Steve Trenkwalder redet Klartext.

„Umdenken ist nötig“ 

Spielergehälter im Amateurbereich sind keine Seltenheit. Steve Trenkwalder, Präsident des ASV Morter, kritisiert dies scharf. 

Publiziert in 18-19 / 2020 - Erschienen am 21. Mai 2020

MORTER - „Wir können uns das im Amateurfußball nicht länger leisten. Ein Umdenken ist nötig“. Steve Trenkwalder, der Präsident des ASV Morter, findet deutliche Worte, wenn es um die Spielergehälter im Amateurbereich geht. Sein Team führt zwar die Tabelle der 3. Amateurliga an und darf sogar auf den Aufstieg hoffen, hinsichtlich der Planungen für die kommende Saison wird Trenkwalder aber sauer.

Teils hohe Jahresgehälter 

„Spieler werden innerhalb des Vinschgaus abgeworben. Es kann nicht sein, dass in den Amateurligen Gehälter von mehreren tausend Euro an Spieler bezahlt werden“, schimpft Trenkwalder. In Fachkreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass einzelne Kicker Jahresgehälter von bis zu 5.000 Euro und mehr beziehen. Vor allem Spieler, die ihrem Heimatverein den Rücken kehren und ihr Glück in Nachbargemeinden suchen. „Benzingeld“ nennt sich dies dann. Ein Zustand, den neben Trenkwalder auch viele weitere Vinschger Fußballfunktionäre kritisieren. Trenkwalder selbst habe und werde auch künftig nie für Spieler bezahlen. „Viele Vereine vergessen, dass Sponsorengelder und Beiträge der öffentlichen Hand zur Förderung der Jugend und für die Trainerausbildung vorgesehen wären“, erklärt der Präsident. 

„Das ist doch ein Witz“ 

Derzeit sei die Lage so, dass ein Spieler bis zum Alter von 25 Jahren dem Verein, bei dem er seit seiner Jugend ausgebildet wurde, rein sportlich „gehört“. Im Rahmen von Spielgemeinschaften können junge Spieler, die das Potential und den Willen haben, entweder für höherklassige Vereine innerhalb der Gemeinschaft spielen, oder eben einige Ligen tiefer, um wertvolle Einsatzzeiten zu erhalten und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Auch wenn andere höherklassige Vereine, die nicht der jeweiligen Spielgemeinschaft angehören, bei jungen Spielern anklopfen, sei man „gewillt zu reden“, präzisiert Trenkwalder.

Spieler werden „weggelockt“ 

Jedoch würden vermehrt junge Spieler „weggelockt“. „Ein großes Problem im heimischen Fußball“, kritisiert Trenkwalder. Es könne nicht sein, dass „Vereine hinten rum mit Spielern verhandeln“. Dann heiße es nicht selten „entweder ich darf wechseln, oder ich höre mit dem Sport auf“, weiß Trenkwalder. Ab 25 Jahren sei der Spieler ohnehin frei. „Und seit einigen Jahren ist es zu beobachten, dass ab diesem Alter vermehrt Spieler den Verein verlassen, etwa um in tieferen Ligen einige Euros abzugreifen. Das ist doch ein Witz“, findet der Morterer Präsident deutliche Worte. 

„Nachhaltig denken und gesund wirtschaften“

Vor allem in Zeiten der Coronavirus-Krise sei dieses „System“ nicht mehr nachvollziehbar. „Nachhaltig denken und gesund wirtschaften“ laute nun die Devise. „Niemand weiß wie es weitergeht“, so Trenkwalder. In welcher Liga sein Team im kommenden Jahr spielt ist ebenfalls ungewiss. Noch ist unklar ob die Saison beendet wird und welche Kriterien im Falle eines Abbruchs für den Aufstieg gelten. Bedanken möchte sich Trenkwalder vor allem in Zeiten wie diesen bei den Sponsoren und den vielen Fans die dem Verein stets die Treue halten. „Ohne die Sponsoren wäre unsere Vereinsarbeit nicht möglich. Viele Sponsoren unterstützen uns bereits seit Jahren. Es ist verständlich, dass einige aufgrund der derzeitigen Krise in Schwierigkeiten gekommen sind und die Vereine nicht mehr in diesem Ausmaß unterstützen können wie gewohnt“, so Trenkwalder.

Weichen für die kommende Saison 

Dem Saisonfinale trauern Spieler und Funktionäre in Morter hinterher. „Es wäre ein schönes Saisonende geworden, der Kampf um die Meisterschaft zog zahlreiche Zuschauer an. Die Stimmung war prächtig“, so der Morterer Präsident. Mit Zuschauern bei Spielen dürfte ohnehin für eine Weile nicht mehr zu rechnen sein. Aber so oder so, schon jetzt stellt man in Morter die Weichen für die kommende Saison. Ob es dann die 2. Amateurliga oder ein weiteres Jahr 3. Liga wird, eines weiß Trenkwalder schon jetzt: „Wir haben eine schlagkräftige und motivierte Truppe. Auch dank der Spielgemeinschaft mit Latsch, Goldrain, Martell und Kastelbell. Und ohne auswärtige Spieler, die des Geldes wegen kommen“. 

Michael Andres
Michael Andres

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