Erfreuliche Entwicklung der Biotope am Haider See – Wermutstropfen: zu breiter Weg am Westufer

Erfreuliche Entwicklung der Biotope am Haider See – Wermutstropfen: zu breiter Weg am Westufer

Für Arbeiten am Haider-See-Druckstollen bekam Alperia vor einigen Jahren die provisorische Genehmigung einen 3 Meter breiten „Arbeitsweg“ zu errichten.

- Dieser Eingriff war mit der Auflage verknüpft die ersten 200 m vollständig zurückzubauen und den restlichen Weg wieder auf die Breite des ursprünglichen Spazierweges zu reduzieren. Zwei Jahre danach ist der obgenannte „Arbeitsweg“  immer noch so breit. Dies mussten die Teilnehmer:innen an der Exkursion der Umweltschutzgruppe Vinschgau zum Haider See am 26. August 2022 enttäuscht feststellen.

Unter fachlicher Begleitung des Biologen Joachim Winkler erkundeten 14 Umweltinteressierte gemeinsam mit Valentin Schroffenegger, Beauftragter für Schutzgebiete des Amtes für Natur und Andreas Felderer, Förster an der Forststation Graun, die Entwicklung der Wasser- und Uferlebensräume am Haider See – mit folgenden Erkenntnissen und Diskussionsthemen:

  • Die Erweiterung der Wasserfläche im Biotop Haider See Süd kann als gelungen bezeichnet werden; in knapp 1,5 Jahren haben sich neben verschiedenen Libellenarten auch Wasserpflanzen angesiedelt; die neue Flachwasserzone ist auch Rückzugsgebiet für Jungfische.
  • Der Bewirtschafter des Haider Sees, Alfred Plangger, erläuterte den Anwesenden die Lebensgemeinschaft der Fische und bekam viel Anerkennung für seine Bemühungen für die verschiedenen Fischarten, von denen die Seeforelle, die Renke und die Elritze besonders hervorzuheben sind.
  • Kritisch debattiert wurde die Wassernotstandsverordnung des Landeshauptmannes vom März 2022 zur Frostberegnung im Mittelvinschgau. Diese war trotz eines negativen Gutachtens der Dienststellenkonferenz erlassen worden. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau hatte die Eingriffe am Südufer des Sees zur Steigerung des Wasserabflusses vehement abgelehnt. Insbesondere die Wasserableitung im Februar 2022 hatte große Schäden am Fischbestand in der Etsch verursacht.
  • Im Zuge des Rundganges ging Joachim Winkler auf die beindruckende Gewässerflora des Haider Sees ein. Hervorzuheben sind vor allem die 9 verschiedenen Laichkrautarten: kein anderer See in Südtirol hat mehr Laichkrautarten als der Haider See. Der Biologe zeigte den Interessierten zwei weitere besondere Wasserpflanzen: den kleinen und zarten, aber „fleischfressenden“ Wasserschlauch und den Wasser-Hahnenfuß. Auch die Uferflora kann mit einigen Besonderheiten aufwarten: der sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Gift-Wasserschierling, das seltene Sumpf-Helmkraut und den Breitblättrigen Rohrkolben.
  • Beobachtet werden konnten zudem verschiedene Wasservögel, wie Blässhuhn, Reiherente, Stockente, Höckerschwan, Haubentaucher und Graureiher. Einzig der Zwergtaucher zeigte sich nicht an diesem Tag.
  • Zur Freude der Umweltschützer:innen scheint sich die Qualität des Gewässers in die vom Gewässerschutzplan vorgegebene Richtung zu entwickeln.

Angesichts der durchaus positiven Entwicklung an einem der hotspots für Biodiversität in Südtirol, fordert die Umweltschutzgruppe Vinschgau, dass der breite „Arbeitsweg“ zurückgebaut wird. Die Vinschger Umweltschützer missbilligen, dass mit einem Varianteprojekt die ursprüngliche Auflage zum Rückbau untergraben wird.

Die Umweltschützer:innen machen darauf aufmerksam, dass im Klimaplan 2040 dringend notwendige Maßnahmen für bestehende Schutzgebiete und Naturräume fehlen.  

Umweltschutzgruppe Vinschgau

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