Nonmifido.Bunker
Publiziert in 29 / 2008 - Erschienen am 27. August 2008
Töll – Das Rifugium der Künstler Heinrich Schwazer, Torsten Schilling und Matthias Schönweger – der „Nonmifido-Bunker“ auf der Töll – einer der 350 Bunker des nach 1938 von Mussolini errichteten Alpenwalls, aus Misstrauen gegen den „Verbündeten“ auf der anderen Seite der Alpen, die 1999 vom Staat an die Autonome Provinz Bozen übertragen wurden.
Am 17. August war die Premiere dieser etwas außergewöhnlichen, aber sehr faszinierenden und in den Bann reißenden Veranstaltung; um 19 Uhr stiegen die Gäste in Meran in den Vinschgerzug und fuhren, vom Reiseleiter Thomas Hochkofler begleitet, in den Vinschgau, aber dieses Mal „als Programmänderung, nur bis zur Töll“. Die erste Überraschung gab es schon unterwegs in Form eines Hörspiels über die Zeitgeschichte, begleitet von den Musikern Matthias und Klaus Ladurner. Gemeinsam machte man sich dann auf den Weg durch den Wald, vom Bahnhof zum Bunker oberhalb der Schleuse. Ist der Bunker ein Ort der Gefahr oder strahlt er eher Sicherheit aus? Mit dieser Frage wurden die Besucher konfrontiert, bevor sie eingeladen wurden, begleitet von den Fremdenführern Matthias Schönweger und Franz Pichler, den Schaubunker zu besichtigen und das darin „lebende“ Bunkervolk (im Oberflächen-Leben Mitglieder der Partschinser Theatergruppe) kennen zu lernen. Eigenartige Installationen, Theater- und Kunstperformance, Matthias Schönwegers gewohnte Wortspiele und sein Sammelsurium – all das kann der Besucher in den verzweigten Tiefen und den Räumen des Bunkers erleben und sich dabei Gedanken machen, über Vergänglichkeit und Erinnerungen, die lieblose Zeit oder die zeitlose Liebe und über die Unmöglichkeit ewig zu leben, dafür aber auf unmöglich einfache Weise ewig tot zu sein. Thomas Hochkofler schlug den Bunker, eingerichtet nach den persönlichen Erfordernissen, als Eigenheim vor – versteckt, unsichtbar, nicht im Katasteramt aufscheinend, vom Gras überwachsen – seine Firma „Nonmifido.Sicheres Wohnen“ berate gerne und zum Schluss betonte er noch: „Vertrauen ist gut – bunkern ist besser“, denn eine Bunkeranlage sei schützende Wohnstatt der Zukunft .... aus Sichtbeton vom Feinsten. Weitere Veranstaltungen finden am Sonntag, 31. August sowie am 6. und 7. September statt, jeweils mit Beginn um 19 Uhr auf dem Bahnsteig in Meran (Kartenreservierung unter info@fabrikazzurro.com; Tel. 333 3668983 oder beim Tourismusverein von Rabland und Partschins).
Christel Strasinsky