Göflaner Marmor fährt bald elektrisch
Neuer E-Lkw soll den Marmorabtransport aus dem Göflaner Bruch deutlich umweltfreundlicher machen.
Göflan - Der erste Elektro-Vierachser Italiens und überhaupt das erste Fahrzeug dieser Art auf öffentlichen Straßen in Europa wurde unlängst in Göflan vorgestellt. Der Elektro-Lkw der Firma Marx GmbH setzt dabei einen Meilenstein in Sachen Marmor-Abtransport. Die Fraktion Göflan, die Gemeindeverwaltung Schlanders, die Bruchbetreiber der Göflaner Marmor GmbH und das Amt für den Nationalpark Stilfser Joch durften sich vom neuen Fahrzeug überzeugen und über einen wichtigen Schritt hin zum ökologischen Abtransport des Marmors vom Göflaner Bruch freuen. Der Elektro-Lkw hat es dabei in sich: Er kostet rund viermal so viel wie ein herkömmlicher Lastkraftwagen, sprich mehr als 700.000 Euro. „Es ist geplant, den Lkw fünf bis sechs Monate im Jahr für den Marmortransport zu verwenden. Die restliche Zeit wird er anderweitig bei uns eingesetzt“, so Franz Marx. Der Lkw soll viermal täglich die Strecke von Schlanders zum Marmorbruch und wieder zurück bewältigen. Dabei werden Marmorblöcke mit einem durchschnittlichen Gewicht von rund 22 Tonnen zu Tal gebracht. Der Lkw selbst wiegt 18 Tonnen. Das zulässige Gesamtgewicht beläuft sich auf 44 Tonnen.
Energiegewinnung bergab
Jörg Brühlmann von der Firma Designwerk Technologies AG aus dem schweizerischen Winterthur, die den Lastwagen produziert hat, nannte einige technische Details. Demnach verfügt das Fahrzeug über eine Batteriekapazität von 500 Kilowattstunden und eine Motorleistung von bis zu 500 Kilowatt, was etwa 680 PS entspricht. „Es ist das erste Fahrzeug dieser Art, das im Einsatz ist. Es handelt sich um ein Pionierprojekt“, sagte Brühlmann stolz. Der Lastwagen fährt leer den Berg hinauf und transportiert auf der Talfahrt schwere Marmorladungen. „Dadurch, dass er so viel Gewicht runterbringt, hat er eine Energiegewinnung“, unterstrich Brühlmann. Mit einer einzigen Batterieladung könne der Lastwagen auf diese Weise den Marmorabtransport eine ganze Woche lang bewältigen. Vom neuen E-Lkw ein Bild machen konnte sich u. a. die Schlanderser Bürgermeisterin Christine Kaaserer. Sie ließ es sich nicht nehmen als Beifahrerin eine kurze Probefahrt mit dem schweren Gefährt zu unternehmen. „Angenehm und fein. Ein tolles Fahrzeug“, kommentierte sie. Auch Burkhard Pohl, Seniorchef der Göflaner Marmor GmbH, fuhr eine Runde mit und zeigte sich begeistert. Dem Bruchbetreiber sei die Ökologie auch über den reinen Abtransport hinaus ein Anliegen, erklärte auch Juniorchef Peter Pohl.
Ökologische Auflagen erfüllt
Bisher musste der Abtransport seitens der Gemeindeverwaltung jährlich ausgeschrieben werden. Dies deshalb, weil sich der Marmorbruch mitten im Nationalpark Stilfser Joch befindet. Durch ökologische Auflagen könne die Dienstleistung für acht Jahre, also bis zum Auslaufen der Marmorkonzession 2033, ausgeschrieben werden. Diese Auflagen dürften mit dem Elektro-Lkw nun erfüllt sein. Von den ersten erfolgreichen Probefahrten konnte sich auch Hanspeter Gunsch, der Direktor des am Genehmigungsverfahren beteiligten Landesamtes für den Nationalpark, überzeugen. Der Lkw selbst kam nach den ersten Probefahrten kurz vor Weihnachten zurück in die Schweiz für die letzte technische Abnahme und dann im Jänner wieder nach Italien für das hiesige Zulassungsverfahren. Bis Ende Februar solle er kollaudiert sein. Wenn alles glatt läuft, dann wird der Elektro-Lkw Ende Mai, Anfang Juni für den Abtransport des Marmors im Einsatz sein.