Daniel Jung trainiert derzeit vor allem im heimischen Garten.
Die Wohnung wird zur Turnhalle.

Ein Extremsportler im „Home-Office“ 

Der Naturnser Ultra-Trail-Läufer Daniel Jung musste aufgrund der Coronavirus-Krise die Berge mit Wohnung und Garten eintauschen. 

Publiziert in 14/15 / 2020 - Erschienen am 21. April 2020

NATURNS - Was tut jemand wie Daniel Jung, der in den Bergen und auf den Trails dieser Welt daheim ist, in Zeiten der Coronavirus-Krise? „Man muss improvisieren. Auch daheim kann man gut trainieren und sich fit halten“, erklärt der 35-Jährige im Telefon-Gespräch mit dem der Vinschger. Wie für die meisten Südtiroler Sportler steht für ihn „Home-Office“ oder besser gesagt „Home-Training“ auf dem Programm. Der eigene Garten wird zum herausfordernden Parcour, die eigene Wohnung bildet die „Arena“ für verschiedene Übungen, „rund ums Haus“, oder besser gesagt in unmittelbarer Nähe des eigenen Hauses steht die eine oder andere Laufeinheit auf dem Programm. In den letzten Tagen war zudem erstmals auch wieder etwas Training in den nahegelegenen Wäldern sowie auf den Trails in nächster Umgebung möglich.
Normalerweise misst sich Daniel Jung unter anderem in der „Ultra-Trail World Tour“, einer Art Weltcup für Extrem-Bergläufer, mit den Weltbesten in dieser Lauf-Disziplin. Bereits im April hätte seine Weltcup-Saison beginnen sollen. „Daraus wurde natürlich nichts. Schade, aber vielleicht geht es ab August wieder los“, so Jung. Für ihn persönlich sei der Start der Wettkampfsaison momentan aber ohnehin zweitrangig, habe er schließlich bereits einige neue Projekte geplant. 

„Ötzi Trailrun Naturns“ für Oktober geplant  

Eines seiner Projekte, sein erstes „eigenes“ Rennen, der für Ende März geplante „Ötzi Trailrun Naturns“ musste aufgrund der Coronavirus-Krise jedoch abgesagt bzw. verschoben werden. Das Trail-Rennen am Naturnser Sonnenberg hätte seine Premiere gefeiert und ist in dieser Form im Vinschgau einzigartig. Organisiert wird das Rennen von Jung in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer vom Tourismusverein Naturns, Uli Stampfer. „Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben“, hofft Daniel Jung. Die Veranstalter möchten das Rennen im Herbst über die Bühne bringen. „Anfang Oktober etwa wäre ein optimaler Zeitpunkt“, blickt Jung voraus. Er habe immer schon sein eigenes Rennen auf die Beine stellen wollen. Die Streckenführung am Sonnenberg wählte er selbst aus. „Es wird spannend, der Lauf wird den Athleten alles abverlangen“, so Jung. Schon jetzt haben sich einige weltklasse Trail-Läufer für das Rennen angekündigt. 

Topfit in die neue Saison 

Wenn die Saison irgendwann losgeht, will Jung jedenfalls topfit sein. Momentan steht vor allem Gymnastik-Training in den eigenen vier Wänden oder im Garten auf dem Programm. Aber auch Krafttraining kommt beim Ultra-Langstreckenläufer nicht zu kurz, zudem trainiere er viel auf dem Heimrad. Intervall-Training etwa sei sehr nützlich. Parcour-Übungen, Sprungübungen und dergleichen gehören ebenfalls zum regelmäßigen Programm. Seine Laufrunden dreht er in unmittelbarer Nähe der eigenen Wohnung, wo keine Menschen anzutreffen sind. Jung setzt auf mehrere Trainingseinheiten wöchentlich, bzw. trainiert fast täglich. „Nach so vielen Wochen der Heim-Isolation und der Ausgangsbeschränkungen muss man schon sagen, dass es natürlich nicht dasselbe ist. Ich vermisse die Natur und die Berge und auch das gesellschaftliche Leben“, betont Jung. Er habe Verständnis für die Verhaltensregeln, aber es werde immer schwieriger für die Bürger. 

Motivation riesig 

Die Motivation sei jedenfalls schon jetzt „riesig“. „Ich kann es kaum erwarten, bis die Krise durchgestanden ist und die Menschen wieder komplett raus können“, so der Naturnser. Dann wolle er wieder das Training in der heimischen Bergwelt genießen und sich mit den besten Trail-Läufern der Welt in aller Herren Länder messen. Bis es soweit ist, ist jedoch auch für den Vollblutsportler weiterhin das „Home-Office“ angesagt. 

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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