Projekt Erika: Gewaltopfer schnellstmöglich begleiten

Ein gemeinsames Projekt des Landes, des Sanitätsbetriebes und weiterer Partner stärkt das Unterstützungsnetzwerk für Opfer von häuslicher Gewalt.

- Frauen sollen in Gewaltsituationen auf ein dicht verwebtes Netzwerk stoßen, das ihnen mit Beratung, Unterstützung und Begleitung zur Seite steht: Dieses Ziel verfolgt nicht nur das neue, voraussichtlich im Dezember im Landtag zur Diskussion stehende Landesgesetz, sondern auch zahlreiche Aktionen und Projekte, die bereits aktiv sind. Eines dieser Angebote ist das Projekt Erika. Dadurch sollen Gewaltopfer in den Notaufnahmen der Südtiroler Krankenhäuser schneller zu professioneller Begleitung aus der Gewaltsituation gelangen. Seine Ursprünge hat das Projekt im Jahr 2015 in Bozen, im Dezember des Vorjahres wurde es auf ganz Südtirol ausgeweitet. Im Jahr 2017 wurden über ein Dekret des Ministerpräsidenten dazu auf staatlicher Ebene Richtlinien für die Gesundheitsbetriebe erlassen. "Gewalt ist niemals Privatsache, geschieht aber überwiegend im privaten Umfeld. Wir müssen daher das Netzwerk weiter verdichten, um Gewalt gegen Frauen und bzw. oder ihre Kinder in Südtirol weiter eindämmen zu können", betont Soziallandesrätin Waltraud Deeg. Sie verweist auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), laut der sich bis zu zwei Drittel der Gewaltopfer ins Krankenhaus begeben, um dort Hilfe in Anspruch zu nehmen. Daraus werde deutlich, welch wichtigen Stellenwert das dort tätige Personal für das Erkennen von Gewaltverbrechen und für einen fachlich kompetenten Umgang mit dieser Situation einnimmt. Gerade deshalb komme dem Projekt Erika und seiner flächendeckenden Ausdehnung auf ganz Südtirol ein großer Stellenwert zu.
Dem stimmt auch der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer zu: "Bereits seit Jahren sind wir als Südtiroler Sanitätsbetrieb aktiv, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Themen Gewalt und Umgang mit Gewaltopfern zu schulen. Ich bin überzeugt, dass diese zusätzliche Initiative helfen kann, um Frauen und Kindern kompetent beizustehen. Gerade in solch schwierigen Situationen geht es nicht nur darum, eine gute medizinische Versorgung zu garantieren, sondern die Gewaltopfer zu erkennen, aufzufangen und für deren Sicherheit zu garantieren. Deshalb ist es mir ein Herzensanliegen, dass das Projekt Erika Schule macht."

Flyer informiert über Projekt Erika
Durch die Unterzeichnung des Vereinbarungsprotokolls zwischen dem Südtiroler Gesundheitsbetrieb, der Landesabteilung Soziales, der Staatspolizei, dem lokalen Kommando der Carabinieri und den Kontaktstellen gegen Gewalt wird garantiert, dass Gewaltopfer schnellstmöglich den Zugang zu den Unterstützungsdiensten erhalten und zudem einen prioritären und direkten Zutritt zu medizinischen Leistungen in eigenen, geschützten Räumlichkeiten erfahren. In eigens organisierten Fortbildungskursen informieren und sensibilisieren die Mitarbeiterinnen der Kontaktstellen gegen Gewalt interessiertes medizinisches und pflegerisches Personal der Notaufnahmen und der gynäkologischen Abteilungen sowie der Ordnungskräfte.
An den 2021 organisierten vier Kursen nahmen insgesamt 81 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil, in den kommenden Jahren soll die Anzahl der Kurse weiter ausgebaut werden. Die Kurse werden vom Sanitätsbetrieb finanziert, zudem unterstützt die Landesabteilung Soziales die vier Kontaktstellen gegen Gewalt für die Abwicklung dieses Angebotes mit 25.000 Euro. Der Sanitätsbetrieb und das Amt für Kinder- und Jugendschutz und Soziale Inklusion haben zudem einen Infoflyer herausgegeben, der künftig in öffentlichen Einrichtungen aufliegen soll. Zudem ist dieser auf den Webseiten des Sanitätsbetriebes abrufbar. Geplant ist weiters, dass im Jahr 2022 weiter am flächendeckenden Ausbau und Absicherung des Netzwerkes in ganz Südtirol weitergearbeitet wird. In den nächsten Tagen folgt zudem eine Pressekonferenz der Frauenorganisation Zonta Bozen, die sich ebenfalls als Unterstützerin des Projektes zu Wort meldet.

Dass die Notwendigkeit zu solchen und ähnlichen Projekten gegeben ist, zeigt (leider) auch ein Blick auf die Zahlen: So wurden im Jahr 2020 insgesamt 619 Frauen von den Kontaktstellen für Gewalt begleitet und unterstützt. In den Frauenhausdiensten und geschützten Wohnungen wurden 72 Frauen und ihre minderjährigen 83 Kinder aufgenommen. Im Vergleich zu 2019 haben sich damit mehr Frauen an einen Beratungsdienst gewendet (2019: 580), allerdings ist die Anzahl der aufgenommenen Opfer in Frauenhäusern oder geschützten Wohnungen rückläufig (2019: 135).


Hier gibt es Hilfe: Telefonnummern der Anlaufstellen

Folgende Grüne Nummern sind rund um die Uhr erreichbar:

Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen und Frauenhaus in Bozen: 800 276 433

Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen und Frauenhaus in Meran: 800 014 008

Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen und Frauenhaus in Brixen: 800 601 330


Telefonische Erreichbarkeit zu festen Zeiten:

Geschützte Wohnungen in Bozen: 800 892 828 (von Mo bis Fr von 8.00 bis 12.30 Uhr und von Mo bis Do von 13.30 bis 17.00 Uhr

Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen und Geschützte Wohnungen in Bruneck: 800 310 303 (Mo bis Fr von 8.30 bis 12.00 Uhr)

ck



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