„Entwicklungsspielraum verantwortungsvoll nutzen“
Vinschgau - „Die Entscheidung der Landesregierung, strukturschwächeren Gemeinden weiterhin eine touristische Entwicklung zu ermöglichen, wird im Vinschgau positiv aufgenommen“, schreibt Franz Prieth, Bürgermeister von Graun und Tourismusreferent der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, in einer Pressemitteilung. Die Landesregierung hatte unlängst festgelegt, dass landesweit 56 Gemeinden vom Bettenstopp ausgenommen werden sollen bzw. dass ihnen eine Fristverlängerung für ausgewiesene, aber noch nicht verbaute Tourismuszonen zugestanden wird. Mit Ausnahme von Latsch scheinen alle Vinschger Gemeinden auf der Liste auf. „Dass Latsch nicht berücksichtigt wurde, ist eine bittere Pille“, sagt Prieth. Als Kriterien für die Aufnahme in die Liste waren Strukturschwäche und Abwanderungsgefährdung festgelegt worden. Auch im Rathaus in Latsch stieß die Nicht-Aufnahme auf Unverständnis. Es gebe zwar keine Tourismuszone, die verfallen könnte, doch die Gemeinde Latsch sei auf derselben Ebene wie allen anderen Vinschger Gemeinden anzusiedeln. Schon im Vorfeld sei immer wieder darauf gedrängt worden, den ganzen Vinschgau als touristisch schwach entwickelt einzustufen. Wie Franz Prieth weiter schreibt, seien einige touristische Hochburgen im Land an ihre Grenzen gestoßen, „während der Vinschgau weiterhin über Entwicklungsspielraum verfügt, der verantwortungsvoll genutzt werden kann.“
Prieth bedankt sich ausdrücklich bei Tourismuslandesrat Luis Walcher: „Mit dieser Lösung wird deutlich, dass eine einheitliche Regelung für ein so vielfältiges Land wie Südtirol nicht allen Talschaften gerecht werden kann.“ Im Vinschgau gehe es nicht um neue großflächige Entwicklungen, sondern um die Zukunft der bestehenden Betriebe. „Entscheidend ist, dass die bereits ausgewiesenen Tourismuszonen gesichert bleiben und sich die Betriebe innerhalb der bestehenden Möglichkeiten weiterentwickeln können“, heißt es weiter. „Das schafft Perspektiven für Arbeitsplätze, Investitionen und lebendige Dörfer. Wirtschaftliche Perspektiven halten junge Menschen im Tal.“ Gerade in einem peripheren Tal wie dem Vinschgau sei der Tourismus ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen Gefüges. Er sichere Einkommen für viele Familien, stärke die lokale Wertschöpfung und trage wesentlich dazu bei, dass Nahversorgung, Gastronomie und Dienstleistungen im Tal erhalten bleiben. Gleichzeitig helfe eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, Abwanderung zu verhindern und jungen Menschen Perspektiven im Tal zu bieten. Der Vinschgau sehe seine Rolle nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch im Sinne einer ausgewogenen Gesamtentwicklung Südtirols. Prieth: „Ein starkes Südtirol braucht starke Talschaften und Bezirke in allen Landesteilen.“ Man werde jetzt gemeinsam prüfen, wie die bestehenden Möglichkeiten im Vinschgau sinnvoll genutzt werden können. Ziel sei eine Entwicklung, „die Arbeitsplätze sichert, Investitionen ermöglicht und gleichzeitig den Charakter des Tales bewahrt.“ Es gehe darum, „den Betrieben im Tal Zukunftsperspektiven zu geben und den Lebensraum Vinschgau nachhaltig zu sichern.“