Standespräsident Corsin Farrer bei seinem Vortrag.

Gutes Betriebsergebnis der Sportanlagen Val Müstair

Publiziert in 44 / 2008 - Erschienen am 11. Dezember 2008
Val Müstair – Die Sportanlagen Val Müstair, die am 29. November zu ihrer 32. ordentlichen Generalversammlung eingeladen haben, blicken auf eine gute Wintersaison 2007/08 zurück. Die Frequenzen und damit auch die Einnahmen sind merklich gestiegen. Trotzdem reicht das Betriebsergebnis mit einem Überschuss von 58.629 Schweizer Franken (Fr.) nicht, um das längerfristige Überleben des Skigebietes zu sichern. Dank der guten Schnee- und den recht guten Wetterverhältnissen im Gebiet des Ofenpasses konnten die Frequenzen im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent gesteigert werden. Sogar um 36 Prozent sind die Einnahmen aus dem Verkauf der Billette und der Abonnements gestiegen. Dazu kommen die höheren Erträge, die das Bergrestaurant und die Bar im Skigebiet erwirtschaften konnten. Es ist dies das drittbeste Betriebsergebnis seit dem Bestehen der Sportanlagen. Bei Erträgen von 566.237 Fr. und einem Aufwand von 507.608 Fr. schliesst die Jahresrechnung mit einem Überschuss von 58.629 Fr.. Im Sommer konnten auch verschiedene Unterhaltsarbeiten ausgeführt werden, zum Teil auch mit Freiwilligen. Trotz dieses guten Betriebsergebnisses bleibt dem Verwaltungsrat unter dem Präsidium des früheren Gemeindepräsidenten von Sta. Maria, Vito Stupan, keine Zeit zum Ausruhen. Die erwirtschafteten Mittel reichen gerade, um den Betrieb und die dringendsten Unterhaltsarbeiten auszuführen. Nach wie vor fehlen aber die Finanzen, um das Skigebiet zu modernisieren und auszubauen. Gemäss einer Expertise des europaweit bekannten Experten Riet Theus sind dazu über zehn Millionen Franken (umgerechnet ca. 6,527 Millionen Euro) notwendig. Darin inbegriffen wäre der Bau einer Seilbahn von Tschierv hinauf zum Skigebiet von Minschuns. Gewisse Hoffnungen ergeben sich aus der Gemeindefusion im Val Müstair, die am 1. Januar 2009 realisiert wird. Ob diese sich erfüllen werden, steht aber zum jetzigen Zeitpunkt absolut in den Sternen geschrieben. Dasselbe gilt für mögliche Investoren, die bereit sind, die Millionen a-fonds-perdu vorzustrecken. Unbestritten ist aber, dass die Sportanlagen Val Müstair ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Tourismus im Tal sind. Die Betriebseröffnung für die bestehende Wintersaison ist auf das Wochenende vom 20./21. Dezember angesetzt. Sollten es aber die Verhältnisse erlauben, was im Hinblick auf die intensiven Schneefälle der letzten Tage der Fall sein sollte, werden die Skilifte auf Minschuns schon am Wochenende vom 13./14. Dezember im Betrieb sein. Es ist üblich, dass anschliessend an die Generalversammlung der Sportanlagen Val Müstair ein bekannter Politiker oder Wirtschaftsfachmann über ein aktuelles Thema spricht. Diesmal war es der aktive Landwirt Corsin Farrer aus Stierva in Mittelbünden, der in diesem Jahr das Parlament des Kantons Graubünden, den Grossrat - analog dem Landtag im Südtirol - präsidiert. Er sprach über das für die Schweiz und insbesondere für die Schweizer Landwirtschaft sehr wichtige Thema „Öffnung der Weltmärkte“. „Öffnung der Weltmärkte“ Bekanntlich verhandelt seit kurzem die Schweiz mit der EU über ein Abkommen, das die Grenzen für landwirtschaftliche Produkte öffnen soll. Der Bundesrat, die Schweizer Regierung, hat erkannt, dass ein solches Abkommen für das Land von großer Bedeutung ist. Die Gefahr besteht nämlich, dass irgendwann in den nächsten Jahren die sogenannten WTO-Verhandlungen in Genf erfolgreich abgeschlossen werden könnten und die Schweiz dann sehr alleine und mit verheerenden Folgen dastehen würde. Ein Abkommen mit der EU hätte zur Folge, dass das Kostenniveau in der Schweiz um etwa ein Viertel gesenkt würde, aber auch dass die Einkommen der Schweizer Landwirte von etwa 2.4 Milliarden auf 1.6 Milliarden Franken fallen würden. Vorläufig hat der Bundesrat die Bereitschaft signalisiert, die Hälfte davon aus der Staatskasse zu begleichen. Jeder weiss aber, dass es am Schluss mehr sein würde. Trotzdem und obwohl grosser Handlungsbedarf besteht, hat der Schweizer Bauernverband bereits seine kompromisslose Opposition gegen ein solches Abkommen angekündigt. Corsin Farrer als fortschrittlicher, junger Landwirt sieht die Sache anders. Für ihn ist es wichtig, dass ein Abkommen mit der EU erzielt werden kann. Er ist überzeugt, dass die Schweizer Bauern auch auf einem geöf­fneten europäischen Markt mit „Schweizer Spezialitäten“ ihre Trümpfe hätten. Auf die Frage, warum sich der Bauernverband gegen jede Öffnung nach außen wehre, auch wenn diese rationell zu begründen sei, antwortet Farrer mit der treffenden Bemerkung, der Bauernverband werde von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) dominiert, die grundsätzlich zu allem und jedem nein sage.
Jon Manatschal

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