Die drei pensionierten Hausärzte Erich Doná, Wunibald Wallnöfer und Helmut Rauner (v.l.) bieten den kostenlosen Dienst ehrenamtlich an.

„Offenes Ohr“ für alle

Drei pensionierte Hausärzte hören zu, erklären Befunde und antworten auf Fragen. Jeden ersten Donnerstag des Monats im Sprengel in Schlanders.

Publiziert in 17 / 2025 - Erschienen am 23. September 2025

Schlanders - Den Befund habe ich zwar abgeholt und ich war damit auch schon beim Hausarzt, aber es gibt immer noch Fragen, die mich quälen. In solche oder ähnliche Situationen geraten viele von uns. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft vergisst man schlicht und einfach, bestimmte Fragen zu stellen. Nicht selten hat man aber auch Angst, gewisse Themen anzusprechen. Hinzu kommen Bedenken, wonach der Arzt ja gar nicht die Zeit hat, mit mir ausführlich über mein Problem zu reden. Ausreichend Zeit für eingehende Einzelgespräche nehmen sich die drei pensionierten Hausärzte Erich Doná, Helmut Rauner und Wunibald Wallnöfer. Sie stehen ab Oktober 2025 an jedem ersten Donnerstag des Monats von jeweils 10 bis 12 Uhr im Sanitäts- und Sozialsprengel Schlanders im Haus der Bezirksgemeinschaft in der Hauptstraße Nr. 134 ehrenamtlich für Gespräche zu Verfügung. 

Keine Konkurrenz zu Ärzten

Was sie im „Glasraum“ im zweiten Stock des Sitzes der Bezirksgemeinschaft unter dem Motto „Wir haben für Sie ein offenes Ohr“ anbieten, ist keinesfalls als Konkurrenz zu Hausärzten, Fachärzten oder zum Krankenhaus zu verstehen. „Uns ist wichtig, den Menschen geduldig zuzuhören, ihnen die medizinischen Befunde ausführlich und einfach zu erklären und auf alle ihre Fragen einzugehen“, fasst Wunibald Wallnöfer das Ziel des Dienstes zusammen, der für alle frei zugänglich ist und kostenlos angeboten wird. Anmeldung braucht es keine. Wer den Dienst, der mit Unterstützung der Bezirksgemeinschaft Vinschgau angeboten wird, in Anspruch nehmen möchte, wird gebeten, alle Befunde mitzubringen. Wie die drei pensionierten Hausärzte ausdrücklich betonen, erstellen sie keine Diagnosen und machen auch keine Untersuchungen. Es geht in erster Linie darum, Menschen ein „offenes Ohr“ zu bieten, ganz nach dem Vorbild des „Café Med“. Ein solches gibt es in Bozen, Meran und Bruneck.

„Café Med“ als Vorbild

Auch die „Café Meds“ werden vielfach von Menschen besucht, die sich gerne ausführliche Antworten zu medizinischen Fragen wünschen, die sie im Krankenhaus oder in den Arztpraxen zum Teil auch deshalb nicht bekommen, weil die Ärzte mitunter unter Zeitdruck stehen bzw. überlastet sind. „Und es gibt manchmal auch bestimmte Ängste und Hemmschwellen, die sich in einem ausführlichen und ehrlichen Gespräch leichter überwinden lassen“, ergänzt Wunibald Wallnöfer. Angst zu haben brauche man vor keinen Fragen: „Dass zum Beispiel ein Mensch mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung wissen möchte, wie lange er noch zu leben hat, ist ganz normal.“ In solchen Fällen sei es wichtig, Betroffene zunächst darauf hinzuweisen, dass diese Frage kein Arzt verbindlich beantworten kann und warum er dazu außerstande ist. Bisherige Erfahrungen der drei pensionierten Hausärzte ergaben, dass die Palette der Fragen, zu denen Patientinnen und Patienten gerne einfache und ausführliche Antworten haben wollten, lang ist. Sie reicht von Fragen zur Chris-Studie, Impfungen und Vorhofflimmern bis hin zu atypischen Brustschmerzen, Hörschwächen, Depression und Krebserkrankungen. Oft wünschen sich die Betroffenen eine „einfache Übersetzung“ von Befunden.

„Aus 4 Metern Entfernung“

Es wurden auch Personen vorstellig, die darüber klagten, dass sie ihr Arzt nur unzureichend untersucht bzw. und nur sehr vage informiert habe. Eine Frau gab an, dass ihr Arzt ihre schmerzenden Gelenke weder untersucht noch betastet habe. Er habe sie aus 4 Metern Entfernung beurteilt. Solche Beispiele zeigen, dass mit dem Dienst des „Offenen Ohrs“ manchmal Bedürfnisse befriedigt werden können, für die es anderweitig offensichtlich kein offenes Ohr gibt. 

Josef Laner

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