Im Oberschulzentrum Mals drehte sich 7. März alles um das Thema Familie.
Am Podium (v.l.): Valentina Burger, Tanja Einsiedler, Christa Ladurner, Lukas Gerstl, Klaus Wallnöfer, Rosmarie Pamer und Moderator David Frank; Landesrat Philipp Achammer hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Familie im Fokus

Es brennt an vielen Stellen. Für ein gesellschaftliches Umdenken. 

Publiziert in 5 / 2026 - Erschienen am 10. März 2026

Mals - Den ganzen Tag über stand am 7. März im Oberschulzentrum Mals die Familie im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Alles, was Familie braucht …“ wartete das Eltern-Kind-Zentrum Obervinschgau auch bei der heurigen zweiten Auflage der Vinschger Familientagung, die das engagierte ELKI-Team alle zwei Jahre ehrenamtlich organisiert, mit einem vielfältigen Programm auf. An fast 20 Info-Ständen konnten sich Interessierte zu unterschiedlichsten Themen, Bereichen und Angeboten für Familien beraten lassen. Nicht weniger vielfältig waren die Themen, die in Fachvorträgen und im Rahmen von Workshops aufgegriffen wurden: Stillberatung, Medien in Kinderhänden, Erste Hilfe bei Säuglings- und Kindernotfällen, Bewältigung von Trauer in der Familie, Gruppenangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern im Vinschgau, Grenzen setzen ohne Drohen und Strafen und viele weitere Themen. Für die Kinder gab es ebenso ein kunterbuntes Programm: Bastel- und Spielecke, Vorlesen, Schachteltheater, Bewegungsangebote, Hip-Hop, Clown Wolly Trolli und mehr.

Was Eltern brauchen

Bei der Podiumsdiskussion, die am Nachmittag in der Aula Magna stattfand, zeigte sich einmal mehr, wie vielschichtig die Anliegen, Probleme und Herausforderungen für die Familien in Südtirol nach wie vor sind. Christa Ladurner vom Forum Prävention – sie ist auch Sprecherin der Allianz für Familie – stellte einleitend die vorläufigen Ergebnisse einer Umfrage vor, die vom Verein Thrive + und der Allianz für Familie von Mitte Dezember 2024 bis Anfang April 2025 durchgeführt worden war. Schon allein die Tatsache, dass sich 3.181 Mütter beteiligt haben und nur 307 Väter, spricht Bände. „Die Familie ist immer noch ein vorwiegendes Frauen-Thema, aber wir sprechen hier von einem gesellschaftlichen Thema“, schlussfolgerte Ladurner. Nach wie vor schwierig sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das wirke sich negativ auf die Wirtschaft, die mentale Gesundheit und den demografischen Wandel aus und erzeuge ungleiche Chancen. Besonders am Herzen liegen den Familien u.a. folgende Themen: Zeit für Kinder, Einbindung der Väter, Verlängerung der Erziehungszeiten, Rentenabsicherung, Abstimmung der Arbeits- und Betreuungszeiten, Mensa an allen Tagen, zu lange Sommerferien, Ganzjahresbetreuung. Präzisiert hat Ladurner, dass die Realitäten in den Landgemeinden und Städten natürlich sehr unterschiedlich seien. An Kita-Plätzen z.B. fehle es vielfach in den Städten, während sich in den Gemeinden diesbezüglich vieles getan habe. Besserungen habe es in Südtirol bei der Kleinkinder-, Sommer- und Nachmittagsbetreuung gegeben. Was sich Eltern u.a. dringend wünschen, seien flexible Betreuungsangebote, die sich mit den Arbeitszeiten vereinbaren lassen, sowie eine bessere finanzielle Unterstützung.

Ohne die Großeltern …

Auch mit Anmerkungen aus den Fragebögen wartete Ladurner auf, unter anderem mit dieser: „Wir haben das Glück, Großeltern zu haben, die uns unterstützen. Familien, die niemanden haben, tun sich schwer, die langen Sommerferien zu organisieren. Auch, weil sich die Angebote der Sommerbetreuung nicht alle leisten können.“ Fehlende helfende Familiengehörige sind laut Erhebungen des Arbeitsinspektorates bei Frauen ohne universitäre Ausbildung der häufigste Grund, den Arbeitsplatz bei Mutterschaft zu kündigen.

Vieles lastet auf den Schultern der Frauen

Bei der von David Frank moderierten Diskussion ging es vor allem um die Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Schule und Bildung sowie um die Chancengleichheit von Frauen und Männern. Dass bei der Chancengleichheit derzeit noch in vielen Bereichen Aufholbedarf besteht, darin waren sich alle einig, die Landesrätin Rosmarie Pamer ebenso, wie Christa Ladurner, Valentina Burger, die Präsidentin des ELKI Obervinschgau, Klaus Wallnöfer, der Direktor des Schulsprengels Graun, Tanja Einsiedler in Vertretung von Eltern mit Kindern mit Beeinträchtigung und der Gastronom Lukas Gerstl (DAS GERSTL Family Retreat und DAS GERSTL Alpine Retreat) in Vertretung der Wirtschaft und des Tourismus. Einen der Hemmschuhe im Bereich Betreuung und Bildung sieht Rosmarie Pamer in den unterschiedlichen Zuständigkeiten: „Die Kleinkinderbetreuung funktioniert, vor allem in ländlichen Gebieten, aber ab dem Kindergarten beginnt es zu hapern.“ Das große Ziel sei eine durchgehende Betreuung. Das Land bemühe sich um die Verbesserung der Angebote. Die große Frage sei, „wie wir Familie und Bildung zusammenbringen.“ Als sehr schwierig bezeichnete Tanja Einsiedler die Situation von Eltern, die Kinder mit Beeinträchtigungen haben: „Die meisten sind gezwungen, die Arbeit zu kündigen.“ Die Lage sei oft extrem, auch finanziell. Lukas Gerstl plädierte u.a. für flexible Arbeitszeiten: „Wir haben Mitarbeitende, die 2, 3 oder 4 Tage pro Woche arbeiten. 76 Prozent unseres 202-köpfigen Teams sind Frauen und mehr als die Hälfte davon Mütter.“ Laut Gerstl sollten sich mehr Betriebe um flexible Arbeitszeiten bemühen. Laut Klaus Wallnöfer sollten Männer die fakultative Elternzeit und andere Möglichkeiten, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, vermehrt nutzen. 

„Erziehungszeiten sind zu verlängern“

Mehrfach aufs Tapet gebracht wurde die Rentenabsicherung der Frauen, auf deren Schultern nach wie vor der Großteil der Sorgearbeit in den Familien lastet. Bei Frauen sei die Gefahr der Altersarmut besonders groß. Christa Ladurner plädierte für eine Verlängerung der Erziehungszeiten mit voller Rentenabsicherung. Bei der Diskussion wurde u.a. auch geäußert, dass sich in den Reihen des Kindergartenpersonals zunehmend Unmut breit mache. Nicht von ungefähr komme es vermehrt zu Kündigungen. Die Feststellung aus dem Publikum, wonach es bei den Themen Familie und Frauen ein gesellschaftliches Umdenken braucht, wurde am Podium ebenso geteilt, wie jene, wonach immer das Kind im Mittelpunkt zu stehen habe. Kritisch eingeworfen haben die Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch und weitere Diskussionsteilnehmerinnen, dass die Umfrage-Ergebnisse ein zum Teil verzerrtes Bild der Wirklichkeit widerspiegeln und unterschiedliche Situationen in ländlichen Gebieten nicht aufgezeigt werden.
Hinken würden laut Rosalinde Gunsch Vergleiche mit skandinavischen Ländern wie etwa Schweden, „denn dort ist die Gesellschaft eine andere als hier bei uns.“ 

Josef Laner

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