Der Mareiter Bach wurde auf die doppelte Breite aufgeweitet, damit wurden natürliche Hochwasser-Rückhalteflächen und Geschiebe-Ablagerungsflächen geschaffen; im Bild (v.li.) 2005, 2011, 2018. Agentur für Bevölkerungsschutz

Fließgewässer brauchen Raum

Die Projekte zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Ökologie von Fließgewässern folgen einem Entwicklungsplan mit 536 Maßnahmenvorschlägen.

- Mit den modernen Wasserbautechniken lassen sich Hochwasserschutzmaßnahmen und Naturschutzmaßnahmen gut verbinden. Die Agentur für Bevölkerungsschutz setzt südtirolweit Projekte zur Verbesserung der Ökologie der Fließgewässer um.

Entwicklungsplan für Fließgewässer Südtirols
Seit 2011 werden Verbesserungsmaßnahmen an der Fließgewässer-Morphologie anhand eines Entwicklungsplans für die Fließgewässer Südtirols programmiert und umgesetzt, berichtet der Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Rudolf Pollinger. Einer der zentralen Grundsätze dabei ist, die Fließgewässer als dynamische und zusammenhängende Systeme zu betrachten und auch das Gewässerumland mit einzubeziehen. Oberstes Ziel ist die Aufwertung der Fließgewässer als vielfältige, vernetzte Lebensräume.

Schaffung von natürlichen Hochwasserrückhalteflächen
Die besten Erfolge können dabei mit dem Revitalisierungstyp Aufweitung erzielt werden, bei dem Fließgewässern ausreichend Platz zurückgegeben wird. Damit werden dynamische Umlagerungen wieder zugelassen und natürliche Hochwasserrückhalteflächen geschaffen.

Eine großflächige Aufweitung von Flüssen im Talboden ist allerdings kaum möglich, weil die flussnahen Flächen stark genutzt werden. Deshalb machen Strukturverbesserungsarbeiten innerhalb der bestehenden Flussbetten (Instream River Training) den Großteil der Projekte aus, die außerhalb der Strömung kaum sichtbar sind. Damit ist es möglich, das Fließgewässerkontinuum wiederherzustellen und etwas Eigendynamik zuzulassen, wodurch die Lebensraumvielfalt steigt.

Maßnahmenkatalog für jedes Fließgewässersystem
Für jedes Fließgewässersystem wurde ein Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, dessen Vorschläge das Ergebnis von Workshops sind und auf Flussraum-Managementplänen und Studien basieren. Jeder dieser derzeit 536 Maßnahmenvorschläge hat einen Prozess mit Bewertungen und Priorisierungen durchlaufen. Bis heute wurden 115 dieser Maßnahmen umgesetzt; die daraus gezogenen Erfahrungen fließen in Planung und Umsetzung zukünftiger Projekte ein.

Finanziert werden Projektierung und Umsetzung der Maßnahmenvorschläge zum größten Teil mit den Umweltgeldern der Großkraftwerke, Geldern der Landesverwaltung und der Europäischen Union sowie über den Fischereifonds.

Broschüre mit Vorzeigeprojekten
Auf 90 Seiten wird ein Einblick in Vorzeigeprojekte ermöglicht: In der zweisprachigen Broschüre "Revitalisierung der Fließgewässer Südtirols. Hintergründe und Praxisbeispiele" stellen Kathrin Blaas und Peter Hecher eine Auswahl an Fließgewässer-Revitalisierungsprojekten zwischen Reschen und Winnebach, Brenner und Salurn vor. Zudem wird auf die Bedeutung naturnaher Flusslandschaften aufmerksam gemacht und aufgezeigt, wie sich menschliche Eingriffe in das Fließgewässer-Ökosystem auswirken.

Gedruckte Exemplare dieser Broschüre können kostenlos in der Agentur für Bevölkerungsschutz (Cesare-Battisti-Straße 23 in Bozen) abgeholt werden.

Die digitale Version der Broschüre Revitalisierung der Fließgewässer Südtirols. Hintergründe und Praxisbeispiele und der Entwicklungsplan für die Fließgewässer Südtirols stehen online zur Verfügung.

mac

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