Die Zeit für Xong ist abgelaufen, teilten Jürg Goll, Konrad Meßner und Hermann Klapeer (von links) in Müstair mit.

Xong ist an die Grenzen gestoßen

Publiziert in 6 / 2010 - Erschienen am 17. Februar 2010
Müstair – Alle drei sind Grenzgänger, alle drei haben Erfahrungen im Umgang mit Menschen an der Grenze. Alle drei bemühen sich um die Kultur im Grenzbereich, zwei über Grabungen und Restaurierungen, der dritte über Landschaft, Kultur und Ideen. Alle drei haben sich im verschneiten Kloster St. Johann von Müstair, hart an der Grenze, mit ­Medienvertretern getroffen und haben in Aufbruchsstimmung das Ende von Xong mitgeteilt. Der Widerspruch „Aufbruch und Ende“ löste sich im Laufe des ­Treffens im Kloster, als Jürg Goll erklärte: „Im Jänner war der Tiefpunkt erreicht, jetzt geht’s aber aufwärts; Konrad Meßner lebt wieder voll im Xong“. Goll, der Bauhüttenmeister im Weltkulturerbe St. Johann, erklärte sich als vorsitzender Organisator der 12. und letzten Ausgabe des Kulturfestivals Xong, dessen Programm im April vorgestellt und das wie seit 1999 an drei Landesgrenzen über die ­Bühnen und Dorfplätze, durch die Landschaft und Wirts­häuser gehen wird. Geistiger Führer oder künstlerischer Leiter, wie es offiziell heißt, bleibt Xong-Erfinder Konrad Meßner, ihm zur Seite steht im „Oberen Gericht“ ­Hermann Klapeer, der ehemalige Bürgermeister im Grenzdorf Nauders und derzeit Schriftführer des Xong tragenden Kulturvereines „arcus raetiae“. Die Stimmung im „Aufenthaltsraum der Gäste“ war entspannt; vermutlich, weil man sich für den Schlussstrich entschieden hatte, das Länder übergreifende Kulturfestival Xong in Glanz und Gloria zu beenden. Jürg Goll war der Titel eingefallen „Xong 2010 – ein SchwanenXong“ als finaler Höhepunkt. Mit seiner Formulierung: „Wenn was schief geht, stehen unsere Existenzen auf dem freien Markt“, brachte Hermann Klapeer bildlich zum Ausdruck, dass die ­ehrenamtlich Tätigen an ihre Grenzen gestoßen waren. Kein Wort von Finanzlöchern, von ausufernden Schulden, von säumigen Sponsoren, keine Schuldzuweisung an untätige Politiker. „Wir bäumen uns noch einmal auf und verabschieden uns in Würde von unseren Fans“, meinte Jürg Goll. Es klang wie Selbstermutigung. Die 12. und letzte Xong-Ausgabe wird unter dem Thema „FREIgeist“ stehen. „Wir können den Geist frei lassen und wo er sich niederlässt, kann ja wieder was sprießen“, sagte Konrad Meßner und ergänzte „Nur wenn wir los lassen, haben wir beide Hände frei“. Dass Xong auch Mess- und Zählbares gebracht hatte, daran erinnerte Hermann Klapeer, als er die Ergebnisse einer Studie des Marketing-Centers Innsbruck zitierte, nach der jeder Euro, der für Xong ausgegeben worden sei, der Region das Achtfache wieder zurück gebracht habe. Da man im Kloster nicht von Geld redete, scheint dies ein Zeichen zu sein, dass man es hat oder weiß, wie man es bekommt. Zum letzten Mal wird somit bis Juli 2010 das Feuer in der Ideenschmiede „arcus raetiae“ sprühen. Man wird in den nächsten Monaten weiterhin auf der Suche nach ­„Real-Utopien“ sein – auch ein Wortprägung von Xong - und man wird zum letzten Mal Ende Juli jene Grenzen überschreiten, ohne die das Dreiländereck eine beliebige Gegend wäre, wie Konrad Meßner irgendwo geschrieben hat. Nicht auf ausgrenzende Grenzen hat Xong gesetzt, sondern auf jene, die man überschreiten konnte, um den Nachbarn kennen zu ­lernen.
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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