Corona-Schutzausrüstung beeinträchtigt nicht die Qualität der Herzdruckmassage

Eine Studie von Eurac Research und Weißem Kreuz zeigt, dass Schutzausrüstungen die Qualität der Wiederbelebungsmaßnahmen nicht vermindern

- Bei einem Herzkreislaufstillstand ist die erste lebensrettende Maßnahme die Herzdruckmassage. Für die routinierten Rettungsteams gibt es seit gut einem Jahr eine grundlegende Veränderung: Aufgrund der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus gilt es, die Herzdruckmassage mit Schutzausrüstung durchzuführen. An und für sich schon körperlich sehr anstrengend, wird das Ausführen der Herzdruckmassage mit FFP2- oder FFP3-Maske und Schutzanzug von den Rettungskräften als noch anstrengender und schwieriger empfunden. Ob die Schutzausrüstung tatsächlich die Qualität der Herzdruckmassage beeinträchtigt, untersuchte ein Forscherteam von Eurac Research gemeinsam mit ausgebildeten Ersthelferinnen und Ersthelfern des Weißen Kreuzes Bozen, Meran und Bruneck. Das Ergebnis: Bei den Tests wurde kein Unterschied in der Effizienz der Ausführung gemessen.
Bald nach Beginn der Pandemie gab die Europäische Gesellschaft für Wiederbelebung (ERC) die Richtlinie heraus, dass nur mit voller Schutzausrüstung – also mit FFP2- oder FFP3-Maske, Schutzbrille, Handschuhen und Schutzanzug – wiederbelebt werden soll. Denn die Herzdruckmassage gilt als eine aerosolgenerierende Maßnahme, das heißt, Atemluft mit Viruspartikeln kann aus Mund und Nase des Patienten entweichen, und die Retter können sich potentiell infizieren. Für die Erste-Hilfe-Teams bedeutet eine Reanimation mit voller Schutzausrüstung vor allem mehr Anstrengung. Der relativ hohe Atemwiderstand der FFP2- bzw. FFP3-Masken könnte die körperliche Leistungsfähigkeit und damit die Qualität der Herzdruckmassage reduzieren.
Vor diesem Hintergrund hat ein Forscherteam von Eurac Research zusammen mit 34 Rettungskräften des Weißen Kreuzes von Bozen, Meran und Bruneck eine Studie durchgeführt. Die bestens ausgebildeten und trainierten Rettungskräfte führten die Herzdruckmassage an einer speziellen Puppe einmal mit voller Schutzausrüstung und einmal ohne diese aus. Die Puppe ermöglicht es, die Drucktiefe und die Frequenz genau zu messen – für die Herzdruckmassage gilt es, 5-6 Zentimeter tief und 100 bis 120 Mal pro Minute zu drücken, wobei der Druck jedes Mal wieder komplett entlastet werden soll. Die Auswertungen zeigten keinen Unterschied in der Ausführung, egal ob die Herzdruckmassage mit oder ohne Schutzausrüstung durchgeführt wurde. „Wir sind unter den ersten, die eine solche Studie durchführen“, erklärt der Intensivmediziner Simon Rauch von Eurac Research, der die Studie leitete. Die Rettungskräfte selbst empfanden das Reanimieren mit Schutzausrüstung als anstrengender und qualitativ schlechter. Doch wie das Forscherteam mit der Studie zeigt, ist die gemessene Qualität der Herzdruckmassage durch die pandemiebedingten Auflagen nicht beeinträchtigt.
„Wir haben uns allein auf die Qualität der Herzdruckmassage konzentriert. Natürlich gibt es noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen – wie beispielsweise die Zeit, die es braucht, um die Schutzausrüstung komplett anzuziehen“ sagt Rauch. „Doch organisieren sich hier die Ersthelferteams bei einem Notfall zum Beispiel so, dass eine Rettungskraft sofort mit der Defibrillation beginnt – dafür reichen Maske und Handschuhe, weil sie nicht als aerosolgenerierend gilt - während die andere sich den Schutzanzug überzieht, um mit der Herzdruckmassage fortzufahren. Damit geht keine wertvolle Zeit verloren.“ Ein großer Teil des Sanitätspersonals sei geimpft, dennoch sei laut Rauch noch nicht absehbar, wann die Richtlinien des ERC zur Schutzausrüstung auf europäischer Ebene möglicherweise abgeändert werden. 

Die Studie wurde im Journal of Clinical Medicine publiziert und ist unter folgendem Link einsehbar: https://www.mdpi.com/2077-0383/10/8/1728

Eurac Research

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