Schludernser Zahlenspiele
Publiziert in 44 / 2011 - Erschienen am 7. Dezember 2011
Schluderns – Vinschger Gemeinden ringen um Energie- und Finanzautonomie. In Schluderns führte das zu Reibungen zwischen Gemeinderäten und Gemeindeausschuss.
Der Gemeinderat von Schluderns wurde bei seiner Sitzung vom 29. November 2011 zum Auftakt und zum Abschluss mit dem Thema Energie konfrontiert. Beides Mal gab es einstimmige Beschlüsse. Aber nur der Grundsatzbeschluss, das Stromverteilungsnetz anzukaufen, ging ohne zähes Ringen über die Bühne. Statt um Ritterspiele ging es in einem Fall um Zahlenspiele im Hunderterbereich, genauer um eine Prozentangabe in einem schriftlichen Antrag von fünf SVP-Gemeinderäten, noch genauer um den Anteil der Gemeinde am geplanten
E-Werk in Schluderns-Konfall. Heiko Hauser, Mirko Stocker, Pia Trafoier, Martin Rainalter und Elmar Koch hatten auf die Tatsache reagiert, dass Bürgermeister Erwin Wegmann und sein Ausschuss mit der Südtiroler Energiegesellschaft (SEL) bereits Vorverhandlungen geführt und am 27. September um eine Konzession angesucht hatten, ohne den Gemeinderat zu informieren. Den Antragsstellern ging es darum, auch die örtliche „Schludernser Energiegenossenschaft“ (SEG) und die „Landwirtschaftsgenossenschaft Schluderns“ (LGS) ins Verhandlungsspiel zu bringen. Wichtigstes Argument war, die Wertschöpfung sollte möglichst in der Gemeinde bleiben. Streitpunkt war nicht der Antrag an sich, sondern die Bezifferung des Gemeindeanteils mit 60 Prozent. Bürgermeister Erwin Wegmann sah darin eine Abgrenzung, die einen möglichen, höheren Anteil für die Gemeinde verhindern könnte. Dagegen stellte Mirko Stocker fest, dass die Zahlenangaben auf Empfehlung des Bürgermeisters eingefügt worden seien. Das verbale Ringen wurde kurz unterbrochen von einem Einwand des Sekretärs Christian Mesmer, dessen Stöbern in der Gemeindeordnung ergeben hatte, dass der Vizeobmann der SEG, Elmar Koch, den Saal verlassen musste. Zum Erstaunen der fünf Antragsteller. Am Ende wurde aber von allen Beteiligten kompromissbereit die Formulierung von Referent Andreas Hauser angenommen, „dass die der Gemeinde zustehenden Anteile nicht angetastet werden.“ Damit sind die beiden Schludernser Genossenschaften im Rennen - beschränkt auf den möglichen Anteil der SEL am geplanten Kraftwerk mit der Nennleistung von 998,89 KW.
Günther Schöpf