Die Vinschger sind gegen den Ausbau der Staatsstraße
Ein erstes Ergebnis der Verkehrsbefragung im Vinschgau stellte Universitätsprofessor und Verkehrs-Fachmann Hermann Knoflacher (im Bild) der Presse am 22. Dezember 2005 im Haus der Bezirksgemeinschaft vor. Die Befragung war am 7. und 8. Juni 2005 durchgeführt worden. Das wohl wichtigste Ergebnis dabei ist, dass sich 84 Prozent der Vinschger gegen den Ausbau der Staatsstraße im Tal zu einer Schnellstraße ausgesprochen haben. Knoflacher war überrascht, dass so viele Personen den Fragebogen ausgefüllt und abgegeben haben. Dies habe die Auswertung um einige Zeit verzögert und demnach auch die Vorstellung der Studie. „Eine klare Linie ist feststellbar“, betonte Knoflacher.
Die Gemeindeverwaltungen, die Bürgerinitiativen und die Bevölkerung verfolgen ein gemeinsames Ziel: massive Verbesserungen für die Bahn und für den Bus, für den Radverkehr und für den Fußgänger, d.h. das Auto rückt in den Hintergrund. Nun müssen alle daran arbeiten, diese Schritte umzusetzen. „Das wird sicherlich nicht leicht sein, weil viele daran beteiligt sind“, ergänzte Knoflacher. Nun muss mit den einzelnen Vereinigungen und Verbänden des Tales Kontakt aufgenommen werden, dann mit der Landesverwaltung und mit der Straßenmeisterei.
Hausgemachter Verkehr
Was sich bei der ersten Auswertung auch als bedeutend erwiesen hat, ist die Tatsache, dass der zunehmende Verkehr hausgemacht ist, es handelt sich vorwiegend um einheimische Fahrer und nicht um Gäste. Um überhaupt eine bürgernahe Verkehrsplanung und Regionalpolitik machen zu können, war die Mitarbeit der Bevölkerung mit der Haushaltsbefragung notwendig. 69 Prozent der Haushalte und 66 Prozent der Personen haben den Fragebogen im Sommer ausgefüllt und abgegeben. Knoflacher spricht allen ein herzliches Dankeschön aus, da die Rücksendequote weitaus die Erwartungen übertroffen habe.
Der Großteil der Befragten hat etwa den Arbeitsplatz in einer Vinschgauer Gemeinde (87 Prozent). Dies sei eine überaus hohe Anzahl und gar nicht selbstverständlich. Was hingegen zu denken gebe ist, dass die Entfernung zu einer Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels im Durchschnitt bei 515 Metern liege, eindeutig zu weit. Genauso sei der Weg zum eigenen PKW viel kürzer als zu einem öffentlichen Verkehrsmittel.