Neues Gipfelkreuz
Ein Zeichen des Glaubens, der Gemeinschaft und des Gedenkens auf der Mutspitze in Martell.
Martell - Nicht alles lässt sich planen, schon gar nicht in den Bergen. Das wechselhafte Wetter machte am 19. Juli eine spontane Anpassung des Programms zur Segnung des neuen Gipfelkreuzes auf der Mutspitze (2.941 m) in Martell erforderlich. Die feierliche Segnung mit Grußworten konnte trotz einsetzenden Regens direkt am Gipfel stattfinden. Die anschließende Bergmesse musste jedoch zur tiefer gelegenen Zufallhütte verlegt werden. Der Marteller AVS-Vorsitzende Peter Altstätter konnte auf der Mutspitze viele Bergfreundinnen und Bergfreunde, Vertreter des Alpenvereins, der Bergrettung sowie Ehrengäste begrüßen. In seiner Ansprache gab er einen Überblick über die Entwicklung der Gipfelkreuze in Martell und würdigte die Bedeutung des neuen Kreuzes als Zeichen des Glaubens, der Verbundenheit mit der Heimat und als Wahrzeichen der Berggemeinschaft. Besonders erfreut zeigte sich die AVS-Sektion Martell darüber, dass Generalvikar Eugen Runggaldier für die Feier der Bergmesse und Segnung gewonnen werden konnte. Zu den Ehrengästen gehörten Bürgermeister Georg Altstätter sowie das Ehrenmitglied der AVS-Sektion Martell, Adolf Altstätter, der mit seinen 86 Jahren den Aufstieg zur Mutspitze nicht gescheut hatte.
Die Entstehung des neuen Gipfelkreuzes ist eng mit Andreas Walder verbunden. Er war Initiator und Ideengeber dieses besonderen Projektes und koordinierte die Umsetzung von der ersten Idee über die Planung bis hin zur Errichtung und Montage im Oktober 2025. Für Andreas Walder und seine Frau Claudia hat das Kreuz auch eine ganz persönliche Bedeutung. Bei der Segnungsfeier berichtete Andreas Walder über die Beweggründe für das Projekt sowie über die Gedanken, die hinter der Gestaltung und Umsetzung dieses besonderen Zeichens standen. Angefertigt hatte das neue Gipfelkreuz der Marteller Schmied Roland Schwienbacher, aufgestellt wurde es am 18. Oktober 2025 von Mitgliedern des Alpenvereins und der Bergrettungsdienste von Martell.
Ein Berg mit Geschichte
Die Mutspitze ist mit ihren 2.941 Höhenmetern zwar kein besonders bedeutender Gipfel, zählt aber aufgrund ihrer beeindruckenden Aussicht zu den schönsten Aussichtsplätzen im Tal. Historisch hatte der Berg bereits früher eine besondere Bedeutung. Geschichtsexperte Manfred Haringer berichtete, dass an den Hängen der Mutspitze bereits im Mittelalter Erz abgebaut wurde und der Gipfel über die viele Jahre hinweg als Beobachtungspunkt diente. Vermutlich schon während der Franzosenkriege wurden um 1800 erste Schutzanlagen im Gipfelbereich und entlang des „Mutwandeggs“ bis hinunter zum damaligen Ende des Langferners errichtet. Diese sollten den Vinschgau vor einem möglichen Vorrücken französischer Truppen aus dem Veltlin schützen. Während des Ersten Weltkrieges wurden die Anlagen weiter ausgebaut. Der heutige Steig zur Mutspitze wurde 2017 von Adolf Altstätter erstmals markiert und 2018 gemeinsam mit Forstarbeitern ausgebessert. Bis vor Kurzem war die Mutspitze, auf der bereits ein kleines Holzkreuz gestanden hatte, ein nur selten besuchter Gipfel. Mit dem Aufstellen des neuen Gipfelkreuzes hat sich dies stark geändert. Der Gipfel wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem beliebten Ausflugsziel.
Zeichen des Glaubens und der Verbundenheit
Die Tradition der Gipfelkreuze entwickelte sich in den Ostalpen und in Südtirol erst relativ spät ab 1850, einhergehend mit der touristischen Erschließung der Berge. In Martell wurden die ersten Gipfelkreuze erst relativ spät in den 1950er-Jahren auf dem Hasenöhrl und der Grabensprungspitze errichtet. 1964 folgte ein Kreuz bei der Schwarzwand, errichtet von der Katholische Jugend. Nach der Gründung der AVS-Sektion Martell im Jahr 1962 entstand auch beim Alpenverein der Wunsch nach einem eigenen Gipfelkreuz, woraufhin 1966 ein Kreuz am Ebenen Jöchl errichtet wurde. Heute gibt es im Martelltal rund 23 Gipfelkreuze. Sie sind nicht nur Zeichen des Glaubens und der Verbundenheit mit den Bergen, sondern auch Orte des Erinnerns und des Innehaltens. Eugen Runggaldier ging in seiner Predigt auf die Bedeutung des Kreuzes für die Menschen ein. Im Rahmen der Bergmesse wurde aller verstorbenen Bergkameraden und Mitglieder der Bergrettung gedacht. Ein besonderes Gedenken galt dem im November 2023 verunglückten Marteller Alpenvereins- und Bergrettungsmitglied Philip Walder. Ein herzliches Vergelt’s Gott gilt allen, die zur Verwirklichung dieses besonderen Projektes beigetragen haben, allen voran Andreas Walder. Ein Dank gebührt auch dem Team der Zufallhütte, der Gemeinde Martell, der Schlosserei Schwienbacher, Elektro Schwienbacher (Blitzschutz), Roman Eberhöfer sowie allen Mitgliedern des Alpenvereins und der Bergrettung, die mit großem Einsatz zur Umsetzung beigetragen haben.