht zu verteilen, hat sich im Laufe der Zeit ein ausgeklügeltes Verteilungssystem entwickelt. Dieser Plan wird „Road“ genannt und sieht vor, dass der sogenannte Waaler, in festen Schichten zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends, das Wasser an die zugewiesenen Parzellen verteilt. Es ist dann Aufgabe der Bauern, den Wasserfluss so zu steuern, dass er über die gesamte Fläche seiner Parzelle verteilt wird. Die traditionelle Bewässerung stellt bis heute eine auf Kooperation basierende, nachhaltige, energieunabhängige und auf die biologische Vielfalt ausgerichtete Lösung für die Wasserversorgung in der Landwirtschaft dar. Sie ist für die Ausübenden selbst sowie für die weitere Gesellschaft und die Umwelt von großer Bedeutung.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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