Leo Jeker, der Bündner Standespräsident (entspricht in Südtirol dem Landtagspräsidenten) bei seinem Vortrag.

Sportanlagen Val Müstair kämpfen um Zukunft

Publiziert in 42 / 2007 - Erschienen am 28. November 2007
Müstair – Am vergangenen Samstag fand in Tschierv die 31. Generalversammlung der Sportanlagen Val Müstair statt, die auch an der Ortler Arena beteiligt sind. Das Unternehmen, das das Skigebiet von Minschuns am Ofenpass mit verschiedenen Skiliften, einem Bergrestaurant und einer Bar betreibt, blickt auf eine mittelmässige Saison 2006/07 zurück. Nach größeren Anstrengungen während des vergangenen Sommers ist man aber für die kommende Skisaison bereit. Diese verspricht einiges, nachdem im südlichen Teil des Ofenpasses in den letzten Tagen viel Schnee gefallen ist. Trotzdem wird die Saison aber erst kurz vor Weihnachten eröffnet. Wie viele ähnliche Unternehmungen muss aber auch Minschuns um die Zukunft kämpfen. Während der vergangenen Jahre war man verschiedentlich mit sehr schwierigen finanziellen Problemen konfrontiert. Neuer Präsident Anlässlich der letzten General­versammlung der Sportanlagen Val Müstair im Hochwinter 2007 ist der ehemalige Gemeindepräsident von Sta. Maria, Vito Stupan, zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewählt worden. Stupan ist ein Mann der Taten. Er ging sofort in die Offensive und richtete einen eindringlichen Appell an alle Münstertaler und auch an die Gäste des Münstertals, sich als Freiwillige (romanisch Voluntaris) zur Verfügung zu stellen und mitzuhelfen, das Skigebiet und die dortigen Anlagen wieder auf Vordermann zu bringen. Dieser Aufruf fiel auf fruchtbaren Boden. Es meldeten sich über 500 Personen, die während des Sommers das defekte Wasserbecken reparierten, eine neue Terrasse errichteten, verschiedene Malerarbeiten ausführten, die Gegend von Unrat säuberten und vieles andere mehr. Man schätzt, dass das Unternehmen dank der Fronarbeit, aber auch dank unentgeltlicher Maschinenleistungen und freiwilliger Zuwendungen etwa 230.000 Franken sparen konnte. Es wäre nun aber falsch zu meinen, dass Minschuns damit aus allen Schwierigkeiten wäre. Im Gegenteil, die finanzielle Lage bleibt angespannt und erlaubt nicht, größere Investitionen wie zum Beispiel den Bau einer Zubringerseilbahn zu tätigen. Gemäß einer Expertise des europaweit bekannten Fachmanns, Riet Theus, ist die Anbindung des Schneesportgebiets vom Talboden aus aber unbedingt notwendig, wenn die Unternehmung langfristig überleben will. Dies kostet, samt Nebenanlagen, aber etwa 10 Millionen Franken. Wer das bezahlen soll steht heute völlig in den Sternen. Die Pro Minschuns, eine Gesellschaft, die sich aus den Sportanlagen, dem Gemeindeverband und dem Tourismus Val Müstair zusammensetzt, arbeitet daran. Im vergangenen Winter erwirtschafteten die Sportanlagen Val Müstair einen Gewinn von Fr. 28.500. Damit kann man natürlich keine Millioneninvestitionen finanzieren. „Touristische ­Infrastrukturen in ­peripheren Regionen“ Zu diesem Thema sprach anschliessend an die Generalversammlung Leo Jeker, der in diesem Jahr das Parlament des Kantons Graubünden präsidiert. Beruflich ist Jeker Direktor der Savogniner Bergbahnen. Er kennt also sehr gut die Sorgen und Nöte der Branche, weiß aber auch sehr genau, dass Sportanlagen sehr wichtig sind für den Tourismus, insbesondere den Wintertourismus. Er ermahnte die Verantwortlichen im Val Müstair zielstrebig die Erneuerungen und die Ergänzungen der Sportanlagen an die Hand zu nehmen und damit die Basis zu schaffen, damit die jungen Generationen im Tal verbleiben können und nicht auswandern müssen. Die innovativen Projekte, an denen das Münstertal arbeitet, wie zum Beispiel die Biosfera, aber auch die Fusion der Gemeinden, seien ein guter Schritt in die Zukunft. Entschieden wies der hohe Politiker die Forderung von Unterländer Industriekreisen zurück, dass das Berggebiet sich selber überlassen werden soll, aber auch die Politik von Umweltorganisationen, die alles verhindern wollten. Jon Manatschal
Jon Manatschal
Vinschger Sonderausgabe

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