Gegen den Gleichschaltungswahn
Publiziert in 14 / 2010 - Erschienen am 14. April 2010
Laas/Mals – Die ersten Steine schleppten die Paten selbst. Der ansonsten leichte Spaziergang von den Laaser Marmorwerken zum Bahnhof und vom Malser Bahnhof zum Gelände des alten Schießstandes wurde für so manchen Marmor- und nun auch Sonnenlabyrinthliebhaber zu einer eher schweren Wanderung. Auch der Ideator des Projektes „1. Malser Sonnenlabyrinth,“ Karl Perfler, schob einen schweren Karren mit den Marmorstücken, um am Mittwoch, 7. April, das Labyrinth zu begehen und mit den ersten Steinen auszustatten.
In den Marmorwerken der Lasa Marmo ermöglichte Verkaufsleiter Alexander Widmann in einer kurzen Führung den Blick auf den immensen Reichtum der Region innerhalb der Verarbeitungsstätte, inklusive der jüngst errichteten Bildhauerwerkstatt der Werke. Kurz darauf zogen die ersten begeisterten Paten mit ihrer Last zur Vinschgerbahn, um nach Mals zu fahren. Karl Perfler wollte „die Steine dort abholen, wo sie verarbeitet werden“ und diese mit der Vinschgerbahn transportieren, „die seit fünf Jahren eine wesentliche Bereicherung für den Vinschgau“ bedeutet.
Das klassische Sonnenlabyrinth auf dem Platz des alten Schießstandes in Mals liegt auf der Strecke des Jakobsweges, der durch Südtirol führt. Diesen Streckenabschnitt skizzierte Karl Perfler im Auftrag des Klosters Neustift, in einer Erstbegehung begingen die Natur- und Wanderfreunde vom 2. bis zum 8. Dezember vergangenen Jahres den Abschnitt von Bozen nach Müstair. Die Beschilderung des Weges sollte in diesem Frühjahr erfolgen. Mit Genehmigung der Fraktion Mals, der Besitzerin des Grundes, konnte das Labyrinth dort aufgestellt und nun feierlich der Grundstein dafür gelegt werden. Sichtlich begeistert zeigten sich der Präsident der Ferienregion Obervinschgau Gerhard Malloth und die Vizebürgermeisterin Sibille Tschenett, die als Gemeindereferentin auch für Natur- und Umweltschutz verantwortlich ist. Das Projekt wird getragen vom Bildungsausschuss Mals, dem Blauen Kreis, der Gemeinde Mals und der Fraktion Mals. Die rund 500 Marmorsteine sollen über Paten finanziert werden, öffentliche Geldmittel stehen für das Projekt nicht zur Verfügung. Am 8. und am 9. Mai können die Steine dann von Förderern und Begeisterten selbst platziert werden. Alexandra von Hellberg zeichnet für das Kosmogramm, das nun die Energie des Platzes mit den aufgestellten Steinen wieder in Fluss setzen soll, verantwortlich. Für Karl Perfler ist die Umkehr wichtig, die während des Gehens auf dem Labyrinth passieren soll: im „Wahn der Gesamtschaltung sollen sich hier an diesem Platz die eigenen Gedanken zum Kraftwerk entwickeln. Können wir neue Gedanken ertragen? Haben wir die Fähigkeit, hinzuhören?“
Inmitten der gerade gestutzten Ulmen, die Harfenklänge von Gernot Niederfriniger, der den Ziehharmonikaspieler Daniel Ladurner unterstützte, im Ohr, auf dem Platz eines ehemaligen Schießstandes, den Blick auf den Ortler, den so manch anwesender Südtiroler nicht auszumachen vermochte, geheftet, das Kloster Marienberg sichtbar, über die Landesgrenze in die Schweiz schauend, im Blick auch die neue Beregnungsanlage im Tal, die Begeisterung der Anwesenden für das gemeinsame Erlaufen des alten, kretischen Symbols offensichtlich, entstehen in der Tat sehr viele Fragen.
Zukünftige Marmorpaten (Richtwerte: 33 Euro, 50 Euro, 100 Euro) können sich an Karl Perfler (Tel. 320 0829165) und Petra Gamper (Tel. 338 5314299) wenden (www.karlperfler.com).
Katharina Hohenstein