Auf dem Weg zur Sozialpartnerschaft 4.0

Die digitale Transformation der Arbeitswelt mache eine neue Sozialpartnerschaft notwendig – eine Sozialpartnerschaft 4.0. Zu diesem Schluss kommen die Südtiroler Gewerkschaften auf einer Fachtagung des AFI | Arbeitsförderungsinstituts zu diesem Thema. Die Kollektivverträge der Zukunft seien entlang der Wertschöpfungsketten auszurichten und sie müssten Arbeitnehmer stärker in betriebliche Entscheidungsabläufe einbinden. Nur so könne sichergestellt wer

- on einem neuen Sozialpakt spricht Marco Bentivogli, der erste Vortragende im Fachseminar des AFI. Der Chef der Metaller in der Gewerkschaft CISL betont dabei die Chancen, die sich mit der Digitalisierung für die Arbeitnehmer öffnen. Es mache keinen Sinn, die Digitalisierung zu verteufeln. Stattdessen gelte es, die Gelegenheit einer weiteren Humanisierung der Arbeitswelt beim Schopf zu packen und auf den Ausbau von Kompetenzen für Arbeitnehmer in einer neuen Arbeitsorganisation hinzuarbeiten. Durch hochprofessionelle Mitarbeit auf Betriebsebene müssen die Gewerkschaften im Interesse der Arbeitnehmer den digitalen Wandel mitgestalten und sich fachlich entsprechend darauf vorbereiten. Das Ergebnis sollte ein neuer Pakt zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung sein, der als Grundlage für die soziale Sicherheit und die persönliche Entwicklung der Arbeitenden in der Arbeitswelt 4.0 dient.
Eher in Richtung sozialen Kompromiss zieht es den zweiten Referenten der AFI-Tagung, Mimmo Carrieri, einer der renommiertesten Arbeitsforscher Italiens. Die Architektur der Kollektivverträge müsse in diesem Sinne neu entworfen werden, sonst erzeuge der digitale Wandel eine hohe Anzahl an Verlierern, mit all den daraus entstehenden sozialen und politischen Verwerfungen.

Kollektivvertrag nach Wertschöpfungskette statt Sektor
Carrieri plädiert im AFI-Seminar für neue Kollektivverträge entlang von Wertschöpfungsketten und nicht mehr, wie bisher, für Kollektivverträge nach Branchen und Sektoren. Unabdingbar sei die stärkere Miteinbeziehung der Arbeitnehmer in Betriebsabläufe und strategische Entscheidungen. Dazu müssten die gewerkschaftlichen Rechte bei der Neuerung der Arbeitsorganisation in der digitalisierten bzw. automatisierten Produktion und Dienstleistung neu ausgehandelt werden. Zudem sei das System der sozialen Sicherung neu auszurichten.

Die digitale Kompetenz der Gewerkschaften ist gefragt
Zur Aufgabe und Rolle der Arbeitnehmervertretung stieß der Wissenschaftler in das gleiche Horn wie der Praktiker: „Die Gewerkschaften gewinnen Bedeutung, wenn sie es verstehen, auf die neuen Arbeitsbedingungen für Arbeiter und Angestellte fachkundig einzugehen und somit auf Augenhöhe mit den Arbeitgebervertretungen einen sozialen Kompromiss anstreben.“

Südtiroler Sozialpartner gesprächsbereit
Auf der AFI-Tagung sind sich die Südtiroler Sozialpartner weitgehend einig. Es diskutieren Claudio Corrarati („Wirtschaftsnetz“) und Albrecht Matzneller (Personalchef Landesverwaltung) mit den Gewerkschafts-Chefs Tony Tschenett (ASGB), Alfred Ebner (CGIL-AGB), Dieter Mayr (SGBCISL) und Christian Troger (UIL-SGK). Tenor der Runde: In den nächsten Jahren gehe es um die Modernisierung der Südtiroler Sozialpartnerschaft, besonders auf Betriebsebene. Der Dialog sei anspruchsvoll, aber durchaus möglich.

Stellungnahme von AFI-Präsidentin Christine Pichler
„Ich bin optimistisch, dass die Südtiroler Sozialpartner in den nächsten Jahren die Sozialpartnerschaft in Richtung 4.0 modernisieren und intensivieren können. Die Tagungen des AFI haben hierzu wichtige Impulse gegeben und werden dies auch in Zukunft tun“.

Stellungnahme von Ressortdirektor Michael Mayr
„Für innovative Unternehmen ist eine funktionierende Sozialpartnerschaft von großem Vorteil. Aufgrund unserer positiven Erfahrungen sind wir überzeugt, dass die Südtiroler Sozialpartnerschaft mit ihrer immer lösungsorientierten und konstruktiven Haltung die Herausforderungen der Digitalisierung der Arbeitswelt sehr gut meistern wird.“

AFI

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