Weltmeisterliche Tipps aus dem Vinschgau: Edmund Telser mit Eva Lechner 2011 in Champéry.
10. Oktober 2020: Vize-Weltmeisterin im Sprint.
3. September 2011: Eva Lechner fährt zu WM-Bronze.

Typisch Eva

Radprofi Eva Lechner wird Vize-Weltmeisterin: ein Portrait aus Vinschger Perspektive

Publiziert in 36 / 2020 - Erschienen am 20. Oktober 2020

Vinschgau - Eva Lechner ist seit dem 10. Oktober 2020 Vizeweltmeisterin auf dem Mountainbike. In der olympischen Disziplin Cross Country. Neun Jahre zuvor war sie bereits WM-Dritte. Im schweizerischen Champéry. Dazwischen liegt ein knappes Jahrzehnt mit vielen Höhen und Tiefen. Ein persönlicher Rückblick von Josef Bernhart.

Überglücklich

„Wahnsinn“, stammelt eine überglückliche Eva Lechner im Ziel. Am Boden liegend mit Freudentränen. Typisch Eva. Sternzeichen Krebs. Tierliebend. Bodenständig. Heimatverbunden. Eva Lechner hat schon viel erlebt in ihrer langen Karriere. Ob sie sich an alle Siege und Medaillen erinnern kann, habe ich sie einmal gefragt. Allein dreißig Italienmeistertitel hat die Südtirolerin aus Eppan an der Weinstraße in ihrer langen Karriere auf dem Rennrad, Mountainbike und im Radcross eingefahren. Zuletzt gewann sie am 19. September 2020 erneut die nationalen MTB-Meisterschaften. Mit zwei Minuten Vorsprung vor Martina Berta.

Entdeckt von „Edi“ Telser

Eva Lechner, Jahrgang 1985, stammt aus einer sportbegeisterten Familie. Radsport war schon immer ein Thema. Daheim den Giro d’Italia verfolgt. Erste Rennen im heimischen Biketeam gefahren und gleich gewonnen. Entdeckt und gefördert von Edmund „Edi“ Telser aus Prad am Stilfserjoch. In den Reihen des Colnago-Teams unter Erminio Bolgiani langsam an die Weltelite herangeführt. Der Durchbruch mit WM-Bronze im Einzelrennen 2011 in Champéry in der Schweiz. Souverän die russische Ausnahmeathletin Irina Kalentieva in Schach gehalten. Solider Triumpf mit alleiniger Zieleinfahrt. Zeit zum Genießen. Mit Siegerpose für die versammelte Sportpresse.

Vielseitig

 Die große Karriere scheint vorprogrammiert. Eva Lechner ist vielseitig. Nicht nur auf dem Mountainbike, sondern ebenso im Radcross gibt es große Erfolge. Der wohl größte 2014 im niederländischen Hoogerheide mit WM-Silber. Ein Titel, der in der Szene Gold wert ist. In den Niederlanden und in Belgien bedeutet Radcross Volksfest. Zehntausende Fans an den Strecken, alle Rennen live im TV. Wohl auch deshalb kommt das Angebot aus Übersee. Für ein US-Team soll Eva Lechner die ganz großen Rennen fahren und gewinnen. Was verheißungsvoll klingt, bleibt bescheiden. Eva Lechner erinnert sich: die Organisation hinter den Kulissen konnte mit dem Image nach außen nicht mithalten. Am Ende stehen Chaos und Enttäuschung.

Neustart

Zurück in der Heimat versucht Eva Lechner den Neustart. Jahre vor Corona. Kleinere Teams bringen wieder Sicherheit. Und ein Gefühl der Geborgenheit. Das ist es, was Eva Lechner braucht. So wie damals im Colnago-Team. Mit einem Team-Manager Edi Telser an der Seite und einer Vaterfigur wie Erminio Bolgiani, der tragischerweise bei einer Ausfahrt auf dem Rad tödlich verunglückt ist. Heute, sagt Eva Lechner, weiß ich, wie wichtig ein solches Umfeld für den Erfolg ist. Klein, aber fein, Professionalität mit viel Herz.

Wenn sie vorne dabei ist, …

Edmund Telser ist heute Schweizer Nationalcoach der Radsportlerinnen. Eva Lechner fährt inzwischen für ein italienisch geführtes Werksteam auf chinesischen Rädern. Der Vize-Weltmeistertitel im salzburgischen Leogang ist für Eva Lechner die Krönung einer langen Karriere. Edmund Telser bringt es auf den Punkt: Typisch Eva, wenn sie vorne dabei ist, schafft sie den Knüller. Das hat sie wieder gezeigt. Einfach Weltklasse.

Redaktion

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