Paul Tappeiner mit Katia Bettin, Miss Südtirol 2020, anlässlich der Vorstellung und Auslosung des 59. Turniers der Regionen am 13. Dezember 2019 im Puccini-Theater in Meran. Das 59. Turnier der Regionen hätte heuer vom 24. April bis zum 1. Mai in Südtirol stattfinden sollen, ist aber auch der Covid-19-Pandemie zum Opfer gefallen.

Zwingt die Corona-Krise die Sportvereine in die Knie?

Interview mit Paul Tappeiner

Publiziert in 23/24 / 2020 - Erschienen am 16. Juli 2020

Vinschgau -  Abgebrochene Fußballmeisterschaften, geschlossene Trainingsstätten, fehlender Kontakt zu Trainern und Kollegen/innen: Die Corona-Krise hat den Sportalltag für Spitzenathleten und Freizeitsportler auf den Kopf gestellt. Dazu ein Gespräch mit Paul Tappeiner, dem Präsidenten des autonomen Fußballkomitees.

der Vinschger: Herr Tappeiner, brachte die Corona-Krise finanzielle Probleme für die Sportvereine mit sich?

Paul Tappeiner: Italienweit wird sich diese Krise stärker auswirken und die Anzahl der Vereine auf Staatsebene wohl um ca. 30 Prozent schrumpfen lassen. In Südtirol haben wir eine ganz andere Vereinsstruktur. Unsere Sportvereine sind in den Dörfern und Gesellschaften gut integriert. Am ehesten könnten die Vereine in den Städten gefährdet sein. Mir ist bis heute aber nicht bekannt, dass Vereine in unserer Provinz wegen Covid-19 größere finanzielle Probleme haben. 

Weniger Geld und weniger Sponsoren, das wird nicht einfach?

Die Amateursportvereine werden vom Land, den Gemeinden und Banken finanziell unterstützt. Doch diese Zuwendungen reichen in den meisten Fällen nicht aus, auch weil 2020 die Einnahmen aus den eigenen Veranstaltungen fehlen. Eng wird es besonders für Vereine, die nicht mehr auf finanzstarke Geldgeber zurückgreifen können bzw. deren Sponsoren aufgrund der Corona-Krise selbst in Geldnöten stecken. 

Fußballmeisterschaft 2020/21: welche Unterstützung können die Vereine vom autonomen Fußballkomitee erwarten?

Für die Vereine gibt es bei den Einschreibungen (ab 23. Juli) je nach Kategorie, einen Beitrag, welcher dann von der tatsächlichen Einschreibegebühr abgezogen wird. 

Bleibt es bei den angekündigten Terminen für den Beginn der Meisterschaften?

Ich hoffe schon, dass wir zu den nun offiziellen Terminen in die Meisterschaften starten können. Für die Oberliga, Landesliga, 1. und 2. Amateurliga erfolgt der Anpfiff am Samstag oder Sonntag, 5. oder 6. September 2020. Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Corona-Pandemie stabilisiert. Es kann aber durchaus sein, dass für die Zuschauer dann noch Maskenpflicht besteht. 

Gibt es durch den coronabedingten Nichtabstieg am nächsten Saisonende (2020/21) mehr Absteiger?

Eine endgültige Aussage dazu ist erst nach dem Ablauf der Anmeldefrist möglich. Aller Voraussicht nach werden vor der neuen Spielzeit zwecks Angleichung der jeweiligen Kreise einige Vereine mittels „ripescaggio“ in die nächst höheren Kategorien gehievt. In diesem Fall wird es Ende 2020/21 etwas mehr Absteiger geben, weil man die bisherige Anzahl an Mannschaften in den einzelnen Kategorien beibehalten will. 

Wie wird sich der Amateurfußball nach der Corona-Krise präsentieren?

Ich glaube, dass der Amateurfußball nach der Corona-Krise wieder mit demselben Enthusiasmus die Tätigkeit aufnehmen wird wie üblich. Die lange Abstinenz vom Fußball wird bei den Fußballspielern, Trainern und Vereinsfunktionären wieder neue Motivationen mobilisieren, deshalb blicke ich der neuen Saison 2020/21 mit ruhigem Gewissen entgegen. In Zukunft wird man jedoch zwangsweise auf den Jugendfußball setzen. Vereine, die eine gute Jugendförderung haben, werden in den nächsten Jahren erfolgreicher und daher besser aufgestellt sein. So gesehen, ist die Corona-Krise auch eine neue Chance für die Sportvereine.

Oskar Telfser
Oskar Telfser

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