Im Anschluss an den Gottesdienst in der Pfarrkirche und die Kranzniederlegung erfolgte der Einmarsch zur Schulturnhalle.
Schützen und Marketenderinnen aus dem ganzen Tal nahmen am Bezirkstag der Vinschger Schützen teil.
Verleihung des Titels „Kompanie des Jahres“ an die Schützenkompanie Kortsch (v.l.): Bezirksmajor Hansjörg Eberhöfer, Oberleutnant Marian Wilhalm, Hauptmann Heinrich Mair, Fähnrich Lorenz Gruber und Bezirksmajor-Stellvertreter Gottfried Lechthaler.
Der Bezirkstrommelreferent Erich Bernhart (links) wurde für seinen besonderen Einsatz geehrt; rechts Hansjörg Eberhöfer.
Die Bezirksleitung
Bürgermeisterin und Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch

„Das Gewissen des Landes“

Bezirkstag der Vinschger Schützen in Taufers im Münstertal

Publiziert in 6 / 2026 - Erschienen am 24. März 2026

Taufers i. M. - Glaube, Freiheit, Heimat, Tradition, Mut, Anstand, Kameradschaft, Auftrag und Verpflichtung. Das waren die Worte, die beim Bezirkstag der Vinschger Schützen, der am 21. März in Taufers im Münstertal stattgefunden hat, am häufigsten zu hören waren. Den Auftakt bildete ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Blasius, zelebriert von P. Urs Maria vom Kloster Marienberg. Beim Kriegerdenkmal feuerte die Ehrenkompanie Schluderns im Gedenken an die Gefallenen eine Ehrensalve ab. Auch ein Kranz wurde niedergelegt. Für die musikalische Begleitung sorgte die Musikkapelle Taufers. Im Anschluss an den gemeinsamen Einmarsch konnte Bezirksmajor Hansjörg Eberhöfer in der Schulturnhalle viele Schützen und Marketenderinnen, Jungschützen und Jungmarketenderinnen sowie zahlreiche Ehrengäste begrüßen. 

„Geschichte wahrheitsgetreu vermitteln“

Eberhöfer erinnerte einleitend an Siegfried Steger, den letzten „Puschtra Bui“, der am 21. Februar 2026 im Exil in Telfs gestorben ist und am 28. Februar in seiner Heimat in Taufers im Pustertal zu Grabe getragen wurde. „Es ist für uns Schützen Aufgabe und Pflicht, unsere Geschichte der Jugend wahrheitsgetreu zu vermitteln“, sagte Eberhöfer. Er sei dankbar dafür, „dass ich den Freiheitskämpfer zusammen mit einigen Schützenkameraden persönlich kennenlernen durfte.“ Der Bataillonskommandant Peter Raffeiner erinnerte neben Siegfried Steger auch an Sepp Forer, ebenfalls ein „Puschtra Bui“, der am 5. Februar 2025 im Nordtiroler Exil gestorben war. Dass die Landesregierungsmitglieder bei der Beerdigung von Siegfried Steger nicht dabei waren, sei beschämend gewesen. „Wertschätzung darf sich nicht nur im Reden zeigen, es braucht sie auch im Tun,“ so Raffeiner. Die Schützen würden oft als das „Gewissen des Landes“ bezeichnet, „bleiben wir das Gewissen des Landes“, rief Raffeiner in den Saal.

Tirolerball als besonderer Höhepunkt

Als besonderen Höhepunkt nannte der Bataillonskommandant Simon Stecher in seinem Bericht den traditionellen Tirolerball im Wiener Rathaus im Jänner 2026. Neben dem Schützenbezirk Vinschgau waren auch die Musikkapelle Schluderns, die Jagdhornbläser St. Hubertus aus Schlanders, die Volkstanzgruppe Mals sowie die Proder Goaslschnöller nach Wien eingeladen worden. Der Wien-Ausflug mit der Kranzniederlegung am Andreas-Hofer-Denkmal, dem Gottesdienst im Stephansdom und weiteren Höhepunkten hat laut Stecher viele Vinschgerinnen und Vinschger kameradschaftlich zusammengeführt. Zurückgeblickt haben die zwei Bataillonskommandanten auch auf die Teilnahme des Schützenbezirks an traditionellen Landes-Gedenkfeiern sowie auf Veranstaltungen im Vinschgau, wobei sie u.a. an die Gefallenen-Gedenkfeiern in Spondinig und Martell erinnerten. Mit Berichten aus ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen warteten auch die Bezirksmarketenderin Sandra Holzknecht, die Bezirksjungschützenbetreuerin Esther Tappeiner (auch im Namen des Bezirksjungschützenbetreuers Tobias Wiesler), der Bezirksschießreferent Markus Kofler und der Bezirkstrommelreferent Erich Bernhart auf. Bernhart überraschte die fleißigsten Mitglieder der „Vinschger Trummler“ mit kleinen Geschenken. Der Bezirksmajor Hansjörg Eberhöfer überreichte dem Bezirkstrommelreferenten für seinen besonderen Einsatz das Ehrenabzeichen in Silber. 

Über 600 aktive Mitglieder

Die Zahl der aktiven Mitglieder im Schützenbezirk, zu dem 19 Kompanien gehören, ist laut Gottfried Lechthaler, dem Bezirksmajor-Stellvertreter, zwar auf rund 640 angewachsen, doch vergleicht man diese Zahl mit der durchschnittlichen Beteiligung an Bezirksausrückungen, ergebe sich eine Diskrepanz: Mehr Mitglieder und zugleich weniger Ausrückungen. Diesem Trend sei entgegenzuwirken. Als Kompanie des Jahres wurde die Schützenkompanie Kortsch ausgezeichnet.

„Wir verlieren unsere Wurzeln“

Die Großworte im Namen der Gemeinde Taufers im Münstertal sowie auch im Namen der Bezirksgemeinschaft überbrachte die Bürgermeisterin und Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch. „Ich bin recht stolz auf unsere Kompanie in Taufers mit Hauptmann Tobias Wiesler. Es herrscht ein gutes Miteinander“, freute sich Gunsch. Grundsätzlich gab sie zu bedenken, dass in der Gesellschaft ein zunehmender Verlust an Identität zu bemerken sein: „Nicht die Ausländer sind schuld, sondern wir sind es, die die Wurzeln verlieren. Als Südtiroler sind wir in Sachen Werte lasch unterwegs.“ Und weiter: „In den Sozialen Medien findet heute jeder seine Wahrheit, die er haben will.“ Mit Grußworten warteten auch der Landeskommandant-Stellveretreter Stefan Liensberger, die Bezirksmajore Thomas Innerhofer (Pustertal) und Hannes Holzer (Burggrafenamt/Passeier) auf, sowie der Bundesexerzierreferent Andreas Thoma und Martin Schönherr, der Kommandant des Schützenbezirks Landeck. Liensberger, Innerhofer und Holzer schlugen auch kritische Töne in Richtung Landesregierung und SVP an. „Unverdaulich“ bleibe die Koalition der SVP mit „Fratelli d'Italia“.

Josef Laner

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