Die virtuelle Tour der Klosterkirche St. Johann bleibt weiterhin freigeschaltet und bleibt auf der Webseite zugänglich (www.muestair.ch).
Detail einer „Darling“-Schreibmaschine.
Schludernser Tor Museum.

Zwischen Mai, Juni und ungewiss

Die Museen des Vinschgau haben so unterschiedliche Inhalte wie aktuelle Wiederöffnungspläne. Kleine Einblicke ergaben die Aussagen der Leiterinnen und Leiter von drei Einrichtungen.

Publiziert in 20 / 2020 - Erschienen am 4. Juni 2020

Vinschgau - Es liest sich, als erblühten Wiesenblumen, eine nach der anderen. Krokusse zuerst, später der Himmelschlüssel, gefolgt von Lichtnelken und Wiesensalbei. Die derzeit bestehenden oder für die Zukunft geplanten Öffnungszeiten der Museen in Südtirol bieten – wie die Blütenkelche, plopp, plopp – nur nach und nach Einblick und Einlass. Am 11. Mai öffneten die einen, am 14. und 18. Mai weitere, der große Dienstagsöffnungsschwung begann am 19. und dauerte bis zum 23. Mai. „Türen Auf!“ am 29. und 30. Mai, dann vom 2. Juni aufwärts. Die Burg Hocheppan soll am 15. Juli für Besucher zugänglich werden. Im Vinschgau haben museale Einrichtungen und Kulturstätten entweder bereits geöffnet, bereiten sich darauf vor – oder wissen zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses nicht, wann sie wieder öffnen. Stellvertretend für unterschiedliche Zugangsweisen sind die Antworten der Leiterin des Schreibmaschinenmuseums Peter Mitterhofer in Partschins, Maria Mayr, von Elmar Prieth (Leiter Glurnser Paul Flora und Schludernser Tor-Museum), sowie von Elke Larcher-Gasperi, Leiterin des Klostermuseums der UNESCO-Weltkulturerbestätte Kloster St. Johann in Müstair/CH.

der Vinschger: Frau Larcher-Gasperi, das Museum arbeitet seit 11. Mai mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Sind das große Unterschiede im Vergleich zu 2019?

Elke Larcher-Gasperi: Wir haben seit dem 11. Mai von Montag bis Samstag von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Diese Öffnungszeiten gelten einstweilen bis zum 8. Juni. Normalerweise haben wir ab Mai werktags durchgehend von 9 bis 17 Uhr geöffnet und Sonntagnachmittag. In der derzeitigen Situation ist es sinnvoll, die Öffnungszeiten anzupassen. Je nach Vorgaben des Bundes und des Kantons – aber auch je nach Nachfrage unserer Gäste – werden wir die Öffnungszeiten anpassen.

Frau Mayr, wie sieht es mit den Öffnungszeiten im Schreibmaschinenmuseum aus? Und wie in Glurns, Herr Prieth?

Maria Mayr: Wir werden ab 15. Juni öffnen – zu den üblichen Öffnungszeiten.

Elmar Prieth: Wir haben seit Samstag, 23. Mai, geöffnet. Vorerst mit reduzierten Öffnungszeiten von 11 bis 14 Uhr. Das Museum und die Ausstellung im Schludernser Tor „Stationen einer kleinen Stadt“ bleiben noch geschlossen. Besucherzugang zum Museum gibt es nur auf telefonische Anfrage.

Hat die Coronakrise Arbeitsplätze gekostet?

Maria Mayr: Arbeitsplätze sind noch keine verloren gegangen, nach längerer Überzeugungsarbeit wurde schließlich eine Sommerpraktikantenstelle genehmigt. Personalmäßig hat sich durch Corona geändert, dass einige der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen zu den Risikogruppen gehören und deshalb auch deren Einsatz im Museum ausfallen wird.

Elmar Prieth: Wir arbeiten mit Saisonangestellten. Ab Anfang April sollten sie im Einsatz sein. Es konnte bis dato keine Anstellung erfolgen. Solange die Grenzen nicht öffnen, kann das Personal nur reduziert und mit verkürzter Arbeitszeit angestellt werden.

Frau Mayr, welche Angebote erlagen den Corona-Beschränkungen?

Maria Mayr: Einige Aktivitäten, wie z.B. Werbemaßnahmen, mussten verschoben werden. Sämtliche Veranstaltungen wurden verschoben – oder abgesagt. Dazu gehören Vorträge und Sonderführungen.

Wie sehen Sie die unmittelbare und längerfristige Zukunft des Museums? Was erhoffen Sie sich?

Maria Mayr: Verändern wird sich vor allem, dass vorerst keine Veranstaltungen stattfinden können, Führungen werden nur langsam anlaufen. Gerade die Abendveranstaltungen, oder jene zum Internationalen Museumstag wurden vor allem von einheimischem Publikum besucht. Unsere Führungen auf Vormerkung wurden 2019 von über 80 Prozent von einheimischen Gruppen gebucht. Nun hoffen wir, vermehrt einheimisches Publikum als Einzelbesucher begrüßen zu können.

Aber sind ausbleibende ausländische Touristen nicht das eigentliche Problem?

