Workshop an der Sportoberschule mit Komplementärmediziner Christian Thuile, Koordinator für Wintersport Roland Brenner und Sportpsychologin Heike Torggler (v.l.)
Gegen Übertraining könne man auch auf alternative Sportarten zurückgreifen, meinte Doktor Thuile

Und doch geht‘s um Leistung

Die Sportoberschule besinnt sich auf Erholung und Regeneration

Publiziert in 33 / 2019 - Erschienen am 1. Oktober 2019

Mals - Geladen waren sie alle, Trainerinnen und Trainer sogar verpflichtet. Schüler, Eltern, Lehrpersonen und Vereinsfunktionäre hatten ebenfalls Zugang zum „Workshop mit Christian Thuile“. Direktor Werner  Oberthaler kündigte ein komplexes Thema an: „Effektives Erholungsmanagement und sportspezifische Ernährung, Optimierung der Regeneration, Früherkennung, Behandlung von Übertraining“. Der Anstoß zum Informationsnachmittag sei vom Führungsteam ausgegangen. Den Kontakt zum Ganzheitsmediziner Thuile habe man der Sportpsychologin Heike Torggler zu verdanken, erklärte Direktor Oberthaler. Moderiert wurde die Veranstaltung von Wintersportkoordinator Roland Brenner. In ihrer Einführung verglich Torggler Leistung mit einer Torte aus Spaß, Bewegung, Training und den Erfolg als Kerze obendrauf. Referent Thuile bemühte sich um verständliches Entflechten der umfassenden Materie und fragte in den Saal: „Warum werdet ihr an dieser Top-Schule nicht alle Weltmeister oder Olympiasieger?“ Die Frage wurde nur indirekt mit der Erklärung der Begriffe Übertraining, Burnout und Regeneration beantwortet. 10 Merkmale von Muskelschmerz bis veränderten Menstruationszyklus führte der Mediziner als typische Symptome von Übertraining an. Thuile zeigte sich überzeugt: „Die Erholungsphase ist mindestens so wichtig wie die Bewegungs-
phase.“ Ausführlich zur Sprache kam das Epstein Barr Virus als Erreger des Pfeiffer‘sches Drüsenfiebers, auch „Kuss-Fieber“ genannt. Es könne zum Karriereende führen, wenn man es unterschätzt und nicht heilt, meinte Thuile. Aus dem Trainerstab kam die Frage, was man präventiv gegen den Virus tun könne und ob es denn keine Impfmöglichkeit dagegen gäbe. Daran werde gearbeitet, lautete die Antwort. 

Auffüllen bei Übertraining

Eine Optimierung der Regeneration könne nur erfolgen, wenn vier Prozesse ablaufen: Der Glykogen-Speicher müsse aufgefüllt, die Muskeln behandelt, das Immunsystem gestärkt und Flüssigkeit aufgenommen werden. Diese 4 „RE-Plenish“-Verfahren untermauerte Thuile mit konkreten Mengenangaben über Kohlenhydrate, Eiweiße und Antioxidantien (u.a. Obst und Gemüse) und empfahl eine langsame Zufuhr von Flüssigkeiten. Konkrete Hinweise gab es zum Auslaufen, das keine Regeneration sei, und zur Sauna, die man meiden soll. Die Regeneration durch ungestörten Schlaf sei sehr ernst zu nehmen. Bei Verkühlung oder Krankheit sei auf ein Training zu verzichten. Thuile ging auf die verschiedenen Arten von Zucker ein und gab Ratschläge zum Zeitpunkt der letzten Mahlzeit vor verschiedenen Wettkämpfen. Von Alkohol bis tierisches Eiweiß reichte die Verbotsliste für Sportler in der Regenerationsphase. Zur Ernährung gab es interessante Fragen aus dem Publikum. Über die Bedeutung von vegetarischer und veganer Ernährung, zur Ernährung der Langläufer, über die Rolle von Weizenprodukten, über die der Naturheilkunde insgesamt. Zu Nahrungsergänzungsmitteln meinte Christian Thuile, es werde zu viel geschluckt im Vergleich zu dem, was man tue.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
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