Gemeinsam Garteln
Der Grundstein für den Gemeinschaftsgarten „Patergartl“ ist gelegt.
Schlanders - Einen ersten konkreten Schritt im Rahmen der Nachnutzung des Kapuzinerareals in Schlanders, das der Gemeinde gehört, hat der Verein „Gemeinschaftsgarten Patergartl“ gesetzt. Was es mit dem Projekt im Kapuzineranger auf sich hat, welche Ziele verfolgt werden und wie es weitergehen soll, war am 23. Februar im Besucherzentrum avimundus in Schlanders zu erfahren. Ingrid Karnutsch konnte im Namen des Vereins viele interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Info-Abend begrüßen. Dem Verein gehören derzeit 8 Mitglieder an. „Es war ein langer Weg des Suchens und Zusammenfindens“, sagte Karnutsch, „heute erfahren wir, was bisher geschah und was in Zukunft werden könnte und sollte.“
Mehr als „nur“ Anbau von Gemüse
Einleitend wurde der Dokumentarfilm „Gemeinsam Garteln – Ein gesellschaftliches Phänomen schlägt Wurzeln“ gezeigt, den Evi Keifl 2019 gedreht hat und der anhand mehrerer Gemeinschaftsgarten-Projekte in Südtirol, im Trentino und in Tirol aufzeigt, wie Gemeinschaftsgärten funktionieren. Dass es um viel mehr geht, als „nur“ um den Anbau gesunder Bio-Produkte, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Zusätzlich zum gemeinsamen Arbeiten spielen auch das soziale Miteinander, der Wissensaustausch, die Inklusion und weitere Aspekte eine große Rolle. „Bei uns gehört allen alles. Es ist wichtig, dass man miteinander redet, einander austauscht und auch zusammen feiert,“ sagte Brigitte Gritsch, die den „Gemeinschaftsgarten Staben“ vorstellte. Die Arbeit sei zwar zeitaufwändig und nicht ohne, „aber es tut ungemein gut, in der Erde und in der Natur zu arbeiten.“
Gelungenes erstes Projektjahr
Was sich im Jahr 2025 auf dem über 1.500 Quadratmeter großen Anteil des Kapuzinerangers, der im Einverständnis mit dem Pächter für das Projekt „Patergartl“ genutzt werden kann, getan hat, führte das Vereinsmitglied Helga Karner aus. Der Bio-Bauer Patrik Gamper, der Pächter der Obstwiese im Kapuzineranger, hatte einige Baumreihen entfernt, um zusätzlichen Platz für den Gemeinschaftsgarten sowie für zwei Mietbeete zu schaffen. Der Pachtvertrag mit der Gemeinde läuft noch bis zum November 2026. Neben der Ackerfläche konnte die Gruppe auch das bestehende Glashaus sowie den ebenfalls bestehenden Geräteschuppen nutzen. Neu errichtet wurde u.a. eine kleine Tropfbewässerungsanlage. Fast das ganze Jahr über wurde gearbeitet. Auf das Schneiden von Bäumen und Ästen folgte das Umgraben der Wiese, die Aussaat, die Hege und Pflege und schließlich eine reiche Ernte von Tomaten, Basilikum, Gurken, Melanzane, Peperoni und Kräutern im Glashaus sowie von Kartoffeln, Bohnen, Karotten und weiterem Gemüse auf dem Acker.
Eigene Gartenordnung
Informiert hat Helga Karner auch über die Gartenordnung. Grundsätzlich gilt, dass der Gemeinschaftsgarten und auch die Mietbeete ökologisch bewirtschaftet werden und dass auf einen achtsamen und respektvollen Umgang Wert gelegt wird. Der Mitgliedsbeitrag liegt derzeit bei 30 Euro pro Jahr, für Mietbeete sind es 50. Hinzu kommen Ausgaben für Saatgut, Pflanzen und Materialien. Gemüse, Kräuter, Beeren und Blumen können von jedem Mitglied entsprechend seines Arbeitseinsatzes und mit Rücksicht auf die Gemeinschaft geerntet werden. Neben dem „Patergartl“ gibt es im Kapuzineranger auch eine Fläche, die von Mittelschulklassen mit Montessori-Ausrichtung für ein Anbau-Projekt genutzt wird.
„Ein ganz besonderer Ort“
Mehrfach unterstrichen wurde beim Info-Abend, auch im Rahmen der Diskussion, dass der Kapuzineranger ein ganz besonderer Ort im Herzen von Schlanders ist. Ein Ort der Ruhe, eine Kraftquelle, ein Ort, wo Natur und Menschen zusammenkommen. „Schlanders hat einen wahren Schatz mitten im Ort“, gab sich Helga Karner überzeugt. Abgeschlossen hat sie ihren Bericht mit einem spanischen Sprichwort: In einem Garten wächst mehr, als man gesät hat.
Weitere Mitglieder sind willkommen
Abschließend rief Ingrid Karnutsch interessierte Hobbygärtner, neugierige Einsteiger und Naturliebhaber dazu auf, Vereinsmitglied zu werden und mitzuarbeiten: „Wir möchten gemeinsam einen Ort der Begegnung, der Erholung und der Kreativität schaffen.“ Nähere Infos zum „Gemeinschaftsgarten Patergartl“ erteilt sie unter Tel. 389 4364519. Am Info-Abend teilgenommen haben u.a. auch Patres der Gemeinschaft der Salesianer sowie Kurt Kußtascher, der an der Erstellung des Konzeptes für die künftige Nutzung des gemeindeeigenen Kapuzinerangers maßgeblich mitgearbeitet hatte. Die Gemeindereferentin Kunhilde von Marsoner wertete das Projekt „Patergartl“ als einen der ersten Schritte im Zuge der Konzept-Umsetzung.