Vom Hubschrauber aus wurde das biologische Präparat ausgebracht.
Amtsdirektor Andreas Platter und Uni-Professor Andrea Battisti
Ein Prozessionsspinner-Nest am Oberwaal oberhalb von Mals.

Dem Prozessionsspinner zu Leibe gerückt

Publiziert in 17 / 2026 - Erschienen am 22. September 2026

Vinschgau - Nachdem sich im Zuge der dauerhaften Überwachung des Kiefern-Prozessionsspinners im Forstinspektorat Schlanders für den kommenden Winter und das Frühjahr 2027 ein stärkeres bis starkes Auftreten des Schmetterlings abgezeichnet hatte, hat der Landesforstdienst am 11. September eine groß angelegte Bekämpfungsaktion durchgeführt. Insgesamt wurden 500 Hektar von Schwarzkiefernwäldern am Sonnenberg in den Gemeinden Latsch, Schlanders, Laas und Schluderns behandelt. „Der Zeitpunkt der Behandlung wurde bewusst gewählt, denn die Raupen befinden sich derzeit im Vollfraß und machen sich mit großem Hunger über die Nadeln der Schwarzkiefernbäume her“, sagte Amtsdirektor Andreas Platter vom Forstinspektorat Schlanders. Durchgeführt wurde die Aktion in Abstimmung mit der Universität Padua und mit Genehmigung des Gesundheitsministeriums. Behandelt wurden ganz gezielt stark frequentierte Waldgebiete in tieferen Lagen sowie Bereiche entlang von Wanderwegen und Mountainbike-Trails. Eingesetzt wurde wiederum das biologische Präparat „Bacillus thuringiensis“. Seine Wirkung entfaltet das Präparat erst im Verdauungstrakt der Schmetterlingsraupen. Die Raupen nehmen das Gift zusammen mit den behandelten Kiefernnadeln auf und verenden in der Folge daran. Für Mensch und Tier ist das biologische Bekämpfungsmittel unwirksam. Das Mittel wurde von einem Hubschrauber aus versprüht, an dem ein Sprühbehälter befestigt worden war. Stützpunkte der Aktion waren die Sportzonen in Schlanders und Eyrs. Aufmerksam mitverfolgt wurde die Bekämpfungsaktion vom Universitätsprofessor Andrea Battisti aus Padua. Der Insektenkundler befasst sich seit vielen Jahren mit dem Kiefern-Prozessionsspinner und dessen Bekämpfung im Vinschgau. Die Brennhaare der Raupen können beim Menschen bei Berührung eine Raupendermatitis auslösen, Atemnot oder gar eine allergisch bedingte Schocksymptomatik. Symptome sind Juckreiz, Rötung, Brennen und Quaddelbildung. In schwereren Fällen kann es zu Übelkeit, Schwindel, Asthmaanfällen und Atemnot kommen. Auch Tiere, zum Beispiel Hunde, können empfindlich auf den Kontakt mit den Raupenhaaren reagieren. Als mittel- und langfristige Lösung arbeiten der Landesforstdienst bzw. das Forstinspektorat Schlanders und die Forststationen des Einzugsgebietes mit den rund 90 saisonalen Forstarbeitern weiterhin an der Umwandlung der Kiefernwälder in strukturreiche, laubholzreiche Mischwälder. Der Erfolg der Bekämpfungskation dürfte sich im Winter und Frühjahr 2027 zeigen: Weniger Gespinstnester, weniger „Prozessionen“ und weniger Gefahren für Wanderer, Biker und auch Haustiere.

Josef Laner

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