Anfang Juni: Befreiender Trainingsbeginn im Kraftraum des Oberschulzentrums mit Trainerin Monika Müller (links)
Luca Zhou, Judith Mair und Kevin Strobl (v.l.) beim Nationalcamp in Bagheria (Sizilien) vom 5. bis 12. Juli 2020.
Die Zwillingsschwestern Luo waren 2016 die Nummer 1 der Weltrangliste Damendoppel.

Mitten in der Pandemie

Corona schrieb Sport-Geschichten im Oberen Vinschgau

Publiziert in 26 / 2020 - Erschienen am 30. Juli 2020

Mals - Plötzlich stand die Sportart Badminton mitten in der Pandemie. Sie lag zwischen zwei „Hotspots“, zwei heißen Stellen der weltweiten Covid-19-Seuche. Italiens Badminton-Nabel Mailand in der Lombardei war plötzlich der größte, europäische Seuchenherd. Zum Welt-Seuchenherd Nummer 1, China, mit seinen vielen Weltklasse-Spielern, pflegte und pflegt der Badminton-Verband traditionell enge Kontakte. Enge Kontakte nach Mailand und China geknüpft hat auch die Sektion Badminton des ASV Mals. Mehrere Leistungsträger leben, studieren und spielen in Mailand. Zwei weitere Mitglieder des ASV Mal mit chinesischen Eltern und italienischem Pass hatten längst Mals in ihr Herz geschlossen. Das Brüderpaar Tonni (22) und Luca Zhou (16) pendelt zwischen China, Mailand und ihrer „zweiten Heimat“ Mals hin und her. 

Gefangene des Virus

Dann kam der 29. Februar. In Mals hatte man frisch, froh und friedlich das territoriale Training „Vola in Azzurro“ durchgeführt. Tonni und Luca Zhou, die weltbesten Doppelspielerinnen, die Zwillingsschwestern Ying Luo und Yu Luo standen neben Lukas Osele, Sonia Dante und Norbert Spornberger dem „Head Coach“ Henri Vervoort zur Seite. Als bekannt wurde, dass schon vorher dieselben Veranstaltungen in Ligurien, Piemont und Lombardei wegen des Corona-Virus abgesagt worden waren, ging es Schlag auf Schlag. Noch vor dem 8. März gelang es Yu Lou, einen Flug nach China zu ergattern. Dann wurden auch in Südtirol die Rollläden geschlossen. Der seit Jänner in Mals wohnende Tonni musste mit Freundin Ying die Quarantäne im Oberen Vinschgau verbringen. Alle Flüge nach China waren abgesagt, „gekänselt“, wie man so sagt. Inzwischen war auch das Zentrum in Mailand geschlossen worden. Der jüngere Zhou kam nicht mehr aus der Lombardei heraus. Ihm blieb nichts anderes übrig, als bei einem Zentrumskollegen und dessen Familie in Chiari, Provinz Brescia, Unterschlupf zu suchen. Sozusagen im Antlitz des Schreckens: Auch aus seiner Gastfamilie fielen Angehörige dem Virus zum Opfer. Mehr Glück hatten die anderen National-Spieler aus Mals. Kevin Strobl und Judith Mair konnten rechtzeitig zu ihren Familien in den Vinschgau flüchten. 

Großes Entgegenkommen

Natürlich legte man in der Sektionleitung Badminton nicht die Hände in den Schoß. Es gab digitale Mittel und Wege, mit allen Trainingsgruppen Kontakt zu halten. Durch kleine Trainingseinheiten, kurzen Videos und verschiedenen, lustigen Versuchen hielt man die Stimmung hoch und die Jugend in Form. Das Distanz-Spiel Badminton kam dann auch in den Genuss der ersten Lockerungen. Roy Mulder, im letzten Jahr Assistenz-Trainer in Mals, nutzte sofort die Reisefreiheit, wurde getestet und kam aus Holland wieder nach Mals. Die Malser Nationalspieler  Luca Zhou, Mair und Strobl wurden ebenfalls einem Corona-Test unterzogen, bevor sie mit der Mannschaft ein Trainingslager in Sizilien bezogen haben. Trainingslager vorgesehen seien auch für fünf Malser Nachwuchsspieler*innen „von nationalem Interesse“, kündigte Koordinatorin Claudia Nista an. Als Vizepräsidentin der „Federazione Italiana Badminton“ gehörte sie zur „Eingreiftruppe“, die sich den Kopf zerbrochen habe, erzählte sie, wie man Spieler wieder möglichst schnell zum Spielen bringen könne, ohne gegen Abstands- und Desinfektionsregeln zu verstoßen. Die Gemeinde und der Schulsprengel Mals kamen entgegen, unterstützten und belohnten die Bemühungen. Sportplatz und Halle wurden zur Verfügung gestellt. „Das konnte nur funktionieren, weil es in Mals so viele nette Leute gibt“, war Nista überzeugt. 

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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