Ganglegg - den Ur-Vinschgern auf der Spur

Publiziert in 25 / 2004 - Erschienen am 30. Juni 2004
Mit dem Fund eines Bronzehelms im Saldurbach zu Beginn des 20. Jahrhunderst richtete sich der Blick der Urgeschichtsforschung auf den "Ganglegg" (1142m) oberhalb von Schluderns. Die prähistorische Siedlung wurde aktenkundig. Geschichtsinteressierte und selbst ernannte Archäologen suchten daraufhin mit Pickeln und Schaufeln nach Überresten. Zu wissenschaftlichen Grabungen verbunden mit umfangreichen Forschungsarbeiten kam es erst zwischen 1997 und 2001. Funde und Befunde aus der Bronze- der Eisen- und der Römerzeit wurden erfasst und zeitlich eingeordnet. Sie sind im "Vintschger Museum" in Schluderns zu sehen. [F] Bronzezeit [/F] Die ersten Spuren menschlichen Wohnens stammen aus der Kupferzeit (3500 bis 2200 v. Chr.). Ungefähr um 1500 v. Chr. entstehen erste wohl durchdachte, geplante Siedlungen mit Befestigungsmauern, Häusern mit Trockenmauersockeln, Holzpfosten und Holzbohlen mit Lehm verschmiertem Rutenwerk. Die Bronzezeit-Menschen auf dem "Ganglegg" sind Ackerbauern und Viehzüchter. Tierknochen weisen auf eine Vielzahl von Schafen und Ziegen hin. Angebaut wird Rispenhirse, Nackt- und Spelzgerste, Emmer, Dinkel, Ackerbohnen, Saaterbsen und Linsen. Neben den Keramikgefäßen, hergestellt auf dem „Ganglegg“, finden sich dem alpinen Raum fremde Gefäße. Das lässt auf regen Handel schließen. Kultstätte der bronzezeitlichen Siedlung ist der Opferplatz, wo den Gottheiten Tiere dargebracht werden. Diesen Ort decken die Menschen mit Steinen ab, bevor sie um 1000 v. Chr. den "Ganglegg" verlassen. [F] Eisenzeit [/F] Jahrhunderte lang bleibt der Ort verweist. Erst in der Zeit der "Fritzen Sanzeno Kultur" (eigenständige Kulturgruppe in Südtirol, Tirol und Trentino) mit dem Vinschger Zentrum auf dem Tartscher Bichl um 500 v. Chr. kommt es zur Wiederbesiedelung. Die Germanenstürme der Kimbern drängen die Tal - Bevölkerung auf den „Ganglegg“. Es entsteht eine groß angelegte Festungsmauer auf der Nordseite. Häuser auf Terrassen und eine Fläche von zwei Hektar bieten Platz für 300 Menschen. Diese Siedlung wird 16/15 v. Chr. aufgelassen. Es ist die Epoche, in der die Römer die Alpen erobern. Spuren von Kämpfen sind auf dem "Ganglegg" keine nachweisbar. Römerzeit Bewohner der römischen Siedlungen im Tal nutzen den "Ganglegg" in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts als Fluchtburg, um sich nach den Alemannen – Einfällen in Sicherheit zu bringen. Auf den eisenzeitlichen Mauern wird ein großes Gebäude errichtet. Gefäßfragmente und ein Schlüssel mit Löwenkopf zeugen von der Anwesenheit der Römer. Nach ihnen versinkt der prähistorische Platz in den Dornröschenschlaf. Der Ganglegg ist von Schluderns aus auf verschiedenen Wegvarianten, auch über Waalwege, erreichbar. Für den direktesten Weg braucht man 30 bis 45 Minuten. Informationen und Publikationen zum "Ganglegg" sind im "Vintschger Museum" in Schluderns erhältlich
Magdalena Dietl Sapelza

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