Das Treffen mit der Delegation aus Israel im Regierungssaal im Landhaus 1 in Bozen

Besuch aus Israel: Autonomiemodell als Hoffnungsspender

Südtirols Autonomiemodell biete Motivation, um die Befriedungsbemühungen in Israel fortzusetzen. Das erklärte heute eine jüdisch-arabische Delegation.

- Vor dem Hintergrund der militärischen Auseinandersetzungen dieser Woche in Gaza, der anschließenden Feuerpause, die den Rücktritt von Verteidigungsminister Avigdor Lieberman zur Folge hatte, besucht derzeit eine Delegation aus Israel, die sich aus jüdischen und arabisch-palästinensischen Mitgliedern zusammensetzt, Südtirol.

Im Rahmen ihres Besuchs ist die Abordnung heute Morgen (15. November) mit Landeshauptmann Arno Kompatscher zu einem längeren Gespräch zusammengetroffen. Dabei gab Landeshauptmann Kompatscher Einblick in die Geschichte Südtirols, in die Autonomie  und deren Eckpfeiler. "Die Delegation aus Israel möchte die Südtirolautonomie als Modell kennenlernen, um daraus hilfreiche Ansätze zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der jüdischen Mehrheit und der palästinensisch-arabischen Minderheit in Israel zu gewinnen", informierte Landeshauptmann Kompatscher nach dem Treffen. "Ich habe aufgezeigt, welche Lösungen für Südtirol gefunden wurden, um das friedliche Zusammenleben zu garantieren. Es gibt große Unterschiede zwischen der Situation in Israel, aber auch einige Gemeinsamkeiten. Das Bemühen um Minderheitenrechte und die Anerkennung der Minderheiten darf nie enden. Die Lösung von Konflikten erfordert vor allem aber auch die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten." 

Eyal Ben Reuven, der für die Mittellinkspartei Zionist Union im israelischen Parlament, der Knesset, sitzt, zeigte sich beeindruckt vom Erfolg des Südtiroler Autonomiemodells, das "Hoffnung und Motivation ist, um den Weg der Befriedung unseres Konflikts fortzusetzen". 

Der Parlamentarier Yousef Jabareen von der arabischen Joint List verwies darauf, dass den 20 Prozent arabisch-palästinensischer Bevölkerung Israels wesentliche individuelle und kollektive Rechte vorenthalten würden. Allein die Tatsache, dass Arabisch nicht als offizielle Sprache anerkannt werde, schließe von einer Teilhabe in vielen Bereichen aus. Was in Südtirol gelungen sei, gebe aber Hoffnung und Antrieb, die Bemühungen fortzusetzen. 

Bei der heutigen Zusammenkunft wurde die Errichtung einer Plattform angeregt für einen kontinuierlichen Austausch über Minderheitenangelegenheiten und Best-Practice-Projekte. Besonders im Bereich von Schule, Kultur und Jugendarbeit könne erfolgreich am Abbau von Vorurteilen und für das Zusammenleben gearbeitet werden.

Im Rahmen ihres Südtirolbesuchs findet morgen im Forschungszentrum Eurac Research in der Bozner Drususallee eine öffentlich zugängliche Konferenz statt. Mitglieder des israelischen Parlaments, palästinensische Journalisten und Autoren, Unternehmer und Vertreter von nichtstaatlichen Organisationen werden sich dabei mit Forschenden der Eurac über das Zusammenleben aus politischer und sozialer Sicht austauschen. Diese Konferenz wird vom Verein Antenna, Eurac Research und dem Italienischen Zentrum für den Frieden in Nahost (CIPMO) organisiert und in englischer Sprache abgehalten.

jw

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