Im Bild (v.l.): Ulrich Seitz, Präsident der ASAA, Luisa Gnecchi, Vize-Präsidentin der INPS und Landesrätin Rosmarie Pamer.
Unter den Zuhörern waren gar einige Mitarbeiter der verschiedenen Dienste, die die Infoveranstaltung für Hinweise und Bitten an die Landesrätin nutzten.

„Demenzkranke fordern und fördern“

Neues zur Pflegesicherung

Publiziert in 7 / 2026 - Erschienen am 8. April 2026

Schlanders - Auf Einladung des Vereins „Demenzfreund-
licher Vinschgau“ fand unlängst im Bürgerheim Schlanders ein Infonachmittag zur Anerkennung der Pflegezeiten und -sicherung statt. Ulrich Seitz, Präsident des Alzheimervereins Südtirol ASAA, führte in das Thema ein. Er unterstrich, dass das Pflegen zu Hause eine Herausforderung bleibe. Vorrangig gehe es darum, die Demenzkranken zu fordern und zu fördern. „Auch ist es wichtig, bereits vor Eintritt eines Pflegefalles als Angehörige einen Plan zu haben“, so Seitz. Wo und wie wird der Patient versorgt? Wer trägt die Kosten? Dies seien Fragen, die bereits vorab geklärt sein sollten. Die ASAA als Verein bietet dabei Beratungen mit zahlreichen Experten wie Ergotherapeuten, Psychologen oder auch einem Rechtsanwalt an.

Auf die Pflegesicherung und den Nachkauf der Pflegezeiten ging Luisa Gnecchi, ihres Zeichens Vize-Präsidentin des INPS, ein. Sie unterstrich die Bedeutung des Art. 104 für die Freistellung von der Arbeit bei der Pflege von Angehörigen. Sobald ein Pflegefall in der Familie auftritt, sei es wichtig, innerhalb der ersten Monate ein Ansuchen für die freiwillige Weiterzahlung der INPS-Beiträge für die pflegenden Angehörigen zu stellen, falls dieser nicht anderweitig rentenversichert ist. Voraussetzung dafür seien 3 bis 5 Beitragsjahre bei der INPS. Die Landesagentur für soziale und wirtschaftliche Entwicklung, kurz ASWE, erstattet diese freiwilligen Beiträge innerhalb weniger Monate an die Antragssteller zurück. Auch gibt es die Möglichkeit, Beiträge in den Zusatzrentenfond einzuzahlen. 

Landesrätin Rosmarie Pamer ging in ihrem Kurzvortrag auf die vielfältigen Hilfen für Pflegefälle ein. So gebe es das Essen auf Rädern, die Hauspflege, organisiert über die Bezirksgemeinschaften, die Tagespflege oder auch Kurzzeitpflege in den jeweiligen Pflegeheimen. In Südtirol gibt es ca. 4.700 Heimplätze, wobei die durchschnittlichen Kosten sich auf ca. 65.000 Euro pro Jahr/Bett belaufen. Deshalb sei die Pflege von pflegebedürftigen Menschen zu Hause umso wichtiger, da die Zahl der Pflegefälle immer mehr steigt, auch aufgrund des demografischen Wandels. Auf das 2008 eingeführte Pflegegeld durch Landesrat Richard Theiner ist Pamer stolz. Südtirol werde im Rest Italiens dafür beneidet. 

Die Soziallandesrätin plant noch heuer ein neues Konzept zur freiwilligen Pflegeversicherung vorzustellen, welches das Zentrum Pensplan derzeit erarbeitet. Geplant sind weiters, Zentren für Demenz auf das ganze Land zu verteilen. Sie sind für die Prävention und Früherkennung zuständig, für die Beratung, Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. Moderator Dieter Pinggera, Direktor des Bürgerheims Schlanders, unterstrich, dass der Vinschgau mit dem Verein „Demenzfreundlicher Vinschgau“ bereits einen wesentlichen Beitrag zur Vernetzung zwischen den Gesundheits- und Sozialdiensten und dem Krankenhaus leiste. Auf die langen Wartezeiten für die Pflegeeinstufungen im Vinschgau angesprochen, betonte die Landesrätin, dass das derzeitige einzige Team in den nächsten Monaten Unterstützung erhalte. Die Politik denke auch über eine neue Zusammensetzung des Teams nach, um die Effizienz zu steigern. In der anschließenden Diskussion wurde eine automatische Einstufung aller Fälle in die Pflegestufe 1 gefordert, um die 11 Monate Wartezeit sofort zu verringern. Diese Idee lehnte Pamer ab, da aufgrund früherer Erfahrungen 10 bis 30 % der Ansuchen kein Anrecht auf Pflegegeld hätten. „Das ausbezahlte Geld zurückfordern ist dann sehr schwierig“, so Pamer. Kritische Worte und eine lebhafte Diskussion entstand anschließend über die fehlenden Ressourcen, u. a. für die Pflegeeinstufung und die große Lücke zwischen Theorie und Alltagsrealität. So werden oftmals Patienten am Freitagnachmittag aus dem Krankenhaus entlassen, was die Angehörigen hilflos zurücklasse, weil eine kurzfristige Unterbringung von Pflegefällen schwierig bis gar nicht möglich ist.

Andrea Kuntner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.