Im Bild (von links): Roland Schroffenegger, Kunhilde von Marsoner, Robert Kaserer und der ehemalige Präsident der Lebenshilfe, Hermann Schönthaler
Georg Horrer, Kunhilde von Marsoner und Dieter Pinggera (v.l.)
Präsident Karlheinz Kuntner
Bereichsleiter und Moderator Martin Nagl
Am Podium (von links): Emma Pinzger, Georg Horrer, Peter Paul Schalber, Herbert Telser und Robert Kaserer
Ebenfalls am Podium (von links): Sara Gamper, Devid Platzgummer, Sieglinde Gufler, Claudia Dietl und Carmen Daniel
Lorena am Keyboard
Lukas spielte ebenfalls auf.
Sara auf der Steirischen

Gelebte Inklusion

Seit 40 Jahren im Haus Slaranusa. Die Lebenshilfe feiert gleichzeitig ihr 60-jähriges Bestehen.

Publiziert in 11 / 2026 - Erschienen am 10. Juni 2026

Schlanders - Der Präsident der Lebenshilfe Vinschgau, Karlheinz Kuntner, und der neue Bereichsleiter und Moderator Martin Nagl hatten eine ganze Liste von Ehrengästen zum 40-Jahr-Jubiläum zu begrüßen. Vertretungen der Lebenshilfe, der Gemeinden, der Bezirksgemeinschaft, ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Klienten und ihre Familienangehörigen, das derzeitige Team und andere Gäste hatten sich im Hof des Hauses Slaranusa in Schlanders eingefunden, um den Ort zu feiern, wo sich seit 40 Jahren Menschen mit besonderen Bedürfnissen wohlfühlen und wo sie selbstbestimmt leben und arbeiten dürfen. „Inklusion kann nur gelingen, wenn wir unser Haus nach außen und nach innen offen halten“, so Präsident Kuntner. Roland Schroffenegger, Präsident der Lebenshilfe Südtirol, würdigte den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Haus Slaranusa zu einem Ort machen, in dem Würde, Respekt und Lebensfreude im Mittelpunkt stehen. Sozialreferentin Kunhilde von Marsoner zeigte sich dankbar und anerkennend; die Lebenshilfe sei ein wertvoller Teil des Dorfes, in dem jeder Mensch seinen Platz in der Gesellschaft habe. „Die Lebenshilfe gibt den Familien Entlastung und Unterstützung; sie bietet Teilhabe und lebt Respekt und Zusammenhalt“, so die Referentin.

„Wir hatten Null Lire“

Es sei Landesrätin Waltraud Gebert-Deeg
gewesen, die die Idee hatte, auch im Vinschgau eine Sektion der Lebenshilfe zu gründen, erzählte Robert Kaserer, damaliger SVP-Bezirksobmann bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Sein Sekretär Luis Fasolt habe als treibende Kraft im SVP-Bezirksbüro alles für die Gründung in die Wege geleitet. Bei Pfarrern und SVP-Ortsobmännern habe man die „behinderten“ Menschen, wie sie damals genannt wurden, ausfindig gemacht, denn meist wurden sie hinter verschlossenen Türen gehalten und zur Unselbständigkeit erzogen. „Als wir Einblick in die betroffenen Familien bekamen, wussten wir, wir müssen etwas tun!“, schilderte Robert Kaserer die damalige Situation. „Wir hatten Null Lire und kein Lokal“, so Kaserer, „aber sehr viel Motivation und guten Willen, etwas zu bewegen. Als der erste Sonderkindergarten eingeweiht wurde, waren sogar zwei Landeshauptleute, Silvius Magnago und Eduard Wallnöfer, anwesend.“ 

Der langjährige Mitarbeiter Herbert Telser erinnerte sich an die Eröffnung der ersten Werkstätte im Jahr 1986. Er war gemeinsam mit Peter Paul Schalber ein Mann der ersten Stunde in der Tischlerei. „Das Essen holten wir von einer Hausfrau in Kortsch; die Klienten wurden anfangs von Georg Horrer im Privatauto nach Hause gebracht“, erzählte er. Dass sie auch für jeden Spaß zu haben waren, erinnerte sich der langjährige Hausmeister Luis Telfser. Georg Horrer hat die Arbeit im Haus Slaranusa inhaltlich 40 Jahre lang gestaltet und begleitet. „Ich bin an meinem Umfeld gewachsen“, so der langjährige Bereichsleiter. Für Emma Pinzger war die Errichtung der familienähnlichen Wohngruppen im Jahr 1988 ein wichtiges Ereignis. „Die Menschen sind spontan, dankbar und zufrieden; wir haben intensive persönliche Beziehungen aufgebaut“. 

Für ein selbstbestimmtes Leben

„Wir arbeiten weniger für die Menschen, sondern mit ihnen“, so Claudia Dietl, die seit 30 Jahren im Wohn-Team arbeitet. Fachkräftemangel und Bürokratie erschweren diese Arbeit, aber im Mittelpunkt stehe immer der Mensch. Die Angehörige Sieglinde Gufler ist seit vielen Jahren im Vorstand der Lebenshilfe. Sie habe dabei einen großen Bezug bekommen und gesehen, dass hier gegenseitiger Respekt und eine gute Kommunikation herrsche. Auch für die Sozialbetreuerin Sara Gamper ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können. Devid Platzgummer, ein Klient von Slaranusa, gehört zur Gemeindegruppe und beteiligt sich am liebsten an der Dorfsäuberung. Ein Lob für die jahrelange, hervorragende Zusammenarbeit überbrachte Carmen Daniel, Vertreterin der Firma HOPPE in Laas. „Die Kooperation mit der Lebenshilfe ist ein Vorzeigeprojekt, denn es wird für uns eine verlässliche Arbeit geleistet und den Menschen Sinn und Selbstwertgefühl geschenkt. Die Klienten gehören bereits zum HOPPE-Team“, so Carmen Daniel. Nach einem köstlichen Mittagessen gab es Führungen durch das Haus Slaranusa. Für die musikalische Umrahmung der Jubiläumsfeier sorgten Lorena, Lukas und Sara.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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