In Kurzras kann gebaut werden
Schnalser Gemeinderat gibt grünes Licht für Hotelprojekte.
Schnals - „Die Umweltverbände haben alle ihre Berechtigung, aber es ist augenscheinlich, dass hier zwanghaft etwas auszusetzen gesucht wird“, fand der Schnalser Bürgermeister Peter Grüner unlängst bei der Gemeinderatssitzung klare Worte. Konkret ging es dabei um Punkt 4 der Tagesordnung, der endgültigen Genehmigung des Verfahrens zur Abänderung des Durchführungsplans der Tourismuszone Kurzras 1. Der grundlegende Plan stammt aus dem Jahre 2011, aufgrund des Gefahrenzonenplans, neuer Gegebenheiten und auf Initiative der drei Betriebe Schnalstaler Gletscherbahnen, „Athesia Hotel GmbH“ und „Piccolo Hotel Gurschler“ sollte dieser nun abgeändert werden. Bereits im April war der veränderte Durchführungsplan von der Gemeindekommission für Raum und Landschaft genehmigt und anschließend vom Gemeindeausschuss eingeleitet worden, während der 30-tägigen Frist reichten vier Umweltverbände – der Heimatpflegeverband Südtirol, Climate Action Südtirol, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz sowie Mountain Wilderness – jedoch Einwände ein. Acht Seiten zählte dieses Dokument, zu jedem einzelnen Punkt musste der Gemeinderat schließlich Stellung nehmen. Dabei konnten sämtliche Kritikpunkte abgeschmettert werden.
„Baumasse wird nicht verändert“
Die Anmerkungen der Umweltverbände seien vor allem deshalb obsolet, da es sich um eine Anpassung eines bestehenden Durchführungsplans an die neuen Gegebenheiten handle und nicht um die Ausweisung einer neuen Tourismuszone. Die Baumasse werde nicht erhöht und die Baumassendichte der gesamten Zone eingehalten. „Die Baumasse der Zone wird nicht verändert“, unterstrich Bürgermeister Grüner. Einwände betrafen unter anderem ein angebliches Feuchtgebiet, welches sich jedoch einige hundert Meter abseits der Baulose befindet, wie der Gemeinderat klarstellte. Auch von einer „fragwürdigen touristischen Notwendigkeit“ war seitens der Umweltverbände die Rede. Abgesehen davon, dass dies nur bei einer neuen Tourismuszone angemerkt werden könne und die betroffene Zone bereits 2011 ausgewiesen worden war, könne das Schnalstal durchaus weitere Betten gebrauchen, hieß es im Gemeinderat. Die Gletscherbahn sei ein wichtiger Wirtschaftsmotor für das ganze Tal, damit das Skigebiet funktioniere, brauche es Unterkünfte, idealerweise eben in Kurzras, so der Bürgermeister. Momentan gebe es mehrere Baulose, darunter das Baulos A1, das am meisten von der Lawinengefahr betroffen sei. Bereits vor 15 Jahren war hier der Bau eines Hotels vorgesehen, aber bisher nicht umgesetzt. Nun möchte ein Interessent, die „Athesia Hotel GmbH“, hier ein neues Hotel mit Apartments errichten. Geplant sind rund 160 Betten. Aufgrund des Gefahrenzonenplans wurde die Lage des Hotels verschoben, die vorgesehene maximale Höhe bzw. Gebäudehöhe wurden indes niedriger. Ein weiteres Baulos ist das Baulos H beim „Sporthotel Kurzras“. Hier gebe es noch unverbaute Kubatur, womit das Hotel erweitert werden solle. Beim „Piccolo Hotel Gurschler“ gelte es hingegen einige Anpassungen und Richtigstellungen zu machen.
Auch Baukommission sagt Ja
Die Änderung des Durchführungsplans wurde mit zwölf Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme (von Stefan Oberhofer von der oppositionellen Süd-Tiroler Freiheit) beschlossen. Für die Abstimmung hatte Bürgermeister Grüner vorsorglich den Raum verlassen, da sowohl die Schnalstaler Gletscherbahnen, bei denen er angestellt ist, als auch die „Athesia Hotel GmbH“ zur Athesia-Gruppe gehören. Der Beschluss trat unmittelbar in Kraft. Aus dem Gemeinderat war auch einiges an Unverständnis für die Einwände zu entnehmen. Wenn es um Kurzras gehe, seien Umweltverbände auf den Barrikaden, egal ob es sinnvolle Gegenargumente gebe oder nicht, hieß es. Nur wenige Tage später wurden die betroffenen Bauprojekte schließlich von der Baukommission genehmigt.