Traditionelles Kulturgut muss gefördert werden

Traditionelles Kulturgut muss gefördert werden

Bei der Herbsttagung der Sachbearbeiter standen heuer Fragen rund um die grundsätzliche Sinnhaftigkeit von Förderungen im Mittelpunkt

- 460 bearbeitete Beitragsansuchen für die Sanierung und Wiedererrichtung von bäuerlichen Kleindenkmälern (Holzzäune, Schindeldächer, Trockensteinmauern etc.) im Jahr 2019 und rund 1,2 Millionen Euro an Beiträgen: Dies ist die erfreuliche Bilanz, die Verbandsgesch.ftsführer Josef Oberhofer unlängst bei der alljährlichen Herbsttagung der Sachbearbeiter präsentieren konnte. Das Treffen fand heuer im Bersntol (Fersental), in Garait (Gereut), statt. Zuvor besuchten die 15 Sachbearbeiter im Heimatpflegeverband das Bersntoler Kulturinstitut und besichtigten den als Schaumuseum sanierten Filzerhof. Bei der Führung durch das Bersntoler Kulturinstitut und den sanierten Filzerhof entdeckten die Teilnehmer viele Parallelen zwischen den bäuerlichen Kulturen im Fersental und in Südtirol. Was den Sachbearbeitern aber vor allem ins Auge stach war die große Bedeutung der Förderung und Wertschätzung des Kulturerbes durch die öffentliche Hand. Die deutsche Sprachinsel Bersntol hatte auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg einen schweren Stand. Wie von vielen anderen Minderheiten bekannt, wurde auch das Bersentolerische nicht als Bereicherung gesehen, sondern vielfach als Makel, der in einer modernen Welt nur den Fortschritt behinderte. In den Familien wurde die traditionsreiche Sprache immer weniger gesprochen, um dem Nachwuchs durch die bessere Erlernung der Mehrheitssprache – scheinbar – mehr Chancen im Leben zu eröffnen. Das Bersntolerische drohte – zusammen mit dem ganzen zugehörigen Kulturerbe – zu verschwinden. Erst mit der Änderung der öffentlichen Kulturpolitik im Trentino ab Mitte der 1980er Jahre ging es wieder aufwärts. Das Bersntoler Kulturinstitut wurde gegründet und wird seither angemessen gefördert. Dazu gehört auch, dass im Fernsehen Nachrichten auf Bersntolerisch ausgestrahlt werden und eine eigene Zeitschrift herausgegeben wird. Seit einigen Jahren wird Bersntolerisch sogar in den Schulen unterrichtet. Heute sprechen die meisten Bersntoler wieder selbstbewusst ihre Sprache, die in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens fix etabliert ist. Die Geschichte der Bersntoler in den letzten Jahrzehnten macht deutlich wie wichtig die öffentliche Förderung und Wertschätzung für das immaterielle aber vor allem auch das materielle Kulturerbe ist. Aus den Erfahrungen der Bersntoler ließen sich viele Parallelen zu der Förderung der bäuerlichen Kleindenkmäler in Südtirol ziehen, so der Konsens bei der Diskussion in Gareit. Auch bei der Sanierung und Wiedererrichtung von Holzzäunen, Schindeldächern, Trockensteinmauern etc. geht es nicht um kosmetische Eingriffe für eine touristische Scheinwelt, sondern um eine selbstbewusst gelebte Kultur. Eine moderne Gesellschaft profitiert mehr von der Förderung traditioneller Kulturtechniken, als durch kurzfristig gedachte Rationalisierung. Die kapillare Förderung von bäuerlichen Kleindenkmälern in ganz Südtirol ist deshalb ein erfolgreicher Gegenentwurf zur Musealisierung von längst nicht mehr gelebter Kultur in wenigen Beispielgebieten.

Landesobfrau Dr. Claudia Plaikner, die am diesjährigen Treffen teilgenommen hat, dankte den Sachbearbeitern für ihre wertvolle Tätigkeit zur Erhaltung und Aufwertung des traditionellen Landschaftsbildes und der Landesverwaltung, insbesondere der Abteilung Raum und Landschaft für die gute Zusammenarbeit und betonte abschließend, dass es ihr ein großes Anliegen ist, mit dieser Aktion keine Landschaftskosmetik betreiben zu wollen, sondern eine Tradition zu pflegen und weiterzuführen. Dies soll selbstverständlich im Einvernehmen mit den Menschen geschehen, die die Objekte pflegen und erhalten. 

Heimatpflegeverband Südtirol

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