Maria Mayr: Natürlich werden wir einen Besucherrückgang an deutschen Touristen haben. Da wir aber bereits in den letzten Jahren einen Rückgang an Touristen spüren konnten – und zwar in dem Verhältnis, in dem südtirolweit mehr Gäste da waren – versuchen wir bereits seit einiger Zeit, unseren Fokus auf heimisches Publikum zu legen. Denn je größer die Gesamtzahl der Südtirolgäste in einer Saison ist, je mehr Millionen anreisen, desto kürzer ist die Aufenthaltsdauer der einzelnen Gäste. Damit haben zwar kulturelle Highlights Zuwächse, für kleinere Museen bleibt dann keine Zeit mehr. 

Das Zielpublikum ist also der einheimische Gast?

Maria Mayr: Um mehr mit heimischem Publikum punkten zu können, bedarf es einer engeren Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen wie Bildungsausschuss, KVW, den Gemeinden usw. Jetzt, wo der Tourismus auf heimisches Publikum angewiesen ist, ist es essenziell, dass die Gemeindeverwalter und die Verantwortlichen der Tourismuswerbung erkennen, dass Museen Attraktionen für einen Ort sind, mit denen einheimische Gäste angezogen werden können – dementsprechend könnte man eine Werbemaschinerie starten. Leider werden Museen vielfach als Regenwetterprogramm für ausländische Touristen angesehen, sie sind jedoch in erster Linie für Einheimische erschaffen worden. Die Tourismuswerbung setzt zu sehr auf das Bewerben von Landschaft und Kulinarik, die Kultur wird nur mit einigen Highlights beworben. Jetzt ist die Gelegenheit, heimisches Publikum auf das kulturelle Erbe aufmerksam zu machen. Es bleibt zu hoffen, dass auch kleine und private Museen nicht nur über Landesbeiträge unterstützt werden, sondern dass deren Potential als Werbeträger erkannt und stärker genutzt wird. Ein Museum ist definitiv ein Wirtschaftsfaktor in einem Ort. Denn wenn Tagesgäste nur wegen eines Museums in diesen Ort kommen – was wir bestätigen können – und dadurch die Schönheit der Natur drumherum entdecken und wiederkommen, profitiert der gesamte Ort! 

Frau Larcher-Gasperi, Sie arbeiten mit einem Schutzkonzept: Abstandsregelung, Händewaschen, Mindestanzahl Besucher/innen usw. Gibt es Angebote, die Sie nicht mehr anbieten?

Elke Larcher-Gasperi: Ja, wir haben ein Schutzkonzept. Die Führungsangebote können wir weiterhin anbieten – mit den vom Bund und Kanton aufgelegten Restriktionen. Wir haben in der Zeit der Pandemie die virtuelle Tour der Klosterkirche freigeschaltet, sie wird weiterhin auf unserer Webseite zugänglich sein. Damit ist es möglich, einfach und unproblematisch die Klosterkirche zu besichtigen und enorm viel Hintergrundinformationen zu erhalten – es braucht nur einen Computer und Internetanschluss. Wir hoffen, so zu einer Kirchenführung animieren zu können. Zurzeit sind es nur vier Personen, ab dem 8. Juni vielleicht mehr, die wir in einer Gruppe durch Kirche und Museum führen dürfen. Unsere Hauptsaison beginnt aber erst Mitte Juni. Wie es dann aussehen wird, wissen wir noch nicht. Was wir positiv zu verzeichnen wissen: Es gibt eine Nachfrage nach Privatführungen (max. vier Personen). Sie ist nicht groß, aber es gibt sie. Das freut uns sehr.

Wie sieht es aus in den Glurnser Museen?

Elmar Prieth: Die vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen wie Abstands- und Hygieneregeln werden in jeder Hinsicht eingehalten werden. Schwierig wird der Verkauf – die Übergabe von Objekten und Bargeld soll nur mit Handschuhen erfolgen. Zudem wird eine Maximalanzahl an Besuchern festgelegt, so dass sich Besucher in den Räumen und Stockwerken gut verteilen können. Entsprechende Informationstafeln wird es am Eingang des Museums und in den einzelnen Räumen geben.

Mit welchem Publikum rechnen Sie, nachdem Sie wieder geöffnet haben?

Elke Larcher-Gasperi: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Wir bleiben flexibel und stellen uns der Situation, die sich immer wieder verändert.

Elmar Prieth: Wir hoffen, dass viele Besucher aus Südtirol und dem Trentino die Museen besuchen. Die Nutzung der Museumcard ist ja ein Vorteil für die einheimischen Besucher. Mit den innereuropäischen Grenzöffnungen hoffen wir auf internationales Publikum.

Herr Prieth, sehen Sie die Finanzierung der Museen aufgrund der Corona-Verordnungen gefährdet?

Elmar Prieth: Die Museen sollten bei uns seit zwei Monaten geöffnet sein. Eine geplante Ausstellung musste abgesagt werden, welche im Vorfeld mit Kosten verbunden war. Man muss im Laufe des ganzen Jahres mit weniger Besuchern rechnen, da man sich – bedingt durch die Pandemie – ungern in geschlossenen Räumen aufhalten wird. Unsere Museen und Ausstellungen werden soweit als möglich mit Eigenmitteln finanziert. Sicher ist, dass heuer beim Personal gespart werden muss, die Öffnungszeiten verkürzt sein werden und trotzdem die Kosten nicht abgedeckt werden können.

Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein
Vinschger Sonderausgabe

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