Mit breiter Mehrheit hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, drei Gebäude auf dem Kasernen-Areal abzubrechen.
Ingenieur Ulrich Rechenmancher und Bürgermeisterin Christine Kaaserer.

Die Bagger können auffahren

Breite Mehrheit für Abbruch von drei Gebäuden auf Kasernen-Areal

Publiziert in 7 / 2026 - Erschienen am 8. April 2026

Schlanders - Jetzt steht es fest: Auf dem Kasernen-Areal in Schlanders werden in absehbarer Zeit die Bagger auffahren. Als erstes Baulos wird der Südriegel, die sogenannte „Palazzina Misurata“, zur Gänze abgerissen. Zwei weitere Baulose sehen den Abbruch der „Palazzina Comando“ – sie ist seit der famosen Nach-und Nebelaktion vom 5. Oktober 2022 eine Ruine – sowie der „Villa Wielander“ vor, die sich seit Jahren in einem äußerst desolaten Zustand befindet. Diesem Fahrplan, sprich Projektleitdokument, und auch den Ausgaben für die Abbrucharbeiten hat der Gemeinderat am 26. März mit breiter Mehrheit zugestimmt. 

Vertragliche Verpflichtungen

Die Bürgermeisterin Christine Kaaserer hatte einleitend daran erinnert, dass die Gemeinde einen Großteil des Kasernen-Areals im Jahr 2013 zu einem günstigen Preis (2,055 Millionen Euro) vom Land erworben hat. Ca. 9.000 Quadratmeter des 4 Hektar umfassenden Areals hatte sich das Land zurückbehalten. Es handelt sich um eine Fläche, auf der auch ein Teil der „Palazzina Misurata“ steht. „Nun möchte das Land auf seiner Grundfläche die lang versprochene Tiefbauhalle für das Berufsbildungszentrum bauen und wir sind als Gemeinde vertraglich verpflichtet, das Grundstück baureif zu machen“, so Kaaserer. Theoretisch müsste man hierfür zwar nicht den gesamten Südriegel abbrechen, doch im Ausschuss sei man zur Auffassung gelangt, dass der Abriss der gesamten „Palazzina Misurata“ wirtschaftlich und statisch besser sei.

Kosten ca. 1,9 Mio. Euro

In die Details des Projektleitdokumentes für die Abbrucharbeiten führte Ingenieur Ulrich Innerhofer ein. Er erinnerte daran, dass die Gebäude, speziell der Südriegel und die „Palazzina Comando“, noch vor dem eigentlichen Abbruch von Asbestrückständen und weiteren Giftstoffen befreit werden müssen. Hierfür wird eine spezialisierte Firma beauftragt. Die Entsorgung der Giftstoffe im Südriegel dürfte rund einen Monat in Anspruch nehmen, der eigentliche Abbruch ca. 2 Monate. Die Zufahrt zur Baustelle erfolgt über die Bahnhofstraße, um die Belastungen für das angrenzende Wohngebiet, die BASIS und die Kreativwerkstatt, die in der „Palazzina Tagliamento“ (Nordriegel) untergebracht ist, möglichst gering zu halten. Zu einer bestimmten Lärmbelastung werde es unausweichlich kommen, gegen die Staubbelastung werden Maßnahmen gesetzt. Wie Innerhofer präzisierte, wird das Abbruchmaterial – es dürften rund 7.000 Kubikmeter Bauschutt anfallen – nicht vor Ort verarbeitet, sondern lediglich grob zerkleinert und dann zur Deponie der beauftragten Firma transportiert wird. Die Gesamtkosten für den Abbruch des Südriegels bezifferte Innerhofer mit ca. 1,047 Millionen Euro. Die Ausgaben für den Abriss des Kommando-Gebäudes und der „Villa Wielander“ dürften sich auf rund 865.000 Euro belaufen.

Hoffentlich keine „bösen Überraschungen“

Bei der Diskussion warf Karin Meister (Süd-Tiroler Freiheit) die Frage auf, was geschieht, wenn man im Untergrund des Südriegels bzw. anderer Gebäude auf Munition oder andere problematische Hinterlassenschaften stößt. Die Abbrucharbeiten betreffen lediglich die Gebäude (Unterkante Fundament). Laut Vertrag mit dem Land muss die Gemeinde auch für die Entsorgung eventueller Rückstände im Untergrund aufkommen. „Wir können nur hoffen, dass wir keine bösen Überraschungen erleben“, sagte der Vermögensreferent Günther Bernhart. Ausschließen könne man das nicht. Die „Palazzina Misurata“ ist zum Teil unterkellert, westlich des Gebäudes befand sich einst eine Tankstelle. Als nicht notwendig erachtete es Meister, „heute auch den Abriss des Kommando-Gebäudes und der ‚Villa Wielander‘ zu beschließen.“ Es hätte zu wenig Informationen im Vorfeld gegeben, man hätte den Gemeinderat stärker miteinbinden sollen. Auch Christiane Pircher (SVP) klagte über nicht ausreichende Informationen im Vorfeld. Gerda Platzgummer Wellenzohn (Zukunft Schlanders - Silandro Futuro) plädierte dafür, nur einen Teil des Südriegels abzubrechen und die weiteren Gebäude stehen zu lassen. Zwei Beschlussträge von Platzgummer Wellenzohn (Einsetzung einer Arbeitsgruppe und Erstellung eines Gesamtprojektes zur Neugestaltung des Areals) wurden nicht behandelt, weil sie laut der Bürgermeisterin nicht zeitgerecht eingebracht worden waren. Die Anträge sollen nun bei der Ratssitzung am 30. April behandelt werden.

Die Bäume bleiben stehen

Grundsätzlich sagte Christine Kaaserer: „Es wird unser aller Arbeit im Gemeinderat sein, zeitnah zu erörtern und zu entscheiden, was auf dem Areal entsteht.“ Mit „zeitnah“ beantwortete sie auch die Frage von Christian Tappeiner (STF), wann mit dem Abriss des Kommando-Gebäudes und der „Villa Wielander“ zu rechnen sei. Bestätigt hat sie auf Anfrage von Christiane Pircher, dass die hochstämmigen Bäume auf dem Platz stehen bleiben. Bei der Abstimmung sprachen sich 15 Ratsmitglieder für das Projektleitdokument aus. Karin Meister und Christiane Pircher enthielten sich der Stimme, Gerda Platzgummer Wellenzohn stimmte dagegen. Mit demselben Abstimmungsergebnis genehmigte der Gemeinderat auch eine Bilanzänderung, im Rahmen derer insgesamt 905.000 Euro für den Abbruch des Südriegels zweckgebunden wurden.

Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.