Beim Podiumsgespräch im Kulturhaus in Mals (v.l.): Gottfried Gökler (Vorstandmitglied der Vorarlberger Illwerke AG), Johann Neuner (Abteilungsleiter TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG), Moderatorin Bettina Geisseler und Alex Festi, Geschäftsführer des Fischereiverbandes Südtirol.
Blumen von Walter Gostner für Bettina Geisseler.

Fakten versus Mythen in der Wasserkraft

Was ist wahr und was ist nur Mythos? Interessante Podiumsdiskussion in Mals.

Publiziert in 20 / 2026 - Erschienen am 3. November 2026

Mals - Zu den Höhepunkten der Energie- und Umwelttage in Mals (siehe Seite 15) gehörte im Anschluss an hochkarätige Fachvorträge eine Podiumsdiskussion zum Thema „Praxis statt gefühlte Wahrheit: Objektive Fakten versus Mythen in der Wasserkraft”. Als Gesprächspartner konnte die Moderatorin Bettina Geisseler, Inhaberin von GEISSELER LAW und maßgeblich Mitbegründerin der Malser Energie- und Umwelttage, den Geschäftsführer des Fischereiverbandes Südtirol, Alex Festi, begrüßen sowie Johann Neuner (Abteilungsleiter TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG) und Gottfried Gökler, Vorstandmitglied der Vorarlberger Illwerke AG. Geisseler wertet die Wasserkraft als entscheidendes Puzzlestück, ohne das die Energiewende nicht zu schaffen ist. Auf ihre Frage, wie der Fischereiverband zur Wasserkraft stehe, sagte Festi, dass der Verband die strategische Bedeutung der Wasserkraftnutzung anerkenne und daher grundsätzlich nicht dagegen sei. Allerdings gebe es „geschichtlich gewachsene Probleme“ im Zusammenhang mit vor längerer Zeit errichteten Anlagen. Viele Fischarten seien vielerorts verschwunden. Bei neuen Anlagen sehe der Verband noch Verbesserungspotential. Als größtes Anliegen nannte Festi den Erhalt der noch wenigen unberührten Wasserstrecken. Neuner und Gökler stimmten darin überein, dass die Wasserkraftbetreiber die Zeichen der Zeit erkannt hätten und sich seit dem Inkrafttreten der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 um tragfähige Lösungen bemühen, besonders in punkto Ökologisierung der Anlagen.

„Sonne und Wind allein sind zu wenig“

„Photovoltaik und Wind allein bringen uns nicht weiter“, sagte Gökler. Um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können, hält er einen weiteren Ausbau der Wasserkraft für unerlässlich, wobei natürlich zu schauen ist, dass man den ökologischen Ansprüchen, auch was die Fische betrifft, gerecht wird. Was bestehende Anlagen betrifft, so versuche man, Defizite bzw. Makel auszuräumen. Laut Neuner und Gökler sei man mit der Forschung generell stark vernetzt. Zudem stünde man mit Fischerei- und Umweltverbänden im ständigen Austausch. „Es ist sehr wichtig, rechtzeitig den Dialog und Austausch zu suchen“, sagte Gökler. Unterstrichen wurde u.a. auch die Mehrzweckleistung von Speicherseen: Hochwasserschutz, Versorgungssicherheit und Landwirtschaft (Bewässerung). Geisseler sagte, dass auf EU-Ebene bisher viel für die Fische getan wurde und wird. Aufgegriffen hat sie auch das Spannungsfeld Wasserkraft und Klimaschutz. Gökler hielt zum Dilemma „Natur- und Klimaschutz“ fest, dass der Energieeinsparung oberste Priorität einzuräumen sei, auch seitens der Politik. Was sich Neuner von der Politik wünscht, ist ein hohes Maß an Planbarkeit. Festi wünschte sich, dass bei den Förderungen und in weiteren Bereichen nicht alle über einen Kamm geschoren werden, „sondern dass man kleine und große Kraftwerksbetreiber differenzierter betrachtet.“ Abschließend meinte Geisseler, dass es widerstrebende Ansichten gebe: „Am Ende muss die Gesellschaft entscheiden, was sie für wichtiger hält.“

„Energieverbrauch wird weiter steigen“ 

Für Walter Gostner (Ingenieure Patscheider & Partner GmbH) steht eines fest: „Der Energieverbrauch wird in Zukunft weiter stark steigen, denken wir nur an die Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung insgesamt.“ Auch aus diesem Grund werde die Wasserkraft weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Vor allem bei neuen Anlagen, aber auch bei Maßnahmen bei bestehenden Kraftwerken sei der Fokus auf Innovation und Ökologisierung zu richten. Zu fördern gelte es zudem die Sensibilität, auch seitens der Kraftwerksbetreiber. Bei so manchen Betreibern kleinerer und mittlerer Anlagen gebe es in diesem Sinn Aufholpotential. „Nur das Einhalten der Restwassermenge ist zu wenig“, brachte Gostner das Problem auf den Punkt. Bedankt hat er sich abschließend bei allen Tagungsteilnehmenden, allen Sponsoren sowie Mitarbeitenden, die zum Gelingen der Energie- und Umwelttage beitragen haben. Die Exkursion, die am 30. Oktober stattfand, führte heuer nach Prad zur E-Werk Prad Genossenschaft, wo Obmann Michael Wunderer nicht nur in Stromproduktion, Verteilung und Trading einführte, sondern wo auch Kraftwerke und Anlagen besichtigt wurden. Im Bau ist derzeit ein Batteriespeicher.

Josef Laner

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