Henri Vervoort

„Zuerst mit einem weinenden Auge …“

Henri Vervoort verlässt Mals und wird Nationaltrainer in den Niederlanden 

Publiziert in 9-10 / 2021 - Erschienen am 18. März 2021

Mals - Der bisherige Haupttrainer des ASV Badminton Mals, Henri Vervoort, hat nach fast sechs Jahren Mals verlassen. Er bekam das Angebot in seinem Heimatland, den Niederlanden, Nationaltrainer zu werden. der Vinschger hat mit ihm ein Gespräch geführt, rückblickend und vorausschauend.

der Vinschger: Henri, kam dieses Angebot überraschend für Sie?

Henri Vervoort: Ja, ganz überraschend. Aber es ist DAS Angebot. Ich bin nun 43 Jahre alt, da musste ich mich entscheiden. Ich habe überlegt, klar, und zugesagt.

Welches waren die Beweggründe?

Das ist die Krönung für einen Trainer, Nationaltrainer zu werden. Ich hätte diesen Job auch gerne in Italien angenommen, aber das Angebot kam von den Niederlanden.

Bei uns sagt man, man verlässt etwas Liebgewonnenes mit einem lachenden und einem weinenden Auge…

Für mich jetzt erstmals mit einem weinenden Auge… Ich gehe ja nicht gerne weg von Mals.

Warum nicht?

Ich habe mich hier immer wohl gefühlt als Haupttrainer beim Verein und als Trainer beim Badminton-Projekt der Sportoberschule von Mals. Ich war seit 2003 in Italien unterwegs, besonders in Acqui Terme, und dann kam Mals. In Italien und dann auch hier gab es damals ganz andere Trainingsbedingungen als in den Niederlanden. Das war für mich der reine Glücksfall. Immerhin spiele ich Badminton, seit ich zehn Jahre alt bin. Der Verein in Mals ist eine Familie, also es zählen viele menschliche Werte, nicht nur sportliche Spitzenleistungen. Das war für mich immer wichtig. Natürlich habe ich mich auch über die großen sportlichen Erfolge in den vergangenen fünf Jahren sehr gefreut! Eigentlich könnte ich Geschichte an einer Universität in den Niederlanden unterrichten, aber ich arbeite mit meinem Lieblingssport auch mit jungen Leuten zusammen, aber auf eine ganz andere Weise. Und als Trainer bist du in einem gewissen Sinne Lehrer, Mentalcoach und manchmal auch „Seelentröster“. Das gehört alles dazu.

Wie wurden Sie in Mals aufgenommen?

Ich wurde hier in Mals sofort gut aufgenommen und habe einen toporganisierten Verein vorgefunden. Und inzwischen sind wir alle Freunde geworden, besonders Claudia und Hannes, aber auch Stef und Johanna*. Da ist es sehr schwierig, Abschied zu nehmen. Ich mag auch nicht Abschiede. Zudem leben wir in einer noch nie dagewesenen Ausnahmesituation mit Corona. Vielleicht kann ich im Sommer eine kleine Feier organisieren, wer weiß …

Das bedeutet, Sie werden den Faden mit Mals noch nicht ganz abreißen?

Nein, auf keinen Fall. Meine Partnerin Elena bleibt sowieso noch hier, da sie in der Mittelschule in St. Valentin Italienisch unterrichtet. So werde ich zumindest bis Juni versuchen, öfters nach Mals zu kommen. 

Was erwartet Sie in den Niederlanden?

Das weiß ich noch nicht ganz genau, ich muss mich erst einmal einarbeiten, dann werde ich mehr wissen. Die Niederlande sind immerhin im Profibereich des Badmintons in der Serie A. Es wird herausfordernd für mich werden, das weiß ich.

Noch eine kuriose Frage: Sie ernähren sich vegan: Mode oder Überzeugung?

Aus Überzeugung, auf alle Fälle. Wie soll ich das erklären? Ich will, dass mir keine Schmerzen zugefügt werden, dann will ich anderen, zum Beispiel Tieren, auch keine Schmerzen zufügen. Deshalb gibt es gute Alternativen zu Fleisch, Fisch, Eier, Milch usw.

Was möchten Sie rückblickend und abschließend noch sagen?

Wir verstehen oft nicht, wie cool es ist, in Mals zu leben und zu wirken, so viele Freiheiten zu genießen. Das habe ich immer sehr geschätzt. Das wird mir auch fehlen. Dem ASV Badminton Mals und dem Schulprojekt Badminton wünsche ich noch ganz viele und große Erfolge! Und meinem Nachfolger Roy Mulder eine gute Hand und viel Geschick!

*Claudia Nista, Hannes Mair, Stefan De March und Johanna Horrer (alles Ausschussmitglieder des ASV Badminton Mals mit unterschiedlichen Funktionen). Claudia Nista ist zudem Vizepräsidentin der Fi.Ba (Federazione Italiana Badminton). 

Daniela di Pilla
Daniela di Pilla

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