4 Gruppen von NEET(Not in Education, Employment or Training)-Jugendlichen lassen sich unterscheiden. (jpg)

Arbeitsmarkt-News: Jugendliche ohne Arbeit (NEET) im Blickfeld

7600 der 15- bis 29-jährigen Südtiroler gehen keiner Arbeit nach, 300 davon gelten als "entmutigt". Die aktuelle Arbeitsmarkt-News gibt Auskunft und vergleicht Daten zur Jugendbeschäftigung.

- Auf gesamtstaatlicher Ebene sind sie ein arbeitsmarkt- und sozialpolitisches Sorgenkind: die über zwei Millionen Jugendlichen, die weder einer Erwerbsarbeit noch einer Aus- oder Weiterbildung nachgehen. Für diese Gruppe hat sich in ganz Europa die englische Kurzbezeichnung NEET (Not in Education, Employment or Training) eingebürgert. Mit einer Rate um 24 Prozent weist Italien den höchsten Wert aller EU-Länder auf.

Südtirol unterscheidet sich hinsichtlich Jugendbeschäftigung deutlich von den Entwicklungen auf staatlicher Ebene: Hierzulande sind über 50 Prozent der 15- bis 29-Jährigen erwerbstätig, der Anteil der NEET lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei elf Prozent.

In der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen gibt es in Südtirol ungefähr 7600 NEET. Hinter dieser Zahl verbergen sich allerdings ganz unterschiedliche Gründe dafür, weswegen Jugendliche nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und auch keine Aus- oder Weiterbildung besuchen:

  • Die umfangreichste Gruppe bilden die insgesamt 3200 nicht verfügbaren jungen Menschen: Acht von zehn davon sind junge Frauen, die hauptsächlich den Erziehungsaufgaben nachgehen.
  • Die Zahl der arbeitssuchenden NEET – also der klassischen Arbeitslosen – kann auf 2400 geschätzt werden.
  • Die drittgrößte Gruppe bilden mit 1700 Personen die chancensuchenden NEET: Hierbei handelt es sich um Jugendliche, die sich noch im Unklaren über ihren beruflichen Werdegang sind und deren Einstiegserfahrungen in die Arbeitswelt nicht zu einer dauerhaften Verankerung geführt haben.
  • Auf 300 Personen lassen sich die entmutigten jungen Menschen schätzen, die davon ausgehen, keinen für sie geeigneten Arbeitsplatz je zu finden.

"Aus dieser Aufschlüsselung geht ganz klar hervor, dass der oft gezogene Schluss nicht zutrifft, bei NEET handle es sich ausnahmslos um entmutigte junge Menschen. Der Anteil jener jungen Menschen, die wirklich außerhalb von Arbeit oder Bildung stehen, ist in Südtirol bei weitem nicht so besorgniserregend wie im restlichen Staatsgebiet", unterstreicht Landesrat Philipp Achammer.  Aufgrund der guten Beschäftigungslage könne sich Südtirols Arbeitsmarktpolitik für Jugendliche sehr zielgenau um auftretende Problemlagen kümmern. "Der Übergang von der Schule in das Erwerbsleben ist eine äußerst wichtige Phase, in der auch nicht immer alles wie am Schnürchen läuft. Deshalb ist es wichtig, dass Schulen, Betriebe und Beratungseinrichtungen zusammenwirken", sagt der für Arbeit, Bildung und Wirtschaft zuständige Landesrat. Dies sei im Interesse der Jugendlichen, damit diese – unabhängig vom Wohnort oder ihrer Herkunft – ihren beruflichen Lebenstraum verwirklichen können, aber auch im Interesse der Südtiroler Betriebe und öffentlichen Einrichtungen, die mehr denn je an motivierten Facharbeitskräften interessiert seien.

Ob Jugendliche dem NEET-Risiko ausgesetzt sind, hänge von mehreren Faktoren ab, präzisiert Stefan Luther, geschäftsführender Direktor der Landesabteilung Arbeit: "Unterschiede zwischen Regionen gründen in der Arbeitsmarktpolitik: Wo in die aktive Arbeitsmarktpolitik, in die duale Ausbildung und in ein gutes Übergangssystem zwischen Ausbildung und Arbeitswelt investieren wird, sind die NEET-Raten niedrig. Wichtig ist es, vor Ort über kompetente Einrichtungen zu verfügen, damit in problematischen Situationen sowohl Jugendliche als auch aufnehmende Betriebe begleitet werden können." Die Spannweite der NEET sei sehr groß: Diese reiche vom demotivierten "Aussteiger" über den Arbeitseinsteiger mit schlechten Anfangserfahrungen bis hin zum Jugendlichen aus begütertem Elternhaus mit guten Abschlussnoten, der sich eine Auszeit nehme.

lpa



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