Dies academicus 2019: Auszeichnung von herausragenden Forschungsleistungen an der unibz

Dies academicus 2019: Auszeichnung von herausragenden Forschungsleistungen an der unibz

An der Freien Universität Bozen wurde am Mittwoch Vormittag der traditionelle Dies academicus begangen. Erstmals wurden auf der diesjährigen Festfeier in Kooperation mit der Stiftung Südtiroler Sparkasse Preise für herausragende Forschungsleistungen vergeben. Die Festrede hielt Prof. Matthias Sutter, Ökonom am Max Planck Institute for Research on Collective Goods aus Bonn. Er beleuchtete das Thema Kooperation aus Sicht der Verhaltensökonomie. 

- Am traditionellen akademischen Feiertag Dies academicus werden an der Freien Universität Bozen neue Professorinnen und Professoren willkommen geheißen, in den Ruhestand getretene verabschiedet sowie der gesamten Universitätsgemeinschaft für ihr Engagement gedankt. Die Präsidentin der Freien Universität Bozen Prof.in. Ulrike Tappeiner ging zu diesem Anlass auf die Rolle von Universitäten in Zeiten des Wandels ein. Ob Klimawandel und Artensterben, Falschmeldungen oder Sicherheit versprechende Heilslehren politischer und weltanschaulicher Art: „Dagegen hilft nur ein Serum: Fakten, Fakten und noch einmal Fakten“, betonte Ökonomin Tappeiner und fügte hinzu: „Neue Herausforderungen verlangen nach kreativen Lösungen.“ Dies sei eine wesentliche Aufgabe der Universität: „Es darf nie vergessen werden, welche enorme ethische Verpflichtung diese weitgehende Freiheit – und wir nennen uns nicht zufällig „Freie Universität Bozen“ – mit sich bringt, wirklich kreative Lösungen zu finden.“
Auch Rektor Prof. Paolo Lugli unterstrich in seiner Rede die Rolle der unibz für das lokale Umfeld. „Eines der wichtigsten Ziele der Freien Universität Bozen ist es, zur kulturellen, sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols beizutragen. Im vergangenen Jahr haben alle Fakultäten wesentlich in diese Richtung mitgewirkt“. Lugli ging auf den Braindrain ein, der auch für Südtirol eine Herausforderung darstelle. „Die Umkehrung dieses Trends erfordert das Mitdenken von allen Seiten, das Erkennen von Ursachen und die Gestaltung gezielter Maßnahmen. Die Universität muss versuchen, ihre Attraktivität zu erhöhen", erklärte der Rektor. Wichtig dafür sei nicht zuletzt die Verfügbarkeit von mehr Wohnraum für Studierende, aber auch akademisches Personal, so Prof. Lugli. Er schloss seinen Beitrag mit dem Ausblick auf die Gründung der neuen Fakultät für Ingenieurwissenschaften im NOI Techpark. „Ab 2022 werden wir unser Betätigungsfeld auf Themen wie Robotik und Automatisierung, Elektronik und Sensorik, Künstliche Intelligenz und Deep Learning erweitern.“
„Wir sind bereit für die letzte Meile der Errichtung dieser Fakultät, die einen weiteren Qualitätssprung für Südtirols Gesellschaft darstellt“, sicherte Landeshauptmann Arno Kompatscher dem Führungsgremium der unibz zu. Zuversichtlich zeigte sich der Landeshauptmann auch bezüglich der baldigen Beseitigung der Hindernisse auf dem Weg zur Schaffung der ersten italienischen Fakultät für Musikwissenschaften sowie in Bezug auf den Dauerbrenner Wohnen. „Wir sind dabei die urbanistischen Voraussetzungen zu schaffen, damit in den kommenden ein bis zwei Jahren ein Vielfaches an Unterkünften für Studierende zur Verfügung stehen wird“, versprach Arno Kompatscher. Er unterstrich, dass die Landesregierung stolz auf die Freie Universität Bozen und ihre Entwicklung in mehr als zwei Jahrzehnten sei – nicht zuletzt, weil sie mit ihrem Modell der Dreisprachigkeit ein Vorbild für „ein kleines Europa innerhalb Europas“ sei, in dem Menschen verschiedener Kulturen miteinander kooperieren.
Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi ging in seinen Grußworten auf die Bemühungen der Stadtverwaltung ein, für alle Einwohner der Landeshauptstadt inklusive der Universitätsgemeinschaft weiterhin eine hohe Lebensqualität, gute Dienstleistungen und ein gutes soziales Klima zu garantieren.
Um Kooperation ging es in der Rede von Prof. Matthias Sutter vom „Max Planck Institute for Research on Collective Goods“ aus Bonn. Der Institutsdirektordirektor und Professor für experimentelle Wirtschaftsforschung an den Universitäten Köln und Innsbruck sprach in seiner Festrede darüber, wie und warum Kooperation aus Sicht der Verhaltensökonomie gelingen kann. Freiwilligkeit, gemeinsame Ziele und eine institutionalisierte Hierarchie würden die Bereitschaft steigern, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, erläuterte der Wissenschaftler. Essentiell sei aber auch die Rolle von Leadership: „“Es gibt einen starken positiven Zusammenhang zwischen den Beiträgen des Leaders und jenem der anderen Gruppenmitglieder“, unterstrich Sutter.
Geehrt wurde beim diesjährigen Dies Academicus Prof. Mario Falanga, der Schulrecht an der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen lehrte und im vergangenen Jahr in den Ruhestand trat. Im Anschluss stellte Rektor Lugli zehn neue Professorinnen und Professoren vor, die im Studienjahr 2018/19 ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Freien Universität Bozen begonnen haben: Birgit Alber, Thomas Bausch, Federico Corni, Antonella De Angeli, Maria Cristina Gatti, Daniele Ietri, Eva Leitolf, Alexander Moradi, Iris Nentwig-Gesemann und Alex Weissensteiner.
Eine Premiere war in diesem Jahr die Auszeichnung herausragender Leistungen junger Forschender der unibz: In Kooperation mit der Stiftung Südtiroler Sparkasse wurden drei Forschende prämiert: Giovanna Ferrentino (Fakultät für Naturwissenschaften und Technik), Romain Robbes (Fakultät für Informatik) und Emanuela Rondi (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften). Emanuela Rondi ist Dozentin und Forscherin am Family Business Centre im NOI Techpark. Ihre Forschungstätigkeit widmet sich der Erforschung von Familienunternehmen, mit besonderem Fokus auf die Bedeutung von Tradition und Beziehungen für Innovationsprozesse. Romain Robbes ist Spezialist für Software Engineering und wurde für seine Forschungstätigkeit im Bereich der Softwareentwicklung ausgezeichnet, die sowohl Arbeitsabläufe als auch die Produkte selbst zu verbessern hilft. Giovanna Ferrentino, Expertin im Bereich der Lebensmittelwissenschaften und -technologie im NOI Techpark, wurde schließlich für ihre Forschung zur Verbesserung und Rückgewinnung von Verbindungen mit hohem Nährwert aus Lebensmittelabfällen wie gebrauchtem Kaffeepulver mit dem Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse ausgezeichnet.
Musikalisch umrahmt wurde der Dies academicus von den "The Rocket Monkeys", vier jungen Musikern aus Steinegg: Drei Bläser und ein Schlagzeuger, die in diesem Jahr den ersten Preis des Schülerband-Contests für Mittel- und Oberschüler "Musik macht Schule" erhielten und frischen Wind in die akademische Feier brachten.

uniBZ

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