Urban Nothdurfter, Forscher und Dozent an der Fakultät für Bildungswissenschaften

20 Jahre Sozialarbeit am Campus Brixen: Kongress zu veränderten sozialen Herausforderungen und der Zukunft des Berufszweiges

Wie kann die Rolle von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern aufgewertet und an die aktuellen und künftigen sozialen Herausforderungen des Landes angepasst werden? Das werden am 21. und 22. November Fachleute und Wissenschaftler auf einem Kongress in Brixen diskutieren, der zum Anlass des 20-jährigen Bestehens des Studiengangs Sozialarbeit organisiert wird.

- Seit 20 Jahren gibt es an der Fakultät für Bildungswissenschaften einen Studiengang für Sozialarbeit. Ein wichtiger Meilenstein, den die Dozentinnen und Dozenten am Campus Brixen auch als Chance für einen neuen Aufbruch sehen: Einerseits, indem sie Bilanz ziehen, wie sich die Soziale Arbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt hat, andererseits um die Bereitschaft zu signalisieren, die eigene Rolle als Protagonist in diesem Feld noch stärker für die Entwicklung von innovativen und wirksamen Praktiken und Maßnahmen in der Sozialen Arbeit zur Verfügung zu stellen.

„Wir wollen den Akteurinnen und Akteuren in der Sozialen Arbeit mehr Gehör verschaffen”, sagt Urban Nothdurfter, Forscher und Dozent für Soziale Arbeit und Mitorganisator der Veranstaltung, „und zwar nicht nur, um Kritik zu äußern, sondern um ihre Expertise in wissenschaftlicher Hinsicht wie auch aus ihrer praktischen Erfahrung heraus einzubringen, um soziale Dienstleistungen noch besser an die Lösung neuer Bedürfnisse anzupassen.” Der zweitägige Kongress wird von der Fakultät für Bildungswissenschaften gemeinsam mit der Abteilung Soziales der Provinz Bozen sowie der regionalen Berufskammer der Sozialassistent*innen am Campus Bozen der unibz organisiert. 

Als drei größte künftige Herausforderungen sieht Nothdurfter den demographischen Wandel, die Migration und die immer komplexeren Problemstellungen in der Arbeit mit Familien und beim Schutz von Minderjährigen. „Was unsere alternde Gesellschaft betrifft, sind Sozialarbeiterinnen und -arbeiter bereits heute stärker gefordert und werden in Zukunft noch stärker in der Pflege und bei Hilfestellungen für Familien gebraucht werden.”

Als dringendste Aufgabe aller Beteiligten in den kommenden Jahren sieht der Forscher die strategische und innovative Weiterentwicklung von sozialen Dienstleistungen.  „Die Zeiten, in denen man in der Sozialarbeit fast ausschließlich im öffentlichen Dienst beschäftigt war, sind vorbei”, sagt Nothdurfter. Angesichts der zunehmenden Verwischung von Grenzen mit dem Privatsektor in diesem Bereich, werde von Fachkräften auch die Übernahme neuer Aufgaben gefordert, die stärker in Richtung Management und Innovation gehen. In diesem Sinne signalisiert das wissenschaftliche Team für Soziale Arbeit am Campus Brixen auch die Bereitschaft, seine Expertise noch stärker für sozialpolitische Richtungsentscheidungen einbringen zu wollen. „Im Laufe dieser zwei Jahrzehnte haben wir ein breites Wissen zu den spezifischen lokalen Problematiken erworben, das wir gerne mit politischen Entscheidungsträgern teilen, wenn es um strategische Einschätzungen geht“, sagt ProfessorinSusanne Elsen. 

Am Kongress in Brixen werden am 21. und 22. November 2019 rund 150 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Praxis teilnehmen. Einige Beispiele für die vielen Vorträge, die auf dem Programm stehen: Der Soziologe Luca Fazzi wird sich mit der Institutionalisierung, Stereotypisierung und Kreativität in der Ausbildung zur Sozialen Arbeit in Italien auseinandersetzen; Yuri Kazepov (Universität Wien) spricht über Innovation in der lokalen Sozialpolitik, Susanne Elsen (unibz) wird die jüngsten Entwicklungen des Studiengangs in Zusammenhang mit dem Thema der Nachhaltigkeit bringen und Sabine Stövesand (Hamburg University of Applied Sciences) wird auf aktuelle Herausforderungen in der Sozialen Arbeit eingehen.

uni bz

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