Monika Ohrwalder steht als Betriebsleiterin an der Spitze der Obstgenossenschaft MIVOR.

Frauen in Führung

Monika Ohrwalder: „Man muss sich etwas zutrauen“

Publiziert in 14 / 2026 - Erschienen am 28. Juli 2026

Latsch - Als Sekretärin begann Monika Ohrwalder ihre berufliche Laufbahn. Heute steht sie als Betriebsleiterin an der Spitze der Obstgenossenschaft MIVOR und trifft Entscheidungen, die die größte Genossenschaft des Vinschgaus prägen. Ihr Weg war kein gerader Aufstieg: Fleiß und Loyalität, Neugier, Durchsetzungsvermögen, etwas Glück und vor allem der Mut, immer wieder Neues zu lernen, halfen ihr. Monika Ohrwalder ist Vorbild für Frauen, die mehr Verantwortung übernehmen wollen, und setzt sich aktiv dafür ein, dass Führungskulturen inklusiver werden. Im Gespräch erzählt sie von Wendepunkten, konkreten Strategien und davon, warum Unternehmen bzw. Genossenschaften sich weiter entwickeln müssen und auch mehr Frauen den Weg in die Führung finden sollten.

der Vinschger: Von der Sekretärin zur Betriebsleiterin: Sie haben etwas geschafft, was nicht viele Frauen schaffen! Wie war ihr beruflicher Weg?

Monika Ohrwalder: Nach der Matura an der Kaufmännischen Lehranstalt in Schlanders war ich elf Jahre lang in einer Steuerberatungskanzlei tätig. Dort erwarb ich fundierte Fachkenntnisse in den Bereichen Buchhaltung und Steuerwesen. In dieser Zeit gründeten mein Mann und ich Familie und bekamen unsere beiden Kinder. Dank der Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, konnte ich Beruf und Familie stets gut miteinander vereinbaren. Mit der Zeit wurde mir das stark zahlenorientierte Arbeitsumfeld in der Steuerberatung jedoch zu einseitig. Ich verspürte den Wunsch, in einem Betrieb tätig zu sein, in dem ein konkretes Produkt und dessen Wertschöpfung im Mittelpunkt stehen. So begann ich 1999 bei der MIVO als Verwaltungsangestellte und seither dreht sich bei mir beruflich alles um den Apfel.

Wie war die Anfangsphase?

In meinen ersten Jahren übernahm ich zahlreiche unterschiedliche Aufgabenbereiche, von der Personalverwaltung über die Mitgliederbetreuung bis hin zur Verkaufsdisposition und konnte so einen umfassenden Einblick in die Abläufe und Zusammenhänge unserer Genossenschaft gewinnen. Einen entscheidenden Meilenstein in meiner beruflichen Entwicklung stellte die Fusion der Genossenschaften MIVO und Ortler im Jahr 2007 dar. Im Anschluss an eine Organisationsanalyse wurde mir die Verantwortung für den Verwaltungsbereich übertragen. In dieser Führungsfunktion konnte ich den Geschäftsführer, der sich schwerpunktmäßig dem Verkauf der Äpfel widmete, wesentlich entlasten und die organisatorischen sowie administrativen Strukturen der Genossenschaft aktiv mitgestalten. 

Wie ging es nach der Fusion von MIVO und Ortler weiter?

Im Jahr 2022 wurde die strategische Entscheidung getroffen, den gesamten Verkauf in der VIP-Zentrale, dem Verband der Vinschger Obstgenossenschaften, zu bündeln. Damit entfiel die Verkaufstätigkeit auf Ebene der Genossenschaften. Dieser Umstand trug dazu bei, dass ich mich im Jahr 2024 – wiederum nach einer Organisationsanalyse - dazu entschieden habe, die Betriebsleitung der Obstgenossenschaft MIVOR zu übernehmen. Der Verwaltungsrat schenkte mir das volle Vertrauen und ich kann auf ein erfahrenes Team an Bereichs- und Abteilungsleitern zurückgreifen, mit denen ich schon viele Jahre gut zusammenarbeite. Gemeinsam arbeiten wir täglich an unseren strategischen Zielen zum Wohle unserer Mitglieder und Mitarbeitenden. 

Was bedeutet für Sie persönlich Führung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft?

Das bedeutet für mich vor allem, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und uns kontinuierlich weiterzuentwickeln. Transparente Kommunikation, Teamarbeit und ein wertschätzendes Miteinander stehen dabei für mich im Mittelpunkt. Das Vertrauen unserer Mitglieder und der Mitarbeitenden hat für mich einen hohen Stellenwert.

Gibt es Bereiche, in denen Frauen in der Landwirtschaft oder im Genossenschaftswesen stärker vertreten sein sollten?

In Führungs- und Entscheidungsgremien in der Landwirtschaft gibt es sicher noch Potential, da sind Frauen bisher nur schwach vertreten, obwohl es in Südtirol knapp 3.000 Hofbesitzerinnen bzw. landwirtschaftliche Unternehmerinnen gibt. Mehr weibliche Perspektiven bringen zusätzliche Blickwinkel und stärken die Qualität von Entscheidungen insgesamt. Weibliche Führung bringt häufig eine starke Orientierung an Kommunikation und Zusammenarbeit mit sich – Aspekte, die für moderne Organisationen immer wichtiger werden.

Welche Signale möchten Sie an Produzentinnen, junge Frauen und Familienbetriebe senden?

Es zählt nicht das Geschlecht, sondern Kompetenz, Engagement, Selbstbewusstsein und Persönlichkeit. Gerade Frauen möchte ich ermutigen, weniger bescheiden zu sein, sich etwas zuzutrauen und ihren Weg aktiv zu gestalten.

Was macht Monika Ohrwalder in ihrer Freizeit?

Ich bin ein absoluter Bewegungsmensch. Leider habe ich aktuell wenig Freizeit, aber wenn es sich ausgeht, dann mag ich Wandern, Radfahren und im Winter das Langlaufen. Ich liebe die Natur, der Wald gibt mir Kraft und macht den Kopf frei. Wenn ich im Idealfall auch noch meine Familie oder gute Freunde um mich habe, bin ich richtig glücklich. Außerdem singe ich sehr gerne und bin ganz nebenbei Obfrau des Latscher Kirchenchors, dem ich seit 28 Jahren angehöre – mein absoluter Lieblingsverein.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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