Drohnenvermessungen am Ortler
Der Ortler mit dem Oberen Ortlerferner und dem Martlferner

Gletschersturz am Suldenferner

Publiziert in 15 / 2026 - Erschienen am 25. August 2026

Bozen/Sulden - Am 27. Juli ereignete sich am Suldenferner ein großer Gletscherabbruch, weitere Abbrüche von Eis- und Geröllmassen folgten am Tag darauf. Der Suldengletscher ist mit etwa 4,5 Quadratkilometern der zweitgrößte Gletscher Südtirols. „Der Eissturz betraf die Serakwand, die den vom Suldenjoch herabfließenden Gletscherstrom mit dem Hauptkörper des Suldengletschers verband“, berichtet der Direktor des Amtes für Hydrologie und Stauanlagen in der Agentur für Bevölkerungsschutz, Roberto Dinale: „Die Gletscher gehen auf jeder Höhenstufe stark zurück. Solche Ereignisse sind zwar markant, gehören jedoch dort, wo es steil herabfallende Eismassen gibt, zur jetzigen Zerfall-Dynamik der Gletscher dazu. Die Hitzewellen dieses Jahres beschleunigen diese Entwicklung und verschärfen die Ereignisse. In den vergangenen Jahrzenten haben wir bereits am Übeltalferner oder am Gepatschferner ähnliche Ereignisse beobachtet. Im ersten Fall spaltete sich die Eiskappe des Sonklars vom Rest des Gletschers ab, im zweiten Fall der Gepatschferner vom Langtauferer Ferner.“ Am Berg ist heutzutage eine erhöhte objektive Gefahr gegeben und die Risiken, die direkt von der Natur ausgehen und vom Menschen nicht beeinflussbar sind, sind derzeit überdurchschnittlich hoch. Durch den Klimawandel nehmen die Gefahren, vor allem die Steinschlaggefahr, im Hochgebirge zu. Dinale: „Wir überwachen die Situation, fokussieren uns aber vor allem auf die eventuelle Gefährdung von anthropisierten Gebieten. Im freien Raum sind allgemein Vorsicht und Eigenverantwortung gefragt.“

Geringe Winterniederschläge

Wie bereits vor vier Jahren war auch das heurige Jahr durch geringe Winterniederschläge gekennzeichnet, gefolgt von hohen Temperaturen gegen Ende des Frühlings und dann auch im Sommer. Diese Bedingungen tragen dazu bei, die Schmelzprozesse des Permafrosts und der Gletscher zu verstärken, die Berge verändern sich rasch und tiefgreifend. Die Aufgabe des Zivilschutzes besteht in erster Linie darin, die Gebiete zu identifizieren, in denen es anthropogene Elemente von vorrangiger Bedeutung gibt, die im Falle von Instabilitätserscheinungen der Gletscher oder der Gletscherseen betroffen sein könnten, und bei Anzeichen davon einen standortspezifischen Ansatz mit schrittweisen Überwachungsmaßnahmen bis hin zur Einleitung von Notfallmaßnahmen umzusetzen. „Zwar richten wir den Fokus besonders auf die Überwachung der Siedlungsräume und kritischer Situationen in stark frequentierten Gebieten, wir appellieren aber gleichzeitig auch an die Eigenverantwortung derjenigen, die sich im Mittel- und Hochgebirge aufhalten“, so Amtsdirektor Dinale. 

Deshalb seien die ständige Beobachtung des Geländes sowie  ein kontinuierlicher Austausch zwischen den zuständigen Zivilschutzbehörden und den sich vor Ort befindenden Experten wie Bergführer, Hüttenwirte und Mitarbeiter der Aufstiegsanlagen von grundlegender Bedeutung.

Landespresseamt

